"Eurotechnopanik" | | von Petra Schwegler

Jarvis über "Googlephobie": Deutsche Verleger haben sich blamiert

Jeff Jarvis, Experte auf dem Gebiet Internet und Social Media sowie Berater in Medienunternehmen, kommt beim Rundumblick auf den Umgang deutscher Verlage mit Internet und Google zu dem vernichtenden Urteil: "Deutsche Verleger erstarren in Fortschrittsfeindlichkeit, statt neue Technologien zu umarmen. Sogar das EU-Parlament haben sie mit ihrer Googlephobie angesteckt." In einem ausführlichen Gastbeitrag für die Medienmarke "Zeit" unter der Überschrift "Eurotechnopanik" beklagt der Professor der Graduate School of Journalism an der City University of New York für Europa drei Kräfte, "die das Internet gefährden: Kontrolle, Protektionismus und Technopanik".

Vor allem Springer-Chef Mathias Döpfner stellt Jarvis in seinem Gastbeitrag an den Pranger – als Speerspitze des Leistungsschutzrechts, welches Jeff Jarvis im Sinne des Fortschritts offensichtlich ablehnt. Protektionismus stehe im Mittelpunkt des deutschen Problems, schreibt der eifrige Twitterer (143.000 Follower). "Die Zeitungsverlage, unter Führung des Axel Springer Verlags und seines Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner, haben Google als willkommenen Buhmann des digitalen Zeitalters ausgemacht und ihm den Krieg erklärt", schreibt Jarvis über das seiner Sicht größte deutsche Problem. Die "Googlephobie" sei "kurzsichtig und selbstzerstörerisch". Die Verleger hätten ihren beachtlichen politischen Einfluss geltend gemacht, um die Regierung für ihren Kampf einzuspannen, wirft der Medien- und Webkenner ein und zählt die aus seiner Sicht absurdesten Fehler genau auf. Zu schnell sei unter anderem dadurch die freie Entwicklung des noch jungen Mediums Internet schon in der Regulierungsfalle gelandet; andere Medien wie Bücher oder Zeitungen hätten mehrere Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte Zeit gehabt, sich zu entfalten.

Jarvis, der den Podcast "This Week in Google" herausgibt und Aktien von Google, Apple und Amazon hält, spart auch nicht mit Kritik am Suchmaschinenriesen. Das US-Unternehmen sei im Umgang mit den Verlagen nicht immer geschickt gewesen. Auch habe es Google versäumt, "die Eurotechnopanik auf kultureller und besonders politischer Ebene nicht angemessen anzugehen. Das Problem ist eben, dass Google-Leute Ingenieure sind", so Jarvis. Google müsste eben auch Europa mehr zuhören, zu lernen und die Bedürfnisse zu akzeptieren. Letztendlich fordert der Buchautor Nutzer und Medienunternehmen dazu auf, das "Wunder" Internet wieder mehr zu bestaunen. Wie "klassische" Medien funktionieren, weiß Jeff jarvis übrigens sehr gut: Er entwickelte das Konzept des Unterhaltungsmagazins "Entertainment Weekly" und ist Kolumnist für den "Media Guardian". Einen aktuellen Anlass gibt es durchaus für das Essay: Online-Suchmaschinen wie Google sollten aus Sicht des EU-Parlaments von der Politik stärker beaufsichtigt werden. Die Suchergebnisse sollten "frei von Verzerrungen und transparent" sein, verlangten die Abgeordneten in einem am Donnerstag in Straßburg verabschiedeten Entschluss und plädieren damit für die Entflechtung von Suchmaschinen à la Google. Am kommenden Montag zeigt übrigens die ARD um 22.45 Uhr die Dokumentation "Die Geheime Macht von Google".

Aber lesen Sie selbst, wie Jeff Jarvis Europa und vor allem den deutschen Verlegern um Anführer Mathias Döpfner den Spiegel vorhält und postuliert, die Verleger hätten sich erfolgreich blamiert. Interessant ist, dass die "FAZ" nach Angaben des Autoren das Stück so nicht haben wollte, das nun bei "Zeit Online" umfangreich zu finden ist ...

Jarvis über "Googlephobie": Deutsche Verleger haben sich blamiert

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