Zukunftsmarkt | | von Annette Mattgey

Mit Mobilität lassen sich bis zu acht Milliarden Euro umsetzen

Ein riesiger Markt, in dem die Karten gerade neu gemischt werden: Wenn es um Mobilitätsdienstleistungen geht, haben Digitalunternehmen gute Chancen, sich ihren Teil vom Kuchen zu sichern. Das Marktvolumen für neue Mobilitätsdienstleistungen sehen die Experten des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) bei acht Milliarden Euro. Im Wettbewerb stehen sich insbesondere Automobilhersteller, ITK-Branche und neue Mobilitätsdienstleister gegenüber. Ursache für den Wandel sind die technologischen Veränderungen, die zunehmende Bedeutung von multimodalen Mobilitätsdienstleistungen sowie neue Mobilitätsanbieter - zum Beispiel aus der Automobilbranche oder ITK-Branche - die in den Markt drängen. Die bisherigen Platzhirsche, die meist regionalen ÖPNV-Anbieter, geraten damit zunehmend unter Druck.

Um die Herausforderungen und Chancen dieser Entwicklung geht es in der BDU-Mobilitätsagenda, die in acht Punkten den derzeitigen und künftigen Handlungsbedarf beschreibt.

1. Zielgruppen und Marktsegmente neu definieren

Das optimale Mobilitätsangebot muss deutlich individueller zugeschnitten sein: Neben Kriterien wie Komfort, Reise-Anlass, Preisbereitschaft sowie Zeitpunkten, Orten und Jahreszeiten sind auch immer mehr emotionale und soziostrukturelle Faktoren zu berücksichtigen.

2. Einfachen und flexiblen Kundenzugang einrichten

Mobil buchbar, über alle Partner hinweg einheitlich und intuitiv nutzbar – so sollten Kunden ihre Verkehrsmittel künftig auswählen und abrechnen können.

3. Neue Geschäftsmodelle entwickeln

Die Marktteilnehmer müssen sich als integrierte Mobilitätsanbieter positionieren. Dazu können sie entweder eigene Mobilitätsangebote kombinieren (z.B. regionale Buslinie und Car-Sharing) oder Mobilitätsdienste Dritter aggregieren.

4. Klarheit über Nachfrage- und Erlöspotenziale verschaffen

Von der Kenntnis der Preisbereitschaften für Mobilitätsleistungen und Services bis hin zur Klarheit über (zusätzliche) Zahlungsbereitschaften: Das Mehr an Flexibilität und Komfort durch intelligente Mobilität muss wirtschaftlich sinnvoll darstellbar sein und vom Markt angenommen werden.

5. Intelligente Finanzierungsmöglichkeiten entwickeln

Mobilitätskonzepte benötigen in der Regel eine Vorlaufzeit von mehreren Jahren, bis die identifizierten Erlöspotenziale ausgeschöpft werden. Erfolgsvoraussetzung für neue Mobilitätsdienstleistungen ist zudem eine kritische Masse an Nutzern.

6. Neues Rollenverständnis schärfen und etablieren

Jedes im Mobilitätsmarkt tätigen Unternehmen sollten bereits heute die Frage beantworten, welche Rolle es im Mobilitätsökosystem der Zukunft wahrnehmen möchte und seine Strategie entsprechend ausrichten.

7. Komplexität der Mobilität in "Smart Business Networks" organisieren

Gefordert sind „Smart Business Networks“, also strategische Allianzen von Konzernen und Verkehrsbetrieben, Mittelständlern und Startups, die flexibel kooperieren und ihre Prozesse agil aufeinander abstimmen.

8. Standards und Schnittstellen flexibel und offen gestalten

Wollen Mobilitätsanbieter in „Smart Business Networks“ flexibel und in Echtzeit kooperieren, müssen organisatorische wie technologische Schnittstellen und Standards geschaffen werden.

"Die Chancen, sich vom reinen Transportunternehmen zum Mehrwerte-Dienstleister in Sachen Mobilität zu entwickeln, werden bislang zu selten genutzt. Doch nur so lassen sich attraktive Einnahmequellen erschließen und vorhandene Defizite abbauen", betont BDU-Geschäftsführer Kai Haake. "Mit der heute vorgestellten Acht-Punkte-Agenda wollen wir Mobilitätsanbieter in die Lage versetzen, ihre Herausforderungen zu überprüfen und lohnende Handlungsfelder zu identifizieren."    besonders den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sehen die BDU-Experten unter Zugzwang, sich technologisch zukunftsfähig aufzustellen und intelligente Kooperationen zu knüpfen. Denn: In den Städten und Ballungsgebieten lebt bereits heute gut die Hälfte der Weltbevölkerung. Bis zum Jahr 2050 wird sich dieser Anteil auf zwei Drittel erhöhen. Die komplette BDU-Mobilitätsagenda lässt sich hier herunterladen.

Mit Mobilität lassen sich bis zu acht Milliarden Euro umsetzen

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