Olympische Spiele | | von Deutsche Presse-Agentur

IOC knebelt Sportler auf Facebook und Twitter

Ein Bild von den schwarz-rot-goldenen Fingernägeln oder ein Blick hinter die Stahlrohrtribüne im Alpincenter: Olympia-Stars wie die deutsche Fahnenträgerin Maria Höfl-Riesch wollen ihre Fans daheim auch aus Sotschi via Twitter auf dem Laufenden halten. Dabei müssen die Athleten aber die strengen Internet-Regeln des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) beachten. So hat beispielsweise Biathlon-Altmeister Ole Einar Björndalen gleich seine komplette Webseite während der Zeit der Winterspiele vom Netz genommen.

"Man versucht immer was Besonderes, was die Leute halt interessiert. Einfach nur ein Bild von der Piste, ich bin jetzt auf der Abfahrt, find' ich fast zu gewöhnlich", berichtete Doppel-Olympiasiegerin Höfl-Riesch nach dem Abfahrtstraining über ihre Auftritte in sozialen Medien. "So beeindruckende Sachen, die man sich gar nicht vorstellen kann, wenn man sie nicht selber miterlebt hat."

Auf sieben Seiten hat das IOC die "Social Media, Blogging und Internet Richtlinien" festgehalten. Zwar werden die Athleten so wie alle anderen Akkreditierten ermutigt, zu twittern oder zu bloggen. Allerdings nur aus der Sicht der ersten Person im "Tagebuch-Format" - in eine Reporterrolle dürfen die Sportler nicht schlüpfen und müssen zudem die strikten Werberegelungen beachten. Videos sind generell ein No-Go.

Laut IOC-Charta, Regel 40, dürfen Teilnehmer "ihre Person, Namen, ihre Bilder oder sportliche Leistung" während der Spiele nicht zu diesen Zwecken nutzen. So ist sämtliche Promotion "einer Marke, eines Produkts oder eines Services" selbst auf der eigenen Internetseite untersagt. "Liebe Fans Diese Seite ist aus Werberechtsgründen rund um die Olympiade bis zum 05.03.2014 nicht zu erreichen", schreibt beispielsweise der Norweger Björndalen.

Private Werbung bei Olympia ist schon lange ein heikles Thema. So kassierte Skispringer Sven Hannawald 2002 in Salt Lake City wegen eines nicht genehmigten Fernsehspots eine "informelle Warnung" durch das Internationale Olympische Komitee.

Die Leitlinien sorgen allerdings auch aktuell noch für Verwirrung. So schreibt Österreichs Alpin-Ass Marcel Hirscher auf seiner Homepage, es sei ihm "nicht gestattet, euch wie gewohnt auch während Olympia auf meiner Website und im Blog auf dem Laufenden zu halten." Dies ist allerdings nicht generell verboten.

Die Wintersport-Asse müssen zudem darauf achten, keine Bilder aus dem Olympischen Dorf zu veröffentlichen, auf denen andere Personen ohne Einwilligung zu sehen sind. Sie werde sich zurückhalten, sagte Biathletin Laura Dahlmeier, "und versuchen, mich auf die Rennen zu konzentrieren und erst einmal schauen, dass das Sportliche passt." Ihre Teamkollegin Andrea Henkel verkündete zumindest via Facebook, dass sie nicht die deutsche Fahne bei der Eröffnung tragen werde.

Dass es aber trotz aller Reglementierungen auch während Olympia kontrovers im Netz zugehen kann, bewiesen die Snowboarder. Der Rückzug von Shaun White aus dem Slopestyle sorgte bei Kontrahenten für dezente Kritik und Spott. "Mr. White...Es ist einfach, Entschuldigungen zu finden, um aus einem Wettbewerb zurückzuziehen, wenn du denkst, dass du nicht gewinnen kannst", twitterte Kanadas Medaillenkandidat Sebastien Toutant.

Florian Lütticke/Christian Kunz

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