Cannes Lions 2014 | | von Annette Mattgey

Emotion statt Daten: So überzeugt man Investoren

Um Investoren zu überzeugen, braucht es eine gute Geschichte. Wie man die formuliert, lernten Christoph Roman Schroeder und Laura Brandt von der Digitalagentur hmmh beim Start-up-Workshop in Cannes. Die beiden berichten live vom Werbefestival in Cannes für LEAD digital.
 
Storytelling – das Buzzword schlechthin, das man auch in Cannes mehrmals am Tag hört. Oft nur eine unkonkrete Worthülse und scheinbar die neue Lösung für alle Arten von Aufgaben, wurde es gestern endlich konkret: Wir besuchten einen Startup-Workshop zum Thema „How to bring your other ideas to life“. Anders als in unserem Berufsalltag ging es nicht um das Präsentieren von Ergebnissen in einem Pitch, sondern um das Überzeugen von Investoren für eine neue Geschäftsidee. Im sehr kurzweiligen Vortrag von Ted Persson und Tyler Crowley (The North Alliance) wurde Storytelling wirklich erlebbar. Bevor einzelne Freiwillige ihre eigenen Ideen in einer spontanen Präsentation vortragen konnten, hat Crowley einige knackige Regeln präsentiert, die es einzuhalten gilt, wenn man nur fünf Minuten Zeit hat, jemandem Geld aus der Tasche zu locken.

Natürlich ging es auch hier wieder um die linke und rechte Gehirnhälfte, um Emotionalität und Rationalität. Aber es scheint logisch, dass am Ende alle Menschen gleich ticken und auch ein an Fakten interessierter Investor mit einer Geschichte voller Emotionen überzeugt werden kann. Beim Entwickeln einer Story ist es ganz ähnlich wie mit dem Drehbuch für einen Film: Charakter – Drama – Happy End. That´s it.
 
„Something is going to be happen to that character within the first ten minutes, or you walk out. ...Or it´s a french film.“
(Tyler Crowley about drama in movies)
 
Die wichtigsten Regeln sind vor allem, die Idee kurz und prägnant wiederzugeben, zu wissen, wer das Publikum ist (und die Präsentation darauf abzustimmen), sowie einen Charakter zu entwickeln, der die Geschichte – also die Lösung eines Problems anhand einer neuen Idee – erlebbar macht. Dabei sind Worte wie „Ich“, „Wir“, „Du“ oder „kann“ strengstens verboten. Das klingt irgendwie logisch: Wer sich an die Geschichten in seiner Kindheit erinnert, hat diese immer aus der Perspektive eines Charakters bzw. Erzählers erlebt, nie wird man dort oder in einem Film mit „Du“ angesprochen und niemals werden mehrere mögliche Handlungsoptionen gegeben, sondern es heißt: „Hänsel und Gretel gehen in den Wald“ und nicht: „Sie oder ich könnten in den Wald gehen oder vielleicht auch woanders hin“. Daher ist es als Präsentator wichtig, eine Person zu entwickeln, die beispielsweise den Weg des Produkts oder eine Website erlebt und vollkommen unabhängig vom Präsentierenden oder dem Publikum ist.

Ebenso wichtig ist die Gestaltung der Folien, oder eben auch die „Nicht-Gestaltung“: Soviel weglassen, wie nur irgendwie möglich ist. Die emotionale Hälfte unseres Gehirns wird einzig und allein über Bilder angesprochen, wer Text oder gar Zahlen lesen muss, denkt rational und wird aus der Geschichte gerissen. Crowley bringt es auf den Punkt: „Don´t show Data. Data doesn´t have emotion.“ Seine Folien bestehen einzig und allein aus einem (sehr ansprechenden) Hintergrundbild sowie einer zentralen Aussage. Wir sind überzeugt und würden investieren.

Christoph Roman Schroeder (28), Strategic Conceptioner
Laura Brandt (29), Creative Conceptioner
Weitere Bilder, Zitate und Postings gibt es auf:
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