Über autonomes Fahren diskutierten (v.li.n.re) Klaus Fröhlich, BMW, mit Brian Krzanich, Intel, Matt Miller, Bloomberg Television, und Amnon Shashua, Mobileye.
Über autonomes Fahren diskutierten (v.li.n.re) Klaus Fröhlich, BMW, mit Brian Krzanich, Intel, Matt Miller, Bloomberg Television, und Amnon Shashua, Mobileye. © Foto:Irmela Schwab

Digitalkonferenz | | von Irmela Schwab

DLD 2017: Was kommt nach der digitalen Transformation?

Auf dem DLD gibt es Menschen, die behaupten, dass die digitale Transformation längst ein alter Hut ist. Scannen die Visitenkarten, die ihnen gereicht werden, einfach mit einer App, und geben sie ihrem Eigentümer wieder zurück. Papierkarten, wie altmodisch, mahnt ihr Blick. Und senden ihre Kontaktdaten dann ihrerseits mit der guten alten Email.

Soweit technologisiert und vernetzt, wie man gerne wäre, ist man eben noch nicht. Auch nicht auf dem DLD, zu dem Hubert Burda Media dieses Jahr zum 13. Mal in die bayerische Metropole einlud. Bei Schneetreiben draußen diskutierten die Vordenker, Querdenker und Unternehmenslenker aus aller Welt in den Gewölben der Alten Bayerischen Staatsbank. Mit diesem Mix aus Wissenschaft, Kunst, Technologie und Glamour - auch Isabella Rossellini war da - will DLD-Gründerin Steffi Czerny das “Unerwartete zu verbinden”, so sagte sie es in ihrer Eröffnungsansprache. Das diesjährige Motto: “What´s the plan?”

Ja, was ist der Plan: Die Digitalisierung hat vieles auseinander gesprengt. Was einmal verbunden ist, ist heute voneinander entkoppelt. Und kann neu zusammengefügt und kombiniert werden. Für Ian Goldin klingt das nach viel Spaß: "In der Geschichte der Menschheit ist jetzt die beste Zeit zu leben", sagte der Professor an der Oxford Martin School. Doch nicht alle Kräfte, die Gesellschaft und Industrien verändern, seien automatisch gut. "Wir müssen sie kontrollieren."

Bisher arbeite das Internet nicht für das Wohl der Menschheit. Das liegt nicht allein daran, dass viele Menschen sich den permanenten Zugang zum Internet nicht leisten können: In Indien machen die Kosten für ein Smartphone etwa 20 Prozent eines Jahresgehalts aus, während es in Deutschland nur ein Prozent ist. Auch die App-Economy schließt viele aus. Von den rund 2,2 Millionen Apps im Apple Store und den 2,6 Millionen Apps im Android Store werden die meisten gar nicht entdeckt. Das Gros der Nutzung entfällt mit etwa 80 Prozent auf Gratis-Apps.

Mehr Austausch erwartet man sich nun von Chatbots. Die Kommunikationsroboter bieten die Möglichkeit, individuelle Fragen zu stellen und konkrete Antworten zu bekommen. Joshua Browder hat einen Bot entwickelt, der Falschparkern die besten zwölf Ausreden liefert, um sich aus der Affäre zu argumentieren. Viele wüssten einfach nicht, so der Gründer von DoNotPay, wie man die Sprache der Verwaltung spricht - hier kann der Bot übersetzen helfen. 

Browder will seine Entwicklung nun für weitere staatliche Aufgaben einsetzen. Ziel ist es, dass der Staat auf die Situation der einzelnen Bürger eingeht - zum Beispiel auf die einer allein erziehenden Mutter eines vierjährigen Kindes - um deren spezielle Bedürfnisse zu bedienen. Nicht umgekehrt.

Kontrolle und Regulierung: zwei wichtige Voraussetzungen, um der schönen neuen technologischen Welt eine positive Zielsetzung zu geben. Der Ansicht ist auch die Autoindustrie: Im Panel über autonomes Fahren sprach Klaus Fröhlich, Mitglied des Vorstands der BMW Group, über die wichtigsten Ziele des Autobauers: Automation, Connectivity, Electric und Sharing. Davon ginge der größte Wandel aus. Die Sicherheit steht an erster Stelle. Wenn sie gewährleistet ist, dann kann der Fahrer im Prinzip machen, was er will. Selbst fahren, oder lieber autonomes Fahren wählen. 

Der Kunde entscheidet in der modernen Welt selbst. Auch was seine Daten angeht, denn wie Jürgen Schmidhuber, Kodirektor des Schweizer Forschungsinstituts für Künstliche Intelligenz IDSIA, feststellte, hat der Konsument bisher nicht die Hoheit über seine Daten. In Zukunft jedoch könne er seine Daten im Tausch etwa gegen Geld oder spezielle Services freigeben. Die Unternehmen profitieren davon: Indem sie die Bedürfnisse ihrer Kunden abgleichen und strukturieren und darüber Prototypen entwickeln, können sie den nächsten Schritt ihrer Kunden jeweils schon erahnen.

Predictive Analytics und Micro-Targeting - das sind die Sahnehäubchen der digitalen Transformation. Erst wenn die gelungen ist, können Visionen von heute zu Geschäftsmodellen von morgen werden. 

DLD 2017: Was kommt nach der digitalen Transformation?

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