Mobile World Congress | | von Annette Mattgey

Diese 3 Themen prägen den Mobile World Congress

In der kommenden Woche trifft sich in Barcelona das Who is Who der Telekommunikation beim Mobile World Congress (MWC). Claudia Nemat, Vorstand Europa und Technik der Deutschen Telekom, schreibt in ihrem Gastbeitrag für LEAD digital, welche Felder wichtig sind und wie die Europäer mit den USA und Asien mithalten können.

Internetgrößen, Smartphone-Produzenten, Softwarehersteller, Netzbetreiber - alle sind Anfang März wieder einmal in Barcelona vereint. Zumindest für eine Woche darf Europa sich als  Bauchnabel der Branche fühlen. Eine Woche, dann reisen die meisten gewichtigen Trendsetter zurück in die USA und nach Asien, zumindest die Mehrzahl. Das ist nicht gut für den Standort Europa: Wir brauchen gerade in der digitalen Wirtschaft europäische Unternehmen, die auf dem Weltmarkt bestehen können. Andernfalls werden wir im globalen Wettbewerb nur Standort für die Vertriebsgesellschaften anderer sein. Zero eigene Innovationskraft. Doch Europa kann Anschluss halten und seine strategischen Handlungsfelder gestalten. Wenn wir Grenzen überwinden, Silos aufbrechen sowie auf offene Plattformen und Standards setzen.
 
Europäische Initiativen und Standards – das brauchen wir auch bei den Themen, die beim Mobile World Congress in diesem Jahr im Fokus stehen werden. Außer der allumfassenden Klammer Digitalisierung sehe ich  vor allem drei Themen: 5G, eSim sowie die Integration von Mobilfunk und Festnetz.
 
Ganz entscheidend ist für mich, dass Europa viel Mitsprache beim nächsten Mobilfunkstand haben wird – 5G. Dieser soll für extrem schnelle Reaktionszeiten stehen. Gerade erst hat der Finger auf das Wiedergabesymbol gedrückt und einen Wimpernschlag später startet bereits der Film auf dem Smartphone. Dazu müssen selbst große Datenmengen sehr schnell zur Verfügung gestellt werden können. Die weltweite Allianz für diese nächste Generation im Mobilfunk (NGMN) hat sich viel vorgenommen. Einer aus ihrer Mitte, der chinesische Ausrüster Huawei, spricht von ersten 5G-Netzen in Innenstädten ab 2018 und hat Anfang des Jahres ein erstes Testgerät für den LTE-Nachfolgestandard präsentiert. Ja, noch kühlschrankgroß. Doch das darf nicht täuschen.
 
Auch Huawei setzt sich stark für einen globalen 5G-Standard ein, prognostiziert ihn für 2016 oder 2017. Andere planen konservativer, für 2020 und folgende. Egal, ob es nun eine Punktlandung wird oder nicht, wir als Telekom und Europäer reden mit. Wir tragen unseren Teil zur Gestaltung des neuen Standards bei, stehen bei der NGMN gar an der Spitze und gehen vorweg. Diese Allianz wird dazu in Barcelona ihr 5G-Weißbuch präsentieren, die konsolidierte Sicht der Branche auf die Ende-zu-Ende-Anforderungen an den mobilen Netzzugang.
 
Das gilt auch für das zweite Thema - die eSim, die sogenannte embedded Simcard, die also fest als Bauteil im Gerät eingebettet ist. Sie wird in den nächsten Jahren zunehmend Standard werden. Hardwarehersteller wie Apple wollen mehr und mehr umprogrammierbare Mobilfunkkarten fest in ihre Geräte installieren. Die notwendigen technischen Daten des als Vertragspartner gewählten Operators werden sicher verschlüsselt "over-the-air" übertragen und zugestellt.
 
Wir werten das grundsätzlich als Chance und beteiligen uns seit mehreren Jahren in internationalen Gremien an der Erarbeitung eines offenen und einheitlichen eSIM Standards. Das ist wichtig, um die Vorteile der eSIM voll ausschöpfen zu können. Die eSIM für Privatkunden wird kommen, weil in Zukunft immer mehr Geräte mit einem Internetzugang ausgerüstet sein werden. Armbänder, Uhren und Ketten, aber auch Kleidung und Schuhe. Alles wird vernetzt, jedoch sind viele Geräte einfach ungeeignet für die Aufnahme einer SIM-Karte heutiger Bauart. Und wenn jeder von uns in Zukunft fünf oder sogar zehn solcher sogenannten Wearables hat, dann wäre doch auch ein Vertrag mit  einheitlicher Dienstewelt, die ich per Klick auf all meinen Geräte aktivieren kann, das einfachste.
 
Auch im Bereich Machine to Machine bietet die eSIM große Chancen. Dadurch, dass fest verbaute Karten in Autos oder Maschinen ansteuerbar werden, können Prozesse effizienter ablaufen und man erreicht eine höhere Skalierung von Geschäftsmodellen. Das alles geht aber nur, wenn wir als Branche gemeinsam an einer interoperablen Lösung arbeiten und nicht ein Wettlauf der Insellösungen entsteht.
 
Diese beiden Themen der Mobilfunktechnik werden sich auch auf unsere Festnetze auswirken. Die Entwicklungssprünge mobiler Netzzugangstechnologien lassen die Datenmengen expandieren, die wir in unsren Backbone-Netzen bewältigt müssen. Unsere Branche wird daher in Zukunft nicht nur in Zugangstechnologie investieren, sondern auch in neue Architekturen für das Backbone-Netz – quasi das zentrale Nervensystem des Netzes.
 
Auch hier sollten wir nach Amerika gucken. Kein Netzbetreiber in den USA würde in New York eine andere Netztechnik oder Steuerung verwenden als in Kalifornien oder Florida. Die Netzplanung der Telekommunikation in Europa endet heute aber immer noch an Landesgrenzen. Warum? Unsere Branche durchlebt eine fundamentale Veränderung – die Erneuerung der Netze auf IP bedeutet, dass in den kommenden fünf Jahren völlig neue Netztechnik ausgerollt wird. Wir können und müssen Netzarchitektur ohne Grenzen denken.
 
Diesen Anachronismus wollen wir überwinden. Die Telekom baut ein pan-europäisches Netz - ein Netz für ein Europa. Ein Netz, das nicht an Landesschranken endet. Zurzeit müssen wir jede technische Neuerung in jedem europäischen Land einzeln einführen. Das bedeutet einen gewaltigen Aufwand, weil die Netzwerktechnik in jedem Land anders funktioniert. In Zukunft könnten Innovationen über Nacht im Netz in einem Großteil Europas ausgerollt werden. Binnenmarkt bekommt eine neue Dimension. So können wir als europäischer Telekommunikationsanbieter die Skaleneffekte Europas nutzen und so im globalen Wettbewerb bestehen.
 
Die Trendsetter aus USA und Asien haben Geld und Marktmacht. Wenn wir in Europa  Grenzen überwinden, können wir Paroli bieten.
 
    
 
        
 

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