Auf dem Handy erwarten die User schnelle Ladezeiten auf News-Seiten.
Auf dem Handy erwarten die User schnelle Ladezeiten auf News-Seiten. © Foto:Peter von Felbert

Performance-Messung | | von Annette Mattgey

Mobile Nachrichten: Wer hat das schnellste Angebot?

Das Lesen der neuesten Nachrichten ist eine der beliebtesten Anwendungen auf mobilen Endgeräten. Doch welche Seite zeigt sie am schnellsten an? Laut den Messungen von Dynatrace ist das der Sender N-tv vor ARD und ZDF. Schlecht schneiden dagegen Focus, Sat.1 und ProSieben ab.

Bereits nach zweieinhalb Sekunden können Smartphone-Nutzer bei N-tv über mobile Webseiten die ersten Nachrichten lesen, bei Focus, Sat.1 und ProSieben erst nach über 8 Sekunden. Bis die vollständige Seite angezeigt wird, dauert es bei der Welt sogar über 20 Sekunden. Am schnellsten zeigen zdf.de (5,12 Sekunden), ard.de und dann heise.de (6,81 Sekunden) alle Inhalte.

Gemäß einer Umfrage von Statista im vergangenen Jahr lesen bereits fast drei Viertel der Nutzer Nachrichten auf ihren Mobilgeräten. Die Anwender werden jedoch häufig ungeduldig, wenn sie länger als drei Sekunden auf das Erscheinen einer mobilen Website warten müssen, wie andere Studien zeigen. Dann überlegen sie sich, ob sie den Ladevorgang abbrechen und auf eine Konkurrenzseite wechseln. Gerade im heiß umkämpften Markt für mobile Nachrichten gehen dann mit den Anwendern oft auch die Werbekunden verloren. Daher ist eine hohe Geschwindigkeit wichtig, um hohe Nutzungsraten zu erreichen.

Doch diese Zusammenhänge scheinen nicht jedem Anbieter bekannt oder präsent zu sein. Dies zeigt ein aktueller Test von Dynatrace: Er ermittelte die Performance und Verfügbarkeit der mobilen Webseiten von 15 führenden News-Portalen in Deutschland. Gemäß den Performance-Messungen sind erste Inhalte auf den Seiten nach folgender Zeit sichtbar:

So viel Zeit vergeht bis zur ersten Anzeige (First Paint Time):

N-tv: 2,40 Sekunden

ZDF: 3,04 Sekunden

ARD: 4,02 Sekunden

FAZ.net: 4,34 Sekunden

RTL: 4,88 Sekunden

Heise: 5,10 Sekunden

Stern: 5,26 Sekunden

Welt: 6,21 Sekunden

Bild: 6,29 Sekunden

Spiegel: 6,65 Sekunden

Sport1: 7,82 Sekunden

Chip: 7,87 Sekunden

Focus: 8,01 Sekunden

Sat1: 8,41 Sekunden

Pro7: 8,43 Sekunden

Objektanzahl wichtig, aber nicht entscheidend

Warum sind diese Zeiten bis zum ersten Eindruck (First Paint Time) so unterschiedlich? Einen ersten Hinweis könnte die Anzahl der Objekte geben, die bei mobilen Webseiten oft wichtiger ist als die Seitengröße. Denn bei mobilen Verbindungen ist die Latenzzeit in der Regel hoch. Das heißt, jeder einzelne Request erfährt – auch bei hohen Übertragungsraten via 3G oder 4G – eine relativ starke Verzögerung. Entsprechend summieren sich die Objektladezeiten auf. Bei PCs, also klassischen Webseiten, hängt die Ladegeschwindigkeit dagegen stärker von der Seitengröße ab und korreliert so mit der herunterzuladenden Datenmenge.

Bei den mobilen News-Seiten gehören tatsächlich diejenigen mit der geringsten Objektanzahl in die Spitzengruppe für eine erste, schnelle, sichtbare Reaktion des Browsers: ZDF (41 Objekte), ARD (59) und Heise (98) haben unter 100 Objekte auf der Website. Doch der Tempo-Spitzenreiter N-tvbesitzt 112 Objekte. Das Schlusslicht ProSieben weist eine 3,5-mal längere First Paint Time auf, hat aber mit 158 nur 1,4-mal mehr Objekte als N-tv. Die Angebote mit über 200 Objekten – Welt, Sport 1 und Bild – liegen dagegen beim Tempo im Mittelfeld. Daher ist die Objektanzahl zwar wichtig, aber nicht entscheidend.

Behalten Sie Ihren Seitenaufbau im Blick

Stattdessen sollte Wert auf einen effizienten Aufbau der News-Seite gelegt werden. Dieser ist so zu strukturieren, dass die ersten Nachrichten, die also oben angezeigt werden, sofort erscheinen und aktiv sind. Falls Bilder, Anzeigen oder weiter unten stehende Nachrichten länger dauern, merkt dies der Anwender entweder gar nicht, da er dazu erst nach unten scrollen muss, oder es spielt für ihn keine Rolle, da er einstweilen mit dem Lesen der angezeigten Headlines beschäftigt ist und diese eventuell schon anklickt.

Die Empfehlung für Betreiber: Um eine schnelle Anzeige zu erreichen, sollten vor allem Javascript- und CSS-Dateien in wenige Objekte zusammengefasst werden. Denn diese sind meist entscheidend, damit der mobile Browser mit dem Rendern und dem Aufbau der HTML-Struktur anfangen kann. Steht die Struktur, werden die ersten Inhalte angezeigt, hier sind News-Texte natürlich zu priorisieren, auf Kosten von weiter unten angezeigten Werbeinhalten oder Bildern.

Die HTML-Struktur ist für die First Paint Time also wichtiger als die schlussendliche Anzahl der Objekte. Doch die Objektanzahl besitzt einen großen Einfluss auf die gesamte Ladezeit der Seite, also die Zeit bis technisch alle Dateien vollständig heruntergeladen sind.

So viel Zeit vergeht, bis die Seite vollständig geladen ist (Page Load Time):

ARD: 2,23 Sekunden (59 Objekte)

Spiegel: 3,95 Sekunden (116 Objekte)

ZDF: 4,42 Sekunden (41 Objekte)

Heise: 4,71 Sekunden (98 Objekte)

N-tv: 4,76 Sekunden (112 Objekte)

RTL: 5,71 Sekunden (133 Objekte)

FAZ.net: 5,96 Sekunden (175 Objekte)

Bild: 6,09 Sekunden (207 Objekte)

Chip: 6,57 Sekunden (181 Objekte)

Stern: 6,87 Sekunden (164 Objekte)

Focus: 6,92 Sekunden (133 Objekte)

Sat1: 7,10 Sekunden (156 Objekte)

ProSieben: 7,48 Sekunden (158 Objekte)

Sport1: 8,66 Sekunden (218 Objekte)

Welt: 18,19 Sekunden (220 Objekte)

Schon auf den ersten Blick lässt sich erkennen, dass die Seitenladezeit (Page Load Time) deutlich stärker von der Objektanzahl abhängt als die First Paint Time. Die Relation ist zwar nicht vollständig 1:1, doch tatsächlich gibt es nur wenige deutliche Ausreißer nach oben und unten. Der Zusammenhang liegt daran, dass die Objekt-Anfrage relativ lange dauert. Doch ist der Download einmal gestartet, läuft er relativ schnell, ab, da die Datenmenge bei mobilen Seiten insgesamt geringer ist als bei herkömmlichen Web-Seiten.

Werbung für Verzögerungen verantwortlich

Insgesamt zeigt sich, dass mit Ausnahme der gebührenfinanzierten Seiten von ARD und ZDF viele Anbieter mit stark dynamischen Werbeinhalten arbeiten. Während in vielen anderen Branchen die Anzahl der Objekte und damit auch die Struktur der Seite weitgehend gleich bleiben, schwankt bei den Newsseiten auch die Anzahl der Objekte.

Dies hängt wohl stark von den Inhalten der jeweils angezeigten aktuellen Nachrichten ab. So werden Anzeigenplätze meist innerhalb weniger Millisekunden verkauft und entsprechend verändert. Der Werbe-Content ist daher stark unterschiedlich und enthält möglicherweise weitere Umleitungen, bevor der eigentliche Inhalt geladen wird. In den Messungen zeigt sich aber, dass gerade dadurch die Ladezeiten verzögert werden. Der eigene Content der Anbieter wird meist sehr schnell angezeigt, während Inhalte von Fremdanbietern oder Werbekunden teils sehr lange dauern. Entsprechend müssen Sie hier auf eine reibungslose Integration und hohe Performance der Inhalte von Drittanbietern achten.

Die Empfehlung für Betreiber: In mobilen Browsern dauert die Datenbearbeitung relativ lange. Daher sollten Drittangebote möglichst effizient in die Seiten eingebunden sowie die Ladezeiten von Drittanbieter-Inhalten über Performance Management Tools kontrolliert werden.

So viel Zeit vergeht, bis die Seite vollständig zu sehen ist (User Time):

Für den Nutzer noch entscheidender ist die User Time, also die Zeit bis alle Inhalte für ihn sichtbar sind. Hierbei sind die Ausführungszeiten von JavaScript und das Rendern der Bilder im Browser enthalten.

Diese unterscheidet sich von der Page Load Time, die nur die Ladezeit mit Bezug auf das Netzwerk technisch erfasst, wie die Tabelle zeigt:

Anbieter   User Time Page Load Time
ZDF   5,12 4,42
ARD   5,38 2,23
Heise   6,81 4,71
Spiegel   8,30 3,95
Bild   8,68 6,09
N-tv  9,11 4,76
RTL   9,77 5,71
Focus   10,95 6,92
Chip   10,96 6,57
Faz.net   10,98 5,96
Sat.1   11,00 7,10
ProSieben   11,42 7,48
Sport1   14,35 8,66
Stern   14,73 6,87
Welt   20,69 18,19

Testsieger ist hier das ZDF gefolgt von ARD und Heise. Im Mittelfeld mit einer schon relativen langen Gesamtladezeit von 8 bis 11 Sekunden bewegen sich die meisten Anbieter wie Spiegel, Bild oder Sat.1. Bei den sehr langsamen Seiten von Sport1, Stern und dem Schlusslicht Welt zeigt sich, dass das Rendern der Seite, also die Verarbeitung der Inhalte durch den Browser, viel zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Dies kann zum Beispiel an einem relativ komplexen Responsive Design liegen. Dann dauert es recht lange, bis der Browser alle Anweisungen umgesetzt hat und die Seite vollständig korrekt anzeigt.

Interessant dabei: es gibt praktisch keinen Zusammenhang zwischen Ladezeit und Dateigröße. Ohnehin liegt diese im Testfeld relativ nahe zusammen. So besitzt die kleinste Website Bild.de eine Größe von 841 KB und Sport1 als größte 2.293 KB. Dies ist nur das 2,7-Fache und diese beiden Seiten weisen keine sehr großen Unterschiede bei den Ladezeiten auf.

Die Empfehlung für Betreiber: Das Responsive Design auf Komplexität prüfen und hier besser auf Einfachheit zugunsten von niedrigeren Ladezeiten setzen. Und: Auch wenn die Seitengröße bei mobilen Webseiten für die Anzeigegeschwindigkeit nicht sehr entscheidend ist, sollte sie trotzdem so gering wie möglich sein. Denn obwohl die meisten Nutzer inzwischen eine Flatrate haben, surfen manche noch mit Volumentarifen oder -beschränkungen. Hier kann am Ende des Monats dann schneller die zulässige Größe überschritten sein und die Geschwindigkeit gedrosselt werden.

Alle glänzen bei der Verfügbarkeit

Die technische Verfügbarkeit, also das Laden aller Bestandteile innerhalb von 60 Sekunden, war bei fast allen Nachrichten-Anbietern mit mehr als 98 Prozent gut. Höhere Werte sind nicht zu erwarten, da mobile Verbindungen öfter Schwankungen unterliegen und daher Ausfälle nicht immer am Betreiber liegen. Nur der Spiegel wies mit 95,03 Prozent eine deutlich geringere Verfügbarkeit auf. Auch hier waren Transaktionsfehler von Drittanbietern die Ursache.

Fazit:

Für eine hohe Nutzerzufriedenheit ist vor allem eine schnelle Anzeige der wichtigsten  Nachrichten entscheidend. Daher sollten News-Anbieter Javascript- und CSS-Dateien in wenige Objekte zusammenfassen. So kann der mobile Browser zügig mit dem Rendern und dem Aufbau der HTML-Struktur beginnen sowie die ersten Inhalte anzeigen. Zudem sollten Drittangebote möglichst effizient in die Seiten integriert werden und das Responsive Design sehr schlank sein. Denn bei mobilen Browsern dauert die Datenbearbeitung relativ lange. Dafür sind Dateigröße und Objektanzahl weniger entscheidend, solange sie im Rahmen bleiben.

Messmethode

Gemessen wurden fünfzehn deutsche mobile Websites in der Zeit vom 25. Februar bis 3. März 2016. Die Messung wurde alle 30 Minuten für das iPhone 6 in den 4G-Netzen von T-Mobile und Vodafone ausgeführt und ist so gestaltet, dass man die tatsächliche Performance und Verfügbarkeit der Shop-Webseiten beim Endnutzer erfassen kann. Im Vergleich zu Android-Smartphones und anderen Modellen gibt es erfahrungsgemäß kaum Unterschiede bei diesen Messwerten.

Mobile Nachrichten: Wer hat das schnellste Angebot?

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