Christina Hütten | | von Annette Mattgey

Mediakraft: Neues Geschäftsmodell löst keines der Youtuber-Probleme

Das Multichannel-Network (MCN) Mediakraft startet mit einem neuen Geschäftsmodell, das die Verluste der letzten Zeit auffangen und für mehr Stabilität sorgen soll.

Die Basis des neuen Modells ist, ähnlich wie in der Musikbranche, nun orientiert an den Rechten der Videos und Kanäle. Die Beziehungen zwischen MCN und Youtubern sollen dadurch gefestigt werden. Ziel ist es, dass die Youtuber nun ihre Inhalte direkt an Mediakraft abtreten und nicht mehr so wie bisher nur bei einzelnen Kampagnen mit Mediakraft arbeiten. Dieses Owned&Operated-Modell soll für mehr Sicherheit bei den Youtubern und eine bessere Übersicht sorgen.

Auf den ersten Blick liest sich das wie eine Professionalisierung der Branche. Allerdings werden bei genauerer Betrachtung auch Probleme in diesem Modell deutlich.

Zum einen haben viele der Youtuber ihre Kanäle über Jahre mühsam aufgebaut. Eine Abgabe der Rechte an genau dieser, sehr langen Arbeit erscheint als großer Schritt. Für viele vermutlich zu groß. Gerade eben weil es zwar in der Musikbranche ähnlich gehandhabt wird, es dort aber auch genügend kritische Stimmen gibt, wird es schwer sein, einen Youtuber von einem solchen Schritt überzeugen zu können. Er gibt ein großes Stück der Kontrolle über seine eigene Arbeit ab.

Die stärkere Kontrolle der Inhalte könnte außerdem dazu führen, dass die Youtuber sich eher wie Moderatoren fühlen und nicht mehr wie die "Macher" hinter den Inhalten. Und gerade das schadet wiederum Kampagnen. Auch wenn die Authentizität der Youtube-Stars in vielen Punkten eher Show als tatsächliche Persönlichkeit ist, so sind ihr Stil und ihre Art die größten Aushängeschilder ihrer Kanäle und Videos. Jeder Eingriff hier führt unweigerlich dazu, dass die Fans Veränderungen bemerken. Es kommt schon heute nicht selten vor, dass User sich beschweren, wenn ihre Stars zu viel Werbung machen oder die Sponsored Videos nicht in den sonstigen Rahmen passen.

Viel wichtiger als die Rechte für die Videos zu sichern, wäre es für Mediakraft, die tatsächlichen Gründe für die Unzufriedenheit der YouTuber zu analysieren und sich dort zu verändern. Ein neues Geschäftsmodell ist, wie ein Pflaster auf eine Schusswunde zu kleben: Erst mal sieht es nach Hilfe aus, verhindert aber nicht den Blutverlust.

So ungeschickt der Abschied von Simon Unge aus seinem ehemaligen Netzwerk Mediakraft auch gewesen sein mag, er hat sehr deutlich gezeigt, dass in der Branche etwas falsch läuft. Allerdings sind seine Kritikpunkte ganz andere, als die, die nun durch das neue Geschäftsmodell geändert werden. Auch LeFloid hatte sich aus ganz ähnlichen Gründen, wenngleich auch weniger spektakulär, von Mediakraft verabschiedet. Beide beklagen zu wenig Anleitung und Unterstützung durch das Netzwerk. Sie vermissten eben genau diesen Netzwerkgedanken und fühlten sich falsch betreut.

Durch eine Überschreibung der Rechte an den Videos wird aber genau dieses Problem nicht gelöst, sondern eher verstärkt. Der Youtuber hat nun keinen Einfluss mehr darauf, was mit seinen Videos geschieht. Somit hat er auch eine viel kleinere Verhandlungsbasis bei Unstimmigkeiten. Selbst nach Auflösen seines Vertrags bleiben die Inhalte bei Mediakraft. Unter Umständen sogar nicht einfach nur die Videos, sondern auch die Rechte am ganzen Kanal. Für einen bekannten Youtuber stellt das nicht unbedingt ein großes Problem dar. Öffnet er oder sie einen neuen Kanal, finden sich auch schnell wieder Abonnenten. Für weniger bekannte Persönlichkeiten hingegen steht wesentlich mehr auf dem Spiel. Einen Kanal mit mehreren hunderttausend Abonnenten ersetzt man nicht über Nacht. Besonders dann nicht, wenn weiterhin die eigenen Videos anderswo laufen.

Der richtige Schritt für eine größere Professionalisierung des Geschäfts wäre, nicht nur für Mediakraft, den Youtubern mehr Verantwortung und eine bessere Betreuung zu stellen. Viele haben gerade anfangs nur in Teilen eine Vorstellung davon, was es bedeutet in der Öffentlichkeit zu stehen und ihre Kreativität in einen Job umzuwandeln. Sie brauchen mehr Mitspracherecht und einen klaren Weg, um aus sich und ihrem Kanal das Beste zu machen. Einfach nach Kampagnen Themen abzuhandeln, um möglichst viele Klicks zu sammeln, reicht nicht, um langfristig erfolgreich zu sein. Und genau daran sollte sowohl den MCN als auch den Youtubern gelegen sein.

Christina Hütten ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zur Autorin und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.  

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