Lateinamerika: Mobile Marketing | | von Irmela Schwab

Handy steht dem Kaufabschluss am nächsten

Wer morgens um zehn Uhr pünktlich zum Start des Festival of Media Latin America im Konferenzsaal saß, fühlte sich dort recht allein. In den Ländern von Mexiko bis nach Argentinien geht man den Tag lieber langsam an. Doch nach und nach trudelte dann auch der Rest der 900 registrierten Gäste ein, und die Hallen des Luxushotels Fontainebleau in Miami South Beach füllten sich mit dem üblichen Geräuschteppich einer Konferenz, vielleicht ein wenig lauter war als sonst - Lateinamerikaner schlafen vielleicht länger, netzwerken dafür aber umso intensiver.

Als Bonin Bough, Vice President of Global Media & Consumer Engagement bei Mondelez International, auf die Bühne sprang, begrüßte er die Teilnehmer im Saal mit einem kräftigen: "Yeah!" Dann sprach er davon, dass der Anteil von einem Prozent, der bisher weltweit durchschnittlich in mobiles Marketing investiert wird, dringend ausgebaut werden muss. Sein Ziel sind zehn Prozent. Und dann stellte er die Formate vor, über die er die gesteckte Aufgabe erreichen will: Für das Keks-Produkt Oreo wurde etwa die App Own the Moon entwickelt, über die User sich Nachrichten schicken können, die in Sternkonstellationen angezeigt und überbracht werden. Wenn User auf Sternschuppen klicken, erhalten sie Mehrwert in Form von Promotions sowie exklusiven Content und Rezepten. 

"Mobile darf nicht isoliert betrachtet werden, sondern mit anderen Formaten kombiniert werden", spann Bough den Faden weiter. Für den Kaugummi Trident hat er zusammen mit jungen Musikern aus Brooklyn Vines kreiert, die anschließend als TV-Kampagne "Paid in Layers" im Musikfernsehen Fuse gezeigt wurden. "Social on TV" beschrieb der Engagement-Experte, der bis 2012 Senior Global Director Digital & Social Media bei PepsiCo. war, den Trend. "Mobile in Retail" sei ein weiterer: Im Jahr 2020, stellte Bough in Aussicht, würden alle Supermarkt-Produkte mit dem Internet verbunden sein. Dabei spielt das Mobiltelefon natürlich eine entscheidende Rolle: "Es ist das Gerät, das dem Kaufabschluss am nächsten steht."

Überhaupt galt Lateinamerika auf der Konferenz als großer Hoffnungsträger dafür, Mobile endlich zum wahrhaften Durchbruch zu verhelfen. Weil die Länder auf den digitalen Zug erst später aufgesprungen sind, nun aber rasant an Fahrt aufnehmen, können sie aus den Anfängerfehlern der USA und Europa lernen - und es gleich richtig machen, urteilte etwa Shaun Gregory, Director Global Advertising bei Telefonica Digital.

Wer weiß, vielleicht ergeht es den Deutschen ja mit einer anderen digitalen Baustelle ähnlich. Denn wie eine auf der Konferenz viel zitierte Studie von Econsultancy und Rubicon Project belegt, ist Deutschland beim Thema "Programmatic Buying" so spät dran wie die Argentinier, Braslianer, Kolombianer und Mexikaner an den zwei Tagen der Konferenz in Miami

Handy steht dem Kaufabschluss am nächsten

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