Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Macht hat, der berührt

Apple hat die Berührung ins neue Zeitalter geführt: mit Produkten wie dem iPhone oder dem iPad, das der Besitzer streicheln muss, wenn er sich von Seite zu Seite blättern will. Von seinen bahnbrechenden Erfindungen hat der Konzern lange gut gelebt - doch nun steht Apple, wie die "Süddeutsche Zeitung" in dieser Woche berichtet -  eine Talfahrt bevor. Smartphones, Tablets bieten heute auch andere an, zu günstigen Preise. Bei Apple müssen schleunigst die Innovationen her.

Wie sehr der haptische Zauberstreich tatsächlich den Erfolg von iPhone & Co. geformt hat, lässt sich nur erahnen. Digital Leader Nico Rose hat Studien zusammengetragen, die besagen eines: Berührungen rufen positive Emotionen hervor. Manchmal völlig unbewusst. Und das nicht nur unter Turteiltauben - sondern auch im Business. Wer also seine Kollegen von einem neuen Projekt überzeugen möchte, sollte es mal ausprobieren: kurzer Griff an die Schulter - eine der dafür unverfänglichsten Körperstellen - und warten, bis der emotional manipulierte Berührte gar nicht anders kann als den Daumen für den geäußerten Vorschlag hochzuhalten.

VW will den Trick mit der Berührung, den magic touch, offenbar ausprobieren: Dafür hat sich der vom Abgas-Affäre gebeutelte Autokonzern Apple-Manager Johann Jungwirth geholt. Der 42-Jährige, der zuletzt als Director für die Entwicklung von Mac-Computersystemen zuständig war, soll jetzt die Digitalisierungsstrategie von Volkswagen vorantreiben. Dabei untersteht er direkt Konzernchef Matthias Müller. Der wird inständig hoffen, dass das gröbste Affärenchaos ausgestanden ist, bis die Weihnachtsglöckchen klingeln.

Für den “wichtigsten Teil des Jahres”, wie er ihn nennt, hat sich Rubin Ritter, Vorstand von Zalando schon gerüstet. Das Geschäft anheizen soll eine Kooperation mit der sexy Unterwäschemarke Calvin Klein Underwear. Über den Hashtag #Shareyoursexy soll die Diskussion neuen Höhen erklimmen: Das Model Joan Smalls tritt in Spots für die verschiedenen Märkte auf. Mit dieser Rezeptur hofft der Online-Modehändler Zalando im Geschäftsjahr 2015 die Drei-Milliarden-Euor-Marke zu nehmen.

Ohne Werbung, die den Konsumenten im besten Sinne berührt, geht es nun mal nicht. Das haben deutsche Unternehmen durch die Bank begriffen: Mehr als die Hälfte der Mitglieder in der Organisation der Werbetreibenden im Markenverband (OWM) gibt in einer Umfrage an, 2016 seine Mediaausgaben zu steigern, im Vorjahr war es nur ein Drittel. Nur knapp ein Fünftel der Befragten (19 Prozent) will 2016 seine Etats verringern.

Als größte Herausforderung für die Werbewirtschaft nennen die Befragten Transparenz im Mediageschäft sowie die digitale Transformation. Eine große Herausforderung ist das in der Tat. Ausgerechnet Adblock Plus-Gründer Eyeo, der sich als weißer Ritter im Kampf gegen die böste Online-Werbeindustrie promotet, steht dabei immer stärker unter Beschuss: Unter dem Mantel der Acceptable Ads schlüpfen auch solche Seiten durch die Werbesperre, die auf gefälschte Gewinnspielseiten und pornografische Inhalte führen. Das berührt User zwar auch - aber sicherlich nur selten positiv.

Macht hat, der berührt

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