Facit Digital | | von Annette Mattgey

Einige Gesten gleichen sich global, andere sind regional spezifisch

Einfache Funktionen brauchen einfache Gesten. Wenn Geräte wie das Samsung Galaxy S4, diverse Smart-TVs oder die Xbox Kinect global vertrieben werden, bilden sich in jedem Markt eigene Handbewegungen zur Gestensteuerung aus. Facit Digital erforschte die kulturellen Unterschieden bei der Gestenbedienung für Unterhaltungselektronik. Insgesamt 18 Länder waren unter dem Dach von UX Fellows, dem von Facit Digital gegründeten Netzwerk für User-Experience-Forschung mit aktuell 23 Partnern, an der Studie beteiligt. Sie führten  360 Interviews mit markenaffinen Käufern von Unterhaltungselektronik.Bei grundlegenden Funktionen wie Lautstärke oder Programmwahl zeigten sich in aller Welt überraschend ähnliche spontane Gesten. Bei komplexeren Funktionen ergaben sich jedoch deutliche Unterschiede je nach Land. Fazit der in diesem Umfang ersten Studie: Gestensteuerung wird weltweit begeistert aufgenommen, für international vermarktete Produkte sind Usertests auf nationaler Ebene aber unabdingbar für die Akzeptanz.

Gestenbedienung im freien Raum ermöglicht den Nutzern, mit Geräten auf noch natürlichere Weise zu interagieren. Spielkonsolen wie die Xbox Kinect, aber auch Smart TVs und Smartphones nutzen diese Technologie schon heute. Den ersten Schritt machen hierbei Zeigegesten, bei denen ein Finger oder die Hand als Mausersatz dienen. Einen Schritt weiter gehen semantische Gesten, in deren Handbewegung bereits eine erkennbare Botschaft liegt.

Technik-Geeks drücken sich nonverbal ähnlich aus

Viele Alltagsgesten haben sich in den unterschiedlichen Kulturen überaus verschieden gezeigt. Für einige Kommunikationsanlässe zeigte sich jedoch weltweite Einigkeit. So sind die Gesten für "ich rufe dich an" oder "ich schreibe dir eine E-Mail" bei technikaffinen Personen in allen Kulturen praktisch identisch.

Ähnliches zeigte sich bei der Bedienung von Fernsehern. „Uns hat überrascht, dass für Grundfunktionen beim Fernsehen wie Lautstärke oder Programm, Filme anhalten oder Vorspulen auf der ganzen Welt spontan ganz ähnliche Gesten gewählt werden. Es scheint in den Köpfen der Menschen so etwas wie eine grundlegende universelle Zeichensprache für Unterhaltungselektronik zu geben“, sagt Michael Wörmann, Managing Director bei Facit Digital und Initiator der Studie. Die eingesetzten Handbewegungen werden dabei offenbar aus Alltagsgesten, aber auch aus klassischen Computermetaphern oder von Tablet-PCs abgeleitet.

Erfindungsreiche Franzosen, dröge Briten
 
Bei komplexeren Funktionen wie beispielsweise dem Öffnen einer elektronischen Programmzeitschrift oder dem Teilen des laufenden Programms über Social Media ergeben sich hingegen deutliche Unterschiede zwischen den Kulturen – aber auch viele kreative Ideen, wie man diese Funktionen mit einfachen Handbewegungen auslösen könnte. „Interessant ist, dass wir kein regional einheitliches nonverbales Verhalten ausmachen konnten. Für international vermarktete Produkte heißt das, Usertests auf nationaler Ebene sind unumgänglich, wenn die Akzeptanz sichergestellt werden soll“, so Christian Bopp, Managing Partner von Facit Digital. Tatsächlich wurde die spontane Interaktion mit einem technischen Gerät je nach Land ganz unterschiedlich erlebt: Während Franzosen oder Chinesen keinerlei Probleme zu haben scheinen, sich Gesten auszudenken, taten sich Briten und Koreaner deutlich schwerer mit der nonverbalen Kommunikation.

Grundsätzlich wurde die Idee, Unterhaltungselektronik über Gesten zu bedienen, in allen Ländern begeistert aufgenommen. Voraussetzung ist, dies technisch verlässlich abzubilden und auf dem natürlichen Kommunikationsverhalten der Menschen aufzubauen. Kulturelle Gegebenheiten müssen dabei auf Länderebene berücksichtigt werden.

 

Einige Gesten gleichen sich global, andere sind regional spezifisch

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