Studie | | von Annette Mattgey

Digitalisierung: Unternehmen schieben Verwaltung Schwarzen Peter zu

Sie sind zwar selbst alles andere als fit, wenn es um digitale Themen geht, aber zum Glück gibt es eine Instanz, die die Entwicklung noch mehr verschlafen hat. Die Manager sehen in der öffentlichen Verwaltung ein großes Defizit mit Blick auf die digitale Revolution. 41 Prozent der Firmenentscheider aus der DACH-Region bezweifeln, dass sich die Behörden bereits ein realistisches Bild vom digitalen Handlungsbedarf im eigenen Hause gemacht haben.  Aus- und Weiterbildungslücken der Behörden (36 Prozent), ungelöste Finanzierungsfragen (28 Prozent) und fehlende Ansprechpersonen als Schnittstelle zu externen Partnern (26 Prozent) werden von der Wirtschaft als größte Stolpersteine der digitalen Verwaltungstransformation genannt. Das sind Ergebnisse der Drei-Länder-Studie "Digitale Agenda 2020" von CSC. Dazu wurden 500 Unternehmensentscheider in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.

Als eine der wichtigsten Aufgaben sehen die Manager die Rekrutierung von Fachpersonal. 35 Prozent halten eigene Digitalisierungs-Spezialisten in den Behörden für wichtig. Zudem plädieren 34 Prozent dafür, die Aus- und Weiterbildung auf Digitalisierungsprojekte auszurichten. Gleichzeitig sollte die organisatorische Planung gestärkt werden. So ist knapp jeder dritte Unternehmensentscheider überzeugt, die Verwaltung müsse vorrangig die Zuständigkeitsfrage klären – ob also der Bund, das Land oder die Gemeinde für digitale Transformationsaufgaben verantwortlich zeichnet. Ist die generelle Zuständigkeit geklärt, wünschen sich die Wirtschaftsvertreter einen verantwortlichen Entscheidungsträger, der die Fäden öffentlicher Digitalisierungsprojekte in den Händen hält (31 Prozent).

Aufgeschlüsselt nach Branchen fordern die Telekommunikations- und IT-Dienstleister am dringlichsten die Rekrutierung von eigenem Fachpersonal in den Behörden. Unternehmen aus dem privaten Gesundheitswesen (44 Prozent) sind dagegen die stärksten Befürworter für eine behördeninterne Aus- und Weiterbildung mit dem Schwerpunkt Digitalisierungsprojekte. Mehr als jeder Dritte dieser Entscheider spricht sich zudem für ein behördliches Innovationsmanagement aus.

"Auf dem Weg zur digitalen Transformation ist eine klar definierte Strategie der Dreh- und Angelpunkt für den Erfolg", sagt Claus Schünemann, Vorsitzender der Geschäftsführung von CSC in Deutschland. "Im Fokus der digitalen Verwaltungsmodernisierung sollte dabei zunächst stehen, das Zusammenspiel zwischen Behördenentscheidern und externen Partnern abzustimmen. Denn ohne ein professionelles Organisationsmanagement wird die digitale Transformation auf der Strecke bleiben."

"Mit dem Regierungsprogramm ‚Digitale Verwaltung 2020‘ und dem E-Government-Gesetz hat die deutsche Bundesregierung wichtige Weichen für die Verwaltungsmodernisierung gestellt", so Schünemann. "Um jedoch die digitale Verwaltungsmodernisierung zügig umzusetzen wird das praktische Expertenwissen aus der Wirtschaft eine Schlüsselrolle spielen".

Die CSC-Studie "Digitale Agenda 2020" wurde von August bis September 2015 in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt. Die Nettostichprobe beträgt 500 Interviews in der DACH-Region – davon 300 in Deutschland, 100 in Österreich und 100 in der Schweiz.  Schwerpunkt der Teilnehmer waren Entscheidungsträger aus Unternehmen mit 50 oder mehr Mitarbeitern. Die Kernbranchen der Umfrage sind Industrieunternehmen, Handel und IT.

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