Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Dreamforce versus Dmexco: Wer hat die Nase vorn?

Lautes Lachen brandete auf. Salesforce-Chef Marc Benioff hat seinen Gast Travis Kalanick, Founder & CEO Uber, gefragt, ob sein Startup ein Herz hatte. Nüchtern wurden davor die Gründung und Visionen des Fahrdienstes vor dem Publikum durchgehechelt. Und jetzt die Frage nach der Seele, ganz plötzlich. Der Uber-Gründer druckste herum, endete mit einem vagen “You know it when you see” it. Doch dann, nach einer kleinen Pause, sprudelte es aus ihm heraus.

Dass Uber an Weihnachten Geschenke an Kinder ausfährt. Dass jeder Dollar, der in San Francisco mit einem Uber-Taxi zurückgelegt wird, an die Saleforce-Initiative One Million Books geht. Uber - das sollte dem Publikum klar gemacht werden - hat ein großes Herz. Vielleicht nicht unbedingt für Taxifahrer, aber die Branche hat sich sowieso überholt. Kalanick brachte einmal den Vergleich mit Pferdekutschen, die vom Auto quasi überrollt wurden. 

Ja, auf der Dreamforce von Salesforce konnten die nach San Francisco angreisten Marketer, Verkäufer und Tekkies aus aller Welt, einiges lernen. Nicht nur, wie toll all die neuen Technologien sind. Und nicht allein, wie man sich selbst gut verkauft - sondern auch seine Produkte: So wurden Novitäten wie die IoT Cloud und die SalesforceIQ für kleine Unternehmen vorgestellt.

Während es in Kalifornien ums automatisierte Verkaufen ging, baute man in Köln Brücken: “Bridging digital” lautete das Motto der zweitägigen Dmexco. Während auf der Dreamforce mal von 150.000, dann 160.000 und schließlich 170.000 die Rede war, hat Dmexco-Initiator Christian Muche die Anzahl der Fachbesucher in Köln offenbar mit spitzem Bleistift ausgerechnet: Es sind exakt 43.384. Ein Highlight bei der Dmexco war das Panel “Power Sharing of the Video Marketplace”. Dort forderte Marianne Dölz, Deutschland-Chefin von Facebook eine “neue Kreation” von Werbungtreibenden und Agenturen. Für die Bewegtbild-Werbung hatte die Managerin einen guten Tipp parat: "Die ersten drei Sekunden sind wichtig." Wer dann als User am Ball bleibt, der möchte innerhalb von zehn Sekunden den Rest kennen. Das heißt: Wer im Netz überzeugen will, kann nicht einfach 30-sekündige TV-Spots zweitverwerten.

Wem solche Ansagen nicht gefallen, der kann ja den Dislike-Button drücken. Wie Dölz´Boss Mark Zuckerberg verkündet hat, sollen User künftig auch negative Gefühle zum Ausdruck bringen. Etwa, wenn ein Familienmitglied stirbt oder über die Flüchtlingskrise berichtet wird. Dann können User künftig ihr Mitgefühl ausdrücken. Der „Mitgefühl“-Knopf ist nun aber bereit für erste Tests. Ein Bewertungssystem für Posts oder eine bequeme Möglichkeit zu zeigen, dass man etwas nicht gut findet, will Zuckerberg dagegen nicht.

Auch Facebooks kleine Schwester Instagram bietet  allerhand neues zum Klicken - allerdiings efür die Werbekunden. Auf der Dmexco hat Amy Cole, die das Branding und Content-Strategie bei Instagram EMEA verantwortet, dafür neue Formate vorgestellt: wie etwa Marquee Ads, kurze Markenfilme über das Beiboot Vine, oder Landscape Images. In Köln rief die Managerin die Marketer dazu auf, an der Kreativität des Fotodienstes teilzuhaben und von dem Gemeinschaftsgedanken auf Instagram zu profitieren.

Dass auf der Dmexco - aller digitalen Aufbruchstimmung in die “Digiconomy” zum Trotz - dann doch die alten Medien noch Präsenz haben, und zuweilen sogar präferiert genutzt werden, davon berichtete Fabian Schieren, der seit Mai eine Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation bei Achtung in München macht. Der Azubi wundert sich: “Wieso reißen sich die Besucher um einen gedruckten Messe-Guide, wenn es doch alle wichtigen Informationen gebündelt in der wunderbar funktionierenden App gibt?”

Dazu passt letztlich die Frage: Warum ist Uber in Deutschland verboten, während der Fahrdienst - der mit moderner App operiert sowie dem jüngsten Schrei an Salesforce-Technologie  - in San Francisco derzeit groß gefeiert wird? Die Antwort: Weil man in Deutschland auch das Alte noch zu schätzen weiß. Digitaler-analoger Brückenbau hin oder her.

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