Dominik Frings | | von Dominik Frings

Media vs. Kreation: Kann es im Fegefeuer der Eitelkeiten Sieger geben?

Die Geschichte der Werbung ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Es ist im Kern ein Spiegel des menschlichen Zusammenseins und erinnert immer wieder an das Verhältnis von Männern und Frauen. Dieses bedarf wohl keiner weiteren Erläuterungen, wobei ich in der nun folgenden Analogie nicht einem Kontrahenten eine spezifische Geschlechterrolle zuweisen will.

Aber dass sich Kreative und Medianer nicht so recht verstehen wollen, ist mehr Regel als Ausnahme. Ich will mich da aus einer gewissen Befangenheit gar nicht herauswinden. Ich stehe auf der Mediaseite und meine Verwunderung über manch Gebaren kann ich häufig nur in einem Vollbad aus Ironie und Zynismus ertragen. Das geht dem kreativen Antipoden sicherlich ähnlich, aber ich habe selbstverständlich Recht und er nicht ;-).  Deshalb möchte ich mich jedoch noch lange nicht zum Richter aufspielen.

Nun wurde aus dem einen Lager nach langer Zeit endlich wieder eine Verbalkeule ausgepackt, die dankbar aufgegriffen und beantwortet wurde. Newton zum Gruß ist der aktuelle Stand also Actio = Reactio. Aber kann es in diesem Fegefeuer der Eitelkeiten einen Sieger geben? Nein, denn es gibt ja kein konkretes Ziel oder messbaren Erfolgsfall, den eine der beiden Seiten verbuchen könnte und wie bei Mann und Frau, kommt der eine meistens nicht ohne den anderen aus. Da mag es natürlich Ausnahmen geben, die ich effekthascherisch in die Tastatur einspanne. Da werden alsbald zudem sicher wieder allwissende und zur höheren Erleuchtung bekehrte Media-Apologeten ihre gleichgestrigen  Abgesangslitaneien anstimmen und die ein oder andere Stimme aus dem Off den Senf der Tugend beisteuern. Empirisch bleibt allerdings meist wenig Belastbares übrig und ändern wird sich genauso wenig, außer dass sich Kunden endlich wieder kopfschüttelnd bestätigt sehen, dass doch sehr viel Zinnober um nichts gemacht wird.

Denn ganz ehrlich: Wenn ich mich nicht gut beraten fühle, dann wechsle ich die Agentur (kreativ wie medial) oder die Teams, lass es ganz bleiben oder mach es selber, wenn ich es glaube selber zu können. Letzteres ist aber auch in einer automatisierten Welt nicht trivial und zudem risikobehaftet. Da kann man gleich das nächste Fass aufmachen, das auch immer durch die Werbelandschaft gerollt wird, wenn einem gerade nichts einfällt. Ich freue mich auf ein Wiedersehen im Sommerloch.

Jedenfalls brauchen Kunden keine Fürsprecher aus den beiden Lagern und sicherlich ist es den meisten lieber, dass mit als über sie gesprochen wird. Und wenn sich dann alle wieder beruhigt haben, können wir zur Tagesordnung zurückkehren. (Mir ist zum Beispiel eher selten fad im Berufsalltag. Sollte sich das eines Tages nachhaltig ändern, wandere ich vielleicht aus in ein Land dessen Sprache ich nicht spreche.)

Vielleicht redet man sogar mit seinem werblichen Komplementär, denn ob es eine Flitzpiepe ist oder ein kompetenter Fachmann seines Metiers, kann ich nur so herausfinden und auf beiden Seiten finden sich beide Vertreter. Als versöhnliche Geste und Zeichen gebe ich an dieser Stelle offen zu, dass ich nette Kreative kenne, mit denen ich gut arbeiten kann. Zum Teil entwickelt sich sogar ein gemeinsames (Achtung wichtiges Wort:) strategisches Verständnis! Und bitte glauben Sie mir, die letzten Sätze haben gar nicht (so) weh getan.

Dominik Frings ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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