"Das größte Hindernis ist, dass die Wearables im Alltag der Konsumenten keinen Mehrwert bringen", urteilt Erich Joachimsthaler, Vivaldi.
"Das größte Hindernis ist, dass die Wearables im Alltag der Konsumenten keinen Mehrwert bringen", urteilt Erich Joachimsthaler, Vivaldi. © Foto:Fitbit

Wearables | | von LEAD digital

Fitbit: Die erste Begeisterung ist verflogen

Der Fitness-Spezialist Fitbit hat in seinem unerwartet schwachen Weihnachtsgeschäft einen hohen Verlust eingefahren und rechnet auch für die nächsten Monate nicht mit einer Besserung. Die vor allem für ihre Fitness-Bänder bekannte Firma verbuchte unterm Strich rote Zahlen von 146,3 Millionen Dollar. Das Vorjahresquartal hatte Fitbit noch mit 64,2 Millionen Dollar Gewinn abgeschlossen. Der Umsatz fiel um fast ein Fünftel auf rund 574 Millionen Dollar.

Für das laufende Quartal stellte Fitbit einen Umsatz unter den Erwartungen der Analysten und einen weiteren Verlust in Aussicht, während die Lager leerverkauft werden sollen.

Fitbit dürfte im Weihnachtsgeschäft unter anderem die Konkurrenz durch die zweite Generation der Apple Watch zu schaffen gemacht haben. Zugleich gibt es im unteren Preissegment ein breites Angebot günstiger Fitness-Tracker aus Asien, die Schritte und Kalorien zählen. Die Fitbit-Verkäufe fielen im Weihnachtsquartal auf 6,5 Millionen Geräte von 8,2 Millionen ein Jahr zuvor. Firmenchef James Park räumte in der Telefonkonferenz mit Analysten ein, dass die Verbraucher auf "fortgeschrittenere Geräte" umstiegen. Er will auch mit einem stärkeren Fokus auf Software und Fitness-Empfehlungen die Wende schaffen.

Experten wie Erich Joachimsthaler, Gründer und CEO von Vivaldi, sehen durchaus noch Potenzial - wenn die Anbieter aufrüsten: "Diese nächste Welle, die Wearables mit Künstlicher Intelligenz und Virtual Reality anreichert, wird enormen Wert für die Konsumenten kreieren."

Fitbit hatte bereits Ende Januar mit einigen vorläufigen Zahlen offengelegt, dass das wichtige Weihnachtsquartal desolat ausfiel und einen Jobabbau angekündigt. Rund 110 Mitarbeiter - sechs Prozent der Belegschaft - sollen ihre Arbeitsplätze verlieren. Insgesamt sollen die laufenden Kosten in diesem Jahr um rund ein Fünftel auf 850 Millionen Dollar gekappt werden.

Zugleich will die Firma eine eigene Smartwatch entwickeln - bisher beschränkte sich Fitbit auf eine Sportuhr mit eingeschränkter Funktionsvielfalt. Dafür wurden im vergangenen Jahr unter anderem Teile des Smartwatch-Vorreiters Pebble gekauft. Wie mit dem Quartalsbericht bekannt wurde, lag der Preis dafür bei 23 Millionen Dollar gekauft hatte. In Medienberichten war zum Teil ein höherer Preis von 40 Millionen Dollar genannt worden.

Fitbit muss sich aber auf eine verstärkte Konkurrenz bei Computer-Uhren einstellen: Google brachte gerade die zweite Generation seines spezialisierten Betriebssystems Android Wear heraus. Darauf dürften viele Hersteller klassischer Uhren setzen, um im Smartwatch-Geschäft Fuß zu fassen.

Das schwache Fitbit-Quartal hatte die Diskussion darüber befeuert, ob die Erwartungen für die Geräteklasse der Wearables - der Technik, die man direkt am Körper trägt - grundsätzlich zu hoch angesetzt wurden. "Wir glauben nicht, dass es ein fundamentales Problem mit der Kategorie gibt", sagte Park der "Financial Times".

am/dpa

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