Sven Korhummel, Cyperfection: Menschen müssen die Oberhand im Umgang mit KIs behalten
Sven Korhummel, Cyperfection: Menschen müssen die Oberhand im Umgang mit KIs behalten © Foto:Cyperfection

Interview | | von Irmela Schwab

Künstliche Intelligenz: Großartige Helfer im Entscheidungsprozess

Künstliche Intelligenz ist das Buzzword Nummer eins im modernen Marketing. LEAD digital spricht mit Sven Korhummel, Geschäftsführender Gesellschafter der Digitalagentur cyperfection, über die Chancen bei der Automatisierung und den natürlichen und nötigen Grenzen der intelligenten Maschinen.

Wie verändert künstliche Intelligenz das Marketing: Was sind die größten Unterschiede zum bisherigen Marketing?

Für uns als Spezialisten für digitale Markenstrategie und unsere Arbeit spielt künstliche Intelligenz eine immer größere Rolle, denn Markenkommunikation wird zunehmend von virtuellen Botschaftern übernommen. Bereits heute bestimmen Chatbots an den relevanten Marken-Touchpoints, wie etwa den Messengern von WhatsApp oder Facebook, einen Großteil der Kommunikation und beeinflussen dadurch maßgeblich die Wahrnehmung der Zielgruppen – Tendenz steigend. Das bringt auch große Veränderungen für künftige Marketingkonzepte mit sich. Agenturen dürfen nicht mehr in Kampagnen und Projekten denken, sondern sollten sich verstärkt der strategischen Beratung widmen. Denn es gilt, Kunden aufzuzeigen, in welchen Bereichen neue Technologien, insbesondere KI, sie wirklich dabei unterstützen können, Business-Anforderungen zu lösen. 

Haben Sie ein Beispiel dazu?

Dies kann etwa über Empfehlungs-Engines für Online-Shops geschehen – bei Amazon macht diese Art der KI-Nutzung bereits über ein Drittel der Umsätze aus. Auch im Service-Bereich können KIs maßgeblich für mehr Effizienz sorgen. Integriert man sie etwa als Chatbot in gängigen Messengern wie WhatsApp oder Facebook, können sie Absatz und Service-Geschwindigkeit signifikant ankurbeln. Doch auch im täglichen Leben der Konsumenten verändert KI einiges: Digital Assistents wie Echo und Google Home oder verschiedenste Wearable-Devices rücken immer näher an den Menschen heran – von der Uhr bis zum intelligenten Schuh. Etwa die Fitness-App der Sportmarke UnderArmour, die via der IBM-KI Watson persönliche Trainings- und Ernährungspläne bietet. Und auch die vordergründig ganz banale Google-Suche im Netz wird immer stärker von KI-Anwendungen beeinflusst. Die intelligente Suchmaschine bezieht Texte aus Produktbeschreibungen und Rezenssionen ins Search-Ranking ein, um personalisierte Empfehlungen zu geben – und das in Echtzeit und Location-basiert. 

Wo liegen die Grenzen von KI?

Aktuell scheint es keine Grenzen für die Leistungsfähigkeit künstlicher Intelligenzen zu geben. Dank ihrer Fähigkeit, sich selbst weiterzuentwickeln und neue Verhaltensmuster zu erlernen – dem sogenannten Maschine Learning – sind die vorstellbaren Einsatzmöglichkeiten für KIs wie Watson, Siri oder Alexa ebenfalls fast endlos.  Die neue Methodik der kognitiven Informatik, also die Informationsverarbeitung menschlicher Entscheidungsprozesse und Emotionen in technischen Systemen, ist auf dem Vormarsch und läutet den Übergang in der weiteren Entwicklung künstlicher Intelligenzen ein. Künftig werden Maschinen mit ihrer symbolischen Überlegenheit durch algorithmische Evaluation und Entscheidung den Menschen in vielen Bereichen ‚ersetzen’. Ob das so gewollt sein kann, steht aber auf einem anderen Blatt. 

Was soll und muss weiterhin in Menschenhand bleiben?

Wir beobachten immer häufiger, dass künstliche Intelligenzen aufgrund von Daten, Algorithmen und Kontextinformationen dem Menschen – auch aktiv – Entscheidungen abnehmen. Ein Beispiel: Trading-Systeme im Hochfrequenzhandel von Wertpapieren. Hier werden die Entscheidungen und die echten Kauf- und Verkaufsprozesse eigenständig und komplett von Maschinen übernommen. Das zeigt wie weit die Technologie schon gereift ist, aber es sagt noch lange nichts darüber aus, ob das auch gut und ethisch vertretbar ist. Ich bin überzeugt, dass KIs in Zukunft großartige Helfer im Entscheidungsprozess sein können. Doch die eigentliche Festlegung für eine Aktion sollte unbedingt bei dem bleiben, den sie direkt betrifft – den Menschen. Ausnahmen wie der Aktienhandel oder andere kontext- und geschwindigkeitsbasierte Aktionen, wie etwa schnelle Entscheidungen in Gefahrensituationen im Straßenverkehr (Autonomous Driving), bestätigen allerdings die Regel.

Wie wird sichergestellt, dass künstliche Intelligenzen sich nicht gegen den Menschen kehren, indem sie ihre eigene Dynamik entwickeln?

Hierzu möchte ich den viel zitierten Stephen Hawking noch einmal anbringen. Er sagte: „Sobald es Menschen schaffen, Künstliche Intelligenz zu entwickeln, wird diese von sich selbst aus starten. Sich neu erfinden, und dies mit einer immer schneller werdenden Geschwindigkeit.“ Menschen seien einfach durch ihre langsame biologische Entwicklung eingeschränkt und könnten nicht mehr mit ihnen konkurrieren. Der Mensch würde so langfrist als führende Intelligenz auf der Erde abgelöst werden, so Hawking. Meiner Meinung nach gibt es keine Sicherheit dafür, solche Entwicklungen auszuschließen. Dem kann letztlich nur ein “Notausschalter” entgegenwirken – er ist sogar dringend angebracht. Sonst läuft der Mensch wirklich Gefahr, ins Hintertreffen zu gelangen.

Mehr über Künstliche Intelligenz und ihre Grenzen lesen Sie in LEAD digital 11/2017

Künstliche Intelligenz: Großartige Helfer im Entscheidungsprozess

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