Melina Sophie mit ihrer Trophäe.
Melina Sophie mit ihrer Trophäe. © Foto:https://www.flickr.com/photos/webvideotage/27184686100/in/album-72157668972886601/

Christina Hütten | | von Christina Hütten

Make Youtube great again! - Wer beim Webvideopreis 2016 abräumte

Wenn junge Mädchen schreiend und kreischend hinter schwarzen Minibussen her rennen, dann ist wieder Zeit für den Webvideopreis.

Der erste Eindruck

Die Organisation wird von Jahr zu Jahr professioneller. Diesmal fand die Veranstaltung im Castello in Düsseldorf statt und es gab einen recht beeindruckenden roten Teppich, vor dem sich Teeniehorden und Reporter drängten um einen Blick und ein Foto der nominierten Youtuber zu erhaschen. Der Lautstärkepegel gleicht ungefähr einem Boybandkonzert in den 90ern und man könnte wunderbar ein Ratespiel daraus machen, sich nur das Schreien anzuhören und dann zu erraten, wer gerade den Teppich betreten hat. Das mag im ersten Moment etwas befremdlich wirken, ist aber im Grunde auch nichts anderes, als die Hysterie zu Zeiten von Elvis oder den Beatles.

Nach dem roten Teppich erwartete die Besucher im Castello ein Event, das von Design und Ablauf her mittlerweile durchaus mit den bekannten Preisverleihungen aus Film und Fernsehen vergleichbar ist, auch wenn die Besucherzahlen noch etwas geringer sind.

Die Verleihung

In insgesamt 13 Kategorien (hier die Shortlist mit allen nominierten Filmen und Kategorien) wurden aus jeweils drei Nominierten in einem Voting von Publikum und Jury die Gewinner gekürt. Aufgrund einer Erkrankung von Christian Ulmen führten die RocketBeans durch den Abend, denen man ihre Erfahrung durchaus anmerkte. Die Moderation wirkte professionell und locker. Auch gab es keine so chaotischen Szenen wie im letzten Jahr, als Kollegah mit seiner Entourage die Bühne stürmte. Neben dem reinen Awardprogramm gab es auch noch einige musikalische Auftritte. So stellten die Lochis ihren ersten Hit aus dem bald erscheinenden Album "Zwilling" vor, Frida Gold rockte die Bühne mit einer besonderen Version von  "Wir sind zuhaus" und Lawrence Taylor überzeugten mit ihrem Hit "Bang Bang".

Eines der Highlights war sicher das Livevoting zu den Kategorien "Person of the Year Male" und "Person of the Year Female", welches während der Veranstaltung über die sozialen Netzwerke lief. Gewonnen haben am Ende Julian Bam und Melina Sophie, die bei den Zuschauern deutlich vorne lagen. Ihnen wurde ihr Preis von Hannelore Kraft (Ministerpräsidentin von NRW) übergeben.

David Hain gewann in der Kategorie "Journalism" mit seinem Beitrag zu dem erstaunlichen Leben von Fabian Siegismund, Fabian Siegismund wiederum wurde für "Das Netzwerk", eine Parodieserie auf das Youtube-Netzwerk Studio71, geehrt. Im Bereich "Lifestyle" ging die Auszeichnung an Breedingunicorns, die auf ihrem Kanal alle klassischen Arten von Videos über DIY bis hin zu Kooperationen und FAQs abdeckt. Melissa Lee bedankte sich sehr kurz und bündig für ihren Preis, nutze aber die Zeit auf der Bühne um, ganz zu ihrem Stil passend, mit einem pinkfarbenen Gewehr Konfetti in die Luft zu schießen.

Die Kategorie "Arthouse" konnte Fuck you Zombie mit dem Video "Selfie from Hell" für sich entscheiden. Als "Bestes Musikvideo des Jahres" wurde Token von Mhokomo ausgezeichnet. Im Bereich Sport gewann "Life is a Dance" von Sebastian Linda. Als bestes Commercial wurde, wenig überraschend, der Weihnachtsspot "Heimkommen" von Edeka ausgezeichnet. Allerdings war niemand vor Ort, um den Preis entgegen zu nehmen.

Die Highlights

Eines der Highlights war mit Sicherheit die Verleihung des Awards für das "Beste Video des Jahres". Gewonnen haben T7pro mit ihrem Star-Wars-Fan-Film Darth Maul: Apprentice. In dem actionreichen Kurzfilm, der eigentlich eine Abschlussarbeit ist, gibt es bemerkenswerte Kampfszenen, Kamerafahrten und Spezialeffekte. Der Film erregte sogar die Aufmerksamkeit Hollywoods und sichert sich ein IMDB Scoring von 7,6.

Dass der Webvideopreis aber nicht nur aus DIY und Flausch besteht, zeigte sich  eindrucksvoll in den Kategorien "360 Grad" und "Newcomer". Das ausgezeichnete 360-Grad-Video, zeigt das Leben eines Schweins von der Geburt bis zum Schlachter. Realisiert wurde das Video von Animal Equality Deutschland mit Unterstützung von Thomas D.

Als Newcomer prämiert wurde eine Youtuber-Gruppe namens Datteltäter, die mit ihren Videos ein Zeichen  für Gleichberechtigung und Integration setzen wollen. Es lohnt sich wirklich, dem Kanal einen Besuch abzustatten. Denn auch das ist Youtube: Politisches Engagement, dass auch vor kritischen Themen nicht Halt macht.

Die mit Abstand beste Dankesrede des Abends stammt aus dem Bereich Gaming und wurde von Hand of Blood gehalten, der es sich nicht nehmen ließ, ein paar mahnende Worte an die anderen Youtuber zu richten. Er machte deutlich, dass die Qualität der Videos, entgegen der viel geäußerten Meinung, nicht vom Publikum, sondern aber von den Machern selbst bestimmt wird. Jeder Youtuber hat eine Verantwortung gegenüber seinen Zuschauern, der sie sich bewusst sein müssen, um den aktuellen Trend zu sinnlosen Prankvideos und Trashcontent wieder in positive Bahnen zu lenken. Eine Bitte, die man so nur voll unterstützen kann.

Die Hall of Fame

Am Ende der Preisverleihung gab es noch einen weiteren Punkt, der Beachtung verdient. Die Webvideo Academy hat eine Hall of Fame gegründet, um dort die wichtigsten Youtuber gesondert zu ehren. Dieses Jahr wurde YTitty in die Hall of Fame aufgenommen, die extra für den Webvideopreis trotz ihrer Trennung im letzten Jahr, noch einmal zusammenfanden um den Preis gemeinschaftlich zu akzeptieren.

Fazit

Der Webvideopreis wird jedes Jahr ein Stück erwachsener.  Der Fortschritt in der Größe der Location und der Auswahl der Preisträger zeigt, dass das Thema Webvideo nun auch einen wichtigen Schritt in bedeutungsvollere Formen gemacht hat. Es geht nicht mehr alleine nur noch um Comedy und DIY, die Preisverleihung bekommt auch immer mehr gesellschaftliche und politische Aspekte, genau wie Youtube selbst. Die schreienden Teenies werden so schnell nicht verschwinden, aber das sollen sie auch gar nicht. Sie sind die Zielgruppe, die mit ihren Taten noch Einfluss auf die Gesellschaft nehmen kann. Und wenn man sie über Youtube dazu anstiften kann, dann sollte uns allen das eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema wert sein.

Christina Hütten, Manager Social Media Relations bei Qiagen, ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zur Autorin und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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