Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Instant Articles und Add a Link: Wie Facebook Content und Suche an sich binden will

Mobile User sind ziemlich ungeduldig: Wenn eine Seite nicht sekundenschnell lädt und der erwartete Inhalt verfügbar ist, wird sie gnadenlos weggeklickt. Damit es künftig nicht mehr so lange dauert, hat Facebook diese Woche angekündigt, von Publishern gesetzte Links auf eigene Content-Seiten fortan durch “Instant Articles” zu ersetzen. In Deutschland sind die Verlagshäuser Spiegel und Axel Springer bereits an Bord

Bei den Instant Articles werden Inhalte speziell für Facebook produziert. Ein Vorteil für Publisher, die ihre zunehmend mobilen User erreichen wollen, aber vor allem auch für Facebook: Das soziale Netzwerk entwickelt sich damit immer stärker zum Medienanbieter - und stiehlt damit bald den Publishern die Show. Wie wichtig den Internetriesen der Content ist, hat neulich Google demonstriert: Das Unternehmen will 150 Millionen Euro in journalistische Angebote in Europa investieren

In europäische Gefilde kommt offenbar auch "Content made in the USA": Nach dem 4,4 Milliarden Dollar schweren Verkauf von AOL an den Mobilfunker Verizon wird spekuliert, dass das Mediengeschäft abgestoßen werden könnte. Dazu gehören  die Online-Zeitung Huffington Post sowie die Technologie-Blogs TechCrunch und Engadget. Als möglicher Partner ist Axel Springer im Gespräch. 

Ein Wettrennen - nicht nur im Bereich Content und mobilem Traffic - liefern sich Facebook und Google nun auch bei der Suche. Zuckerbergs Imperium testet in den USA den neuen Dienst Add a Link. Wenn Test-User ein Status-Update eingeben oder einen Beitrag teilen, öffnet sich ein neues Pop-up-Fenster: Darin können sie Suchwörter eingeben, der Dienst findet die dazu passenden Webseiten. Damit können sie sich den Abstecher zu Google sparen. Auch Apple will sich bei der Suche mit einer eigenen Suchmaschine unabhängiger von Google und Microsofts Bing aufstellen.

Der Smart Device-Hersteller will im kommenden Monat offenbar auch seine iOS 8-Anwendung HomeKit  launchen. Damit können User von unterwegs aus ihre Geräte zuhause kontrollieren: AppleTV soll dabei eine bedeutende Rolle einnehmen.

Die Woche aus Social Media Sicht fasst der W&V Viralanzeiger zusammen: Während U2 mit einem Auftritt in der New Yorker U-Bahn Aufsehen erregte, fiel das Deichmann-Viral durch.

Instant Articles und Add a Link: Wie Facebook Content und Suche an sich binden will

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Noch beklatscht "Bild" die Premiere auf Facebook Instant Article

von Petra Schwegler

Medien in den USA, Deutschland und Großbritannien erproben mit Facebook eine neue Art der Online-Berichterstattung. Jetzt ist der erste "Instant Article" von Bild.de im Netz zu finden: Der Springer-Verlag hat eine Hommage zum Jahrestag des Siegs der Deutschen bei der Fußball-WM 2014 im Netzwerk platziert. Ein kompletter Artikel nebst Fotogalerien und zahlreicher Videos ist gleich ganz oben auf der Facebook-Seite von Bild.de zu finden, gerichtet vor allem an mobile Nutzer. Bisher konnte Springer ebenso wie andere Verlage nur Anreißer ihrer Artikel abbilden. Der Unterschied fällt vor allem auf Smartphones auf.

Noch wirkt das Team unter Chefredakteur Kai Diekmann, das an dem ersten Facebook Instant Article gewerkelt hat, sehr zufrieden und beklatscht die Premiere im Social Web.

Wermutstropfen: Es geht einiges an Traffic auf der eigenen Website Bild.de verloren. Dafür dürfen die Medienmarken auswählen, ob sie ihre Facebook Instant Articles selbst vermarkten oder sich vom Social Network unter die Arme greifen lassen. Dann überlässt Facebook den Publishern großmütig 30 Prozent der Werbeerlöse. In diesem Fall vermarktet Axel Springer Media Impact (ASMI) die Werbung im Umfeld der Bild.de-Inhalte auf Facebook lieber selbst. Damit darf der Verlag immerhin sämtliche Erlöse behalten. Auch peilt das Haus ein Bezahlsystem an: Leser, die "Bild Plus"-Artikel auf Facebook lesen möchten, werden dafür künftig in gleichem Umfang bezahlen müssen wie auf Bild.de.

Dennoch dürfte die Angst davor, dass Facebook ständig die Geschäftsbedingungen ändert, groß bleiben; Facebook sitzt wie Google und Twitter am längeren Hebel. So hat der Kurznachrichtendienst neulich etwa nach dem Kauf des Social-Streaming-Dienstes Periscope kurzerhand den Konkurrenten Meerkat aus seinem Social Graph verbannt.

In Deutschland beteiligt sich zunächst neben Bild.de nur Spiegel Online an dem Projekt Instant Articles. In den USA sind die "New York Times", "National Geographic" und das Portal Buzzfeed.com dabei, in Großbritannien sind die BBC und die Zeitung "Guardian" mit an Bord.

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben