Shannon Dix, Director of Global Clients bei Sapient Razorfish.
Shannon Dix, Director of Global Clients bei Sapient Razorfish. © Foto:Sapient Razorfish

Shannon Dix | | von einem Gastautor

Diese Trends aus Asien sind auch für uns wichtig

Inspirationen lassen sich nicht nur von US-Konferenzen wie der SXSW oder des CES beziehen, sondern auch aus Asien. Shannon Dix, Director of Global Clients bei Sapient Razorfish, über Augmented Audio und Roboter mit Augenaufschlag.

Trend 1: AR & VR AM RANDE DER KONSUMENTENREALITÄT

VR-Brillen

Auf der CES Asia stürzen sich maskentragende Besucher in die neuesten AR- und VR-Erlebniswelten. Der Status quo lautet: Es gibt zwar genügend Hardware, aber an Content mangelt es – noch. Bis dieses Problem gelöst ist, werden vor allem Consumer-VR-Anwendungen das Kollektivbewusstsein der Verbraucher nicht erreichen. Und wenn es nicht schnell gelingt, relevanten Content zu generieren, werden die meisten VR-Anbieter im nächsten Jahr Geschichte sein.

Aus der B2B-Perspektive sieht es allerdings besser aus. Der chinesische VR-Headset-Hersteller Pico (Bild) etwa teilte mit, dass zu seinen ersten Kunden B2B-Marken verschiedener Branchen zählen – etwa Automobilhersteller, Versicherungs- und Agrarunternehmen. Diese Industrien nutzen die Pico Neo VR-Headsets, um Zulieferern und Medien schwer erreichbare Teile ihrer Produkte zu präsentieren.

Anders sieht es im Bereich Augmented Reality aus: Im B2C-Segment ist AR von großem Nutzen. Hier existiert eine Vielzahl an Payment-Anwendungen, die die chinesischen Nutzer in ihrem Alltag einsetzen – beispielsweise von der Firma HiScene: So setzt die Fastfoodkette KFC die AR-Kameraoption von Alipay ein, um Markenbotschaften oder Coupons zu verbreiten.

 

Trend 2: SOUNDING OFF – EINE NEUE AUDIO-WELLE

Das Hören spielte ebenfalls eine große Rolle auf der CES Asia: Die professionelle Personalisierung wird im Audio-Bereich immer populärer. Neben der Dominanz drahtloser Verbindungen werden Audio-Produkte verstärkt mit hochprofessionellen Technologien ausgestattet, um personalisiertere und hochwertigere Kundenerlebnisse zu ermöglichen.

Ein besonderes Highlight: Augmented Audio. Eine spannende Entwicklung in diesem Feld präsentierte die Firma Geortex. Mit innovativen Technologien sowie präzisen Bewegungsdaten kreiert das Unternehmen 3D-Soundeffekte und bietet so erstaunlich immersive VR-Erlebnisse.

Noch überraschender ist der Einsatz im Gesundheitsbereich: Kopfhörer, wie die der Marke Valencell, verfügen über integrierte Herzfrequenzsensoren. Der Vorteil: Messungen am Ohr sind präziser als die vom Handgelenk.

Trend 3: CHINESISCHE KONSUMENTEN BEKOMMEN TECHNOLOGIEN ZUERST

Keine guten Nachrichten für den Westen, aber die CES Asia ist voller Tech-Innovationen, die bei uns in absehbarer Zeit nicht zu haben sein werden. Es sind auch Technologien zu sehen, die in den USA entwickelt wurden, aber ausschließlich in China verkauft werden. Ein Beispiel ist Motorolas Überwachungsmonitor für schwangere Frauen, der diesen Sommer in China auf den Markt kommt – aber eben nicht in den USA. Oder Ovos Roboter Concierge, der von einer Schmuckmarke Mitte des Jahres in Chinas Einkaufszentren gestartet wird. Der Concierge präsentiert nicht nur Markeninhalte, sondern führt die Kunden auch durch die Stores.

Trend 4: DIE HERRSCHAFT DER ROBOTER WIRD 'SÜSS'

Niedlicher Roboter

iPal (Bild) ist nur ein Beispiel für den Trend, Roboter auf unbedrohliche, 'Wall-E'-artige Weise humanoider zu machen. Statt körperloser Stimmen wie Alexa oder Siri überwachen Qihan Sanbot oder Little Boat das Zuhause, die Gesundheit oder die Sicherheit, während sie mit den digitalen Wimpern schlagen und ihre Besitzer mit Rehaugen anschauen.

Allerdings: Auch wenn sich Roboter in vielen Bereichen des Alltags etablieren, sollten Markenverantwortliche nicht außer Acht lassen, dass Konsumenten emotionales Engagement suchen. Ohne echte menschliche Interaktion verkommt das Zuhause zu einem kalten Ort.

Trend 5: 'SMART' ENTWICKELT SICH ZU 'SAFE'

Im Bereich Connected Homes geht es nicht mehr nur um die Verbindung smarter Produkte – im Mittelpunkt steht vielmehr die Sicherheit. Das zentrale Markenversprechen asiatischer Unternehmen wie OOMI und Ezviz dreht sich daher zunehmend um 'Smart SafeHomes'. Im Vordergrund stehen dabei Sicherheitsanwendungen wie biometrische Schlösser mit verbesserten Security-Einstellungen. Diese können automatisiert einen Alarm an die Polizei senden, falls sich ein  "falscher" Finger Zutritt verschaffen will.

Ein weiteres Sicherheitsthema findet sich auch bei Unibots Bodenfeger Roboter: Dieser erkennt sogar Gaslecks und kann schnell und sicher die Hausbewohner warnen.

Trend 6: DAS DATENPOTENTIAL

Die Vielzahl an Unternehmen, die in den Bereichen Mobile, Connected Homes und IoT Fuß fassen wollen, bietet auch Möglichkeiten zur Datensammlung – und damit ein Potenzial für neue Geschäftsfelder.

Dies wird in der Branche aber auch kritisch betrachtet. Die zunehmende Nutzung mobiler Anwendungen in China ist Chance und Herausforderung zugleich: China Mobile beispielsweise nutzt seinen Vorteil als weltweit größter Mobilfunkanbieter, um sich als Partner zur Datensammlung für bestehende Ökosysteme anderer Marken zu positionieren, indem man eSIM-Karteneinbindung und Cloud Services kombiniert anbietet. Zudem entwickelt das Unternehmen eigene Smart Devices für traditionelle Industrien in Chinas ländlichen Regionen und erschließt so neue Märkte und Geschäftsmodelle – etwa in der Landwirtschaft.

Auch wenn der Fokus derzeit noch auf der Etablierung als Partner zur IoT-Datensammlung liegt, ist es naheliegend, dass die Ambitionen weiter reichen. Langfristig steht eine Verbindung dieser Daten mit den eigenen Mobile-User-Daten zu einem mächtigen Big-Data-Pool nichts im Wege.

Als Director of Global Clients bei Sapient Razorfish unterstützt  globale Kunden, die in China tätig sind, mit Fokus auf unternehmensgeführte Digitalstrategie und Kommunikation. Erste Erfahrungen in der Region Greater China sammelte Dix 2004, als er das Taiwan Office von Sapient Nitro aufbaute. Später zog er aufs Festland, um die regionalen Beziehungen mit dem Süßwarengiganten Mars zu managen. Als Director of Global Clients arbeitet Dix von Shanghai aus für den Erfolg multinationaler Unternehmen.

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