Die Woche im Schnelldurchlauf | | von Frederik Birghan

Empörung über Apple bringt Klicks und entlarvt den Kapitalismus

Das Thema NSA-Überwachung bleibt virulent, obwohl es im Bundestagswahlkampf so gut wie keine Rolle spielte. Orwell 2.0 drückt auf die Stimmung der digitalen Branche. Dass dies nicht nur ein Gefühl ist, beweist nun eine aktuelle Studie von Fittkau & Maaß Consulting: Immerhin zwölf der Befragten gaben an, Online-Shopping künftig vermeiden zu wollen. Wenn schon die Entrüstung in der Blogosphäre die Politik bislang nicht in Bewegung zu versetzen vermochte, vielleicht schafft es ja der Argumentationsdreisatz aus Wirtschaftsfaktor, Steuereinnahmen und Arbeitsplätze?

Entrüstung kann offenbar ein zuverlässiger Klicktreiber sein, mindestens so gut wie Bildstrecken, zumindest wenn derzeit dabei Apple vorkommt. Die Aufregung um die neuen iPhones und das neue mobile Betriebssystem wollen jedenfalls nicht abklingen. Die Veröffentlichung einer Studie eines Beratungsunternehmens aus Frankreich, wonach Apples mobile Betriebssysteme in Sachen Bedienerfreundlichkeit weit vor allen anderen liege, löst so wütende Posting-Fluten aus, dass sie jedem FDP-Fan Trost spenden müssten.

Probieren wir jetzt auch mal und erwähnen, dass die New Yorker Polizei das Update auf iOS 7 empfiehlt – bitte jetzt zahlreich empören und posten!

Mit dem gleichen Motiv spielt regelmäßig die Untersuchung zu den reinen Materialkosten neuer iPhone-Modelle. Riesenüberraschung: Tim Cooks Truppe verkauft ihre Smartphones nicht zum Selbstkostenpreis! Die wollen Gewinn machen! Muss ein ganz neues Phänomen des hässlichen Kapitalismus sein.

Auch die zweifellos noch immer bestehenden Kartenfehler in Maps sind ein wiederkehrender Topos. Zuletzt stimmte die Navigation zum Flughafen Fairbanks im US-Bundesstaat Alaska nicht, und Nutzer endeten auf dem Rollfeld statt auf dem Parkplatz. Ob das Update der vergangenen Nacht den Fehler behoben hat, konnten wir noch nicht feststellen. Fairbanks per Überschallflug gibt unser Reisebudget nicht her.

Angesichts solcher Shitstorm-Bringer leiden andere Themen unter einem Aufmerksamkeitsdefizit. Dass Bahnreisende, die an irgendwelchen Bahnhöfen stranden, künftig WLAN nutzen können, hat keine Begeisterungswellen ausgelöst. Ein Investor bietet für die ehemalige Marktmacht Blackberry nur einen Schnäppchenpreis? Na und? Auch die Meldung, dass Microsoft einen weiteren Versuch im Tablet-Segment unternimmt und eine neue Version von Surface auf dem Markt werfen will, hat die Welt nicht wirklich nachhaltig bewegt.

Nur noch für Feinschmecker interessant scheint dann der Trend, wonach die Geräteklasse der E-Reader schwer unter dem Erfolg der Tablets leidet: Zur Buchmesse hat der Branchenverband Bitkom jedenfalls frühere Prognosen einkassiert. Aber das ist nur was für Leser.

Ganz speziell ist die Nachricht, dass die Entwickler der Valve Steam-Box sehr ernsthaft an einer Alternative für Konsolen-Spieler arbeiten, gegen die Platzhirsche Playstation von Sony und Xbox von Microsoft sowie auf Linux-Basis. Könnte daran liegen, dass diese Alternative eventuell ein wenig spät kommt, mitten in den Endkampf der beiden Giganten hinein. Und dieser Endkampf muss erst erweisen, ob der ehemals so erfolgreiche Markt für Konsolen-Spiele angesichts der Konkurrenz von Smartphones und Tablets überhaupt noch ein gewinnbringendes Geschäft ist. Ob ein Männerabend wie im Spielehandel helfen würde? Könnte wegen Genderdebatte auch Shitstorm-Gefahr bedeuten. Aber nicht jeder Shitstorm muss ja schlecht sein, haben wir diese Woche gelernt – siehe oben.

Empörung über Apple bringt Klicks und entlarvt den Kapitalismus

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