Die Lehren aus den Boykott-Drohungen gegen das Video-Netzwerk TGN
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Christina Hütten | | von Christina Hütten

Die Lehren aus den Boykott-Drohungen gegen das Video-Netzwerk TGN

TGN ist ein Youtube-Netzwerk, dass ich auf Gaming spezialisiert hat. Weltweit haben die 74.000 Partner von TGN nach eigenen Angaben 14 Milliarden monatliche Aufrufe und mehr als 300 Millionen Abonnenten. Das Netzwerk ist auch sehr aktiv im Bereich E-Sports, der gerade einen unglaublichen Zuwachs erlebt. Das Netzwerk gehört seit einiger Zeit zur RTL-Mediengruppe.

All das ist noch nicht wirklich bemerkenswert. Es ist auch kaum noch eine Meldung wert, wenn ein Youtuber sein Netzwerk wechselt. Anders sieht das allerdings aus, wenn sich plötzlich eine Welle der (berechtigten) Empörung über eben dieses Netzwerk ergießt.

TGN hat angekündigt, dass nun auch der Youtuber DracheOffiziell zu seinem Netzwerk gehört und zieht damit prompt die Entrüstung einer ganzen Reihe von Youtubern und Fans auf sich. Der Grund. Der Youtuber DracheOffiziell ist, um es diplomatisch auszudrücken, in seinen Äußerungen eher in der Gosse anzuordnen, als bei einem Videoportal, dass besonders von jungen Menschen frequentiert wird. Eine Auswahl seiner "besten" Beiträge gibt es hier. Das ist allerdings wirklich nur die Spitze des Eisbergs, hilft aber einen Eindruck zu gewinnen. Als Reaktion darauf machen sich jetzt bei Twitter hunderte User unter dem Hashtag #TGNBoykott (sogar Trending Topic) Luft.

Warum TGN nun ausgerechnet ihn ausgewählt hat, werden die Verantwortlichen wohl bald erklären müssen. Sowohl die Zugriffszahlen der Videos als auch die Anzahl der Abonnenten bewegt sich eher im Mittelfeld und bei einem Blick auf die generelle Qualität wird schnell deutlich, dass es sich hier nicht gerade um einen Traumkandidaten für Kooperationen mit Unternehmen handelt. Hinzu kommt, dass weder ein Netzwerk noch Agenturen oder Unternehmen wirklich ein Interesse daran haben können, so einen Umgang mit Fans und Zuschauern zu fördern. Er beleidigt, beschimpft und verhöhnt in einer Tour seine Gegner in den Let'sPlays und tätigt auch Abseits davon Äußerungen, die anderen Youtubern schon Gerichtsverhandlungen eingebracht haben.

Dieser Fall zeigt deutlich, dass Unternehmen sich nicht blind auf Agenturen oder Netzwerke verlassen sollten. Es lohnt sich immer, selber einen Blick auf die Kandidaten für Kooperationen zu werfen! Nur so kann man sichergehen, dass die jeweilige Person auch wirklich zu Marke, Produkt und Botschaft passt. Powerpoint und Excel sind geduldig, Zahlen können aus den verschiedensten Perspektiven interpretiert werden. Genau darum zählt der persönliche Eindruck viel mehr.

Es kommt nicht selten vor, dass Netzwerke bewusst bestimmte Youtuber für Kooperationen pushen, um ihnen mehr Abonnenten und Views zu beschaffen, denn dadurch steigt bei den nächsten Verhandlungen der Preis. Ähnliches gilt übrigens auch für Kooperationen auf anderen Netzwerken wie Instagram oder auch bei Blogs.

Fazit: Man weiß nie genau, wer hinter den Zahlen steckt. Eine gute Präsentation kann leicht von solchen Zukäufen wie DracheOffiziell ablenken. Darum lohnt es sich immer, selber zu prüfen, mit wem man eine Partnerschaft eingehen möchte. Das gilt zum einen für die direkte Platzierung, aber auch für das gesamte Netzwerk und seine Mitglieder. 

Christina Hütten, Manager Social Media Relations bei Qiagen, ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zur Autorin und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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