Neelie Kroes | | von Annette Mattgey

EU unterstützt Cloud Computing

Den Vorsprung der USA beim Thema Cloud Computing will die EU-Kommission nicht länger hinnehmen. Jetzt sollen gemeinsame europäische Standards für Datenschutz und IT-Sicherheit Abhilfe schaffen. Der deutsche Branchenverband Bitkom begrüßt die neue Strategie der Kommissarin für Digitales, Neelie Kroes (Bild). Die EU-Kommission in Brüssel erwartet, dass durch gemeinsame europäische Standards für Datenschutz und IT-Sicherheit bis 2020 ein Wirtschaftswachstum in Höhe von 600 Milliarden Euro in der sogenannten digitalen Wolke generiert werden kann sowie zusätzliche 2,5 Millionen Jobs. Neelie Kroes mahnte an, dass die EU Hürden für "Cloud Computing" abbauen müsse. "Wir müssen europäischer denken. Wenn wir in nationalen Kategorien denken, sind wir verloren." Justizkommissarin und Vizepräsidentin Viviane Reding forderte eine zügige Verabschiedung des neuen Datenschutzrahmens: "Die Cloud-Strategie wird das Vertrauen in innovative Rechentechnik stärken und einen vom Wettbewerb bestimmten digitalen Binnenmarkt fördern, in dem sich die Europäer sicher fühlen."

EU-weit sollen Zertifikate für die Vertrauenswürdigkeit von Providern von "Cloud Computing" eingeführt werden. Außerdem will die EU-Kommission Modell-Verträge für "sichere und faire" Vertragsbedingungen zwischen Providern und Klienten festschreiben. Die weiteren Überlegungen sind in einem heute veröffentlichten Memo festgehalten.

„Wir brauchen europaweit einheitliche Standards für das Cloud Computing, damit diese innovativen Dienste schnell und in aller Breite eingesetzt werden können. Dazu zählen EU-weite Vorgaben zum Datenschutz und zur Datensicherheit sowie einheitliche Vertragsbedingungen“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. „Der Flickteppich rechtlicher Vorschriften hat die stärkere Nutzung von Cloud-Diensten in der EU bisher gebremst. Die Cloud-Strategie der Kommission muss hier gegensteuern.“ Insbesondere die Datenschutzverordnung und damit die Vereinheitlichung des Datenschutzrahmens in Europa sei wichtiger Schritt für mehr Rechtssicherheit beim Cloud Computing.

Positiv bewertet der Bitkom auch die Schaffung einer Europäischen Cloud-Partnerschaft, um Cloud-Dienste für den öffentlichen Sektor attraktiver zu machen. „Im öffentlichen Sektor steckt ein großes Potenzial, die IT-Ausgaben durch Cloud-Services zu senken und gleichzeitig Angebote für die Bürger zu verbessern“, sagte Rohleder.

Laut einer Bitkom-Umfrage nutzen bereits mehr als ein Viertel (28 Prozent) aller Unternehmen in Deutschland Cloud Computing. Gleichzeitig speichern oder veröffentlichen vier von fünf Internetnutzern Daten und Inhalte im Web. Der Umsatz mit Cloud Computing in Deutschland wird 2012 um 47 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro steigen. Mit 57 Prozent entfällt gut die Hälfte des Marktes auf Cloud-Dienste für Geschäftskunden, zum Beispiel die Nutzung von betrieblichen Online-Anwendungen oder das Abrufen von Speicher- oder Rechnerkapazität über das Internet. Private Nutzer greifen überwiegend auf Unterhaltungsdienste wie Online-Spiele sowie Musik- oder Video-Streamings zu. Laut den Bitkom-Prognosen wird der Umsatz mit Cloud-Diensten in Deutschland bis zum Jahr 2016 auf rund 17,1 Milliarden Euro steigen.

(dpa)

EU unterstützt Cloud Computing

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht