Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Etablierte Gründer, junge Zauderer

Daran hat keiner gedacht: Um zu tweeten müssen Twitter-User gar nicht direkt auf die Plattform gehen - eine Enthüllung, die den Kurznachrichtendienst, der seit November 2013 börsennotiert ist, nun in arge Bedrängnis bringt. Schließlich sehen so 37,9 Millionen der insgesamt 271 Millionen monatlichen aktiven User keine Werbung, die nur auf der Plattform selbst zu sehen ist. Das ist kein Pappenstiel, sondern immerhin ganze 14 Prozent.

Um etwa einen Tweet zu posten nutzen diese User Drittanbieter-Apps, die mit Twitter verlinkt sind. So lesen sie ihre Tweets etwa auf der Digital News-App Flipboard, teilen Instagram-Fotos auf Twitter weiter oder tweeten Geschichten von Newsseiten.

Twitter hat - wie andere etablierte Netzwerke auch - noch ein weiteres Problem, auf Makroebene: die Messenger Apps. WhatsApp, Snapchat, Kik & Co. ziehen immer mehr Menschen an, insbesondere die Jüngeren, die darüber Textnachrichten schicken.

Massenmarktreife hat der einstige Nischenmarkt spätestens seit dieser Woche, in der die Deutsche Post mit SIMSme einen eigenen Messenger ins Rennen schickt. Der neue Dienst lässt sich ab sofort für Android und iOS downloaden. Die End-to-End-Veschlüsselung soll lästige Mitleser dabei außen vor lassen. Mit einer Datenschutz-Funktionen und verschlüsselter Übertragung will sich der Messenger der Postler von den Datensammlern bei Facebook mustergültig abheben. Die ersten Nutzer hatten jedoch zahlreiche Schwierigkeiten, wie sich an vielen Twitter-Kommentaren zeigt und Jürgen Vielmeier im Euronics-Blog  und Tobias Gillen bei den Netzpiloten schreiben.

Facebook beherrscht  - sowohl mit seiner eigenen App, als auch mit dem Zukauf WhatsApp - den Markt der Messenger. Hat jedoch neulich die Nutzer der Facebook-Messenger-App verärgert, weil die nun eigens auf dem Smartphone installiert werden muss. Keine Frage, Facebook will sich das Geschäft mit den schnellen Nachrichten nicht entgehen lassen.

Für Aufregung gesorgt hat in dieser Woche auch ein Bericht im Handelsblatt, der die "Generation Praktikum" als "Generation Biedermeier" ausbuht. Denn anstatt das Risiko in der freien Wirtschaft zu suchen, tendenziell lieber einen sicheren Job im öffentlichen Dienst anstrebt - wen wundert´s: Schließlich haben sich die Arbeitgeber diese Entwicklung über die Endlos-Praktikaschleifen selbst zuzuschreiben.

Auch die Regierung trägt zur konservativen Grundeinstellung bei: So will der Berliner Senat den US-Fahrdienstvermittler Uber in der Hauptstadt verbieten. Innovationen - sei es aus Technologie oder der Share Economy - kaputt zu regulieren, trägt sicherlich nicht dazu bei, den Erfinder- und Risikogeist der Jungen zu fördern.

Etablierte Gründer, junge Zauderer

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