Mitgründer und CEO Anders Wahlquist über den Dächern von Berlin. Über den deutschen Werbemarkt sagt der Schwede, viele innovative Konzepte würden auf dem "altar of secure traditionalism" geopfert..
Mitgründer und CEO Anders Wahlquist über den Dächern von Berlin. Über den deutschen Werbemarkt sagt der Schwede, viele innovative Konzepte würden auf dem "altar of secure traditionalism" geopfert.. © Foto:B-Reel

B-Reel | | von Frauke Schobelt

"Deutsche opfern viele Ideen auf dem Altar der Traditionen"

Neuer Kopf für das Führungsteam von B-Reel in Berlin, dem noch jungen deutschen Ableger der internationalen Produktionsfirma und Digitalagentur: Johann Laeschke verlässt AKQA und übernimmt als Managing Director das Berliner Büro. Gemeinsam mit Mitgründer und Group CEO Anders Wahlquist soll er B-Reel im deutschen Markt etablieren. 

Johann Laeschke.

Johann Laeschke.

Johann Laeschke ist seit 15 Jahren im Digitalbusiness unterwegs. Er ist Experte für strategische Markenführung und Produktentwicklung und war sowohl in Agenturen als auch auf Kundenseite tätig, darunter MTV, Nickelodeon, und Beiersdorf. Bei B-Reel berichtet Laeschke an Anders Wahlquist. „Wir freuen uns, dass wir Johann für B-Reel gewinnen konnten. Ich weiß, dass er mit seiner Agentur- und Kundenerfahrung und seinen Kontakten neue Impulse setzen wird und gleichzeitig unsere New-Business-Aktivitäten entscheidend vorantreiben kann“, sagt der Gründungsgeschäftsführer.

Die inhabergeführte Agentur wurde 1999 in Stockholm gegründet. Weitere Standorte gibt es heute in New York, Los Angeles, London und Barcelona, insgesamt arbeiten rund 150 Mitarbeiter für das Unternehmen. Da ist von Vorteil, dass Johann Laeschke vier Sprachen spricht. "B-Reel ist bekannt für Storytelling über alle Formate hinweg und nicht nur als eine Produktionsfirma für Film und Werbefilm oder digitale Agentur", erklärt er den Reiz des neuen Arbeitgebers. 2010 und 2011 kürten "Ad Age" und "Creativity" B-Reel zur "Production Company of The Year". Die Agentur sammelte zahlreiche, renommierte Kreativ-Awards für ihre digitalen und filmischen Arbeiten, darunter vier Cannes Lions Grand Prix (u.a. für die Social-Media Kampagne "The Beauty Inside" für Intel).

2013 kam das Büro in Berlin-Mitte dazu, der erste Standort in Deutschland. Ein Markt mit besonderen Regeln und Herausforderungen. W&V Online hat darüber mit Johann Laeschke gesprochen.

Herr Laeschke, erst vor zwei Jahren hat B-Reel in Berlin das erste deutsche Büro eröffnet. Warum Berlin Mitte?

Mitte bietet mit seinem Umfeld von Produktionsfirmen, Start-Ups und Gallerien einen spannenden Mix an. Eine gute Infrastruktur sozusagen mit kurzen Wegen. Man ist schnell in Kreuzberg, im Westen und Osten. Und wir haben schwedische Nachbarn ;)

Wie hat sich der Standort entwickelt? Welche Kunden betreut B-Reel in Deutschland? Mit welchen Agenturen arbeiten Sie zusammen?

Kollaboration ist uns extrem wichtig, sowohl auf Direktkunden-Seite als auch auf Agentur-Seite. Als international tätige Firma arbeiten wir für unterschiedliche globale Firmen wie z.B. Google und Facebook. Unser Ziel ist es, unsere Zusammenarbeit mit solchen Firmen global auf die jeweiligen Märkte angepasst anzubieten. In Deutschland zählt neben anderen Google zu unseren Kunden und auf Agenturseite u.a. Jung von Matt (z.B. Mercedes "The Forgotten Roadtrip") und Scholz & Friends.

Wie unterscheidet sich der deutsche Markt und der deutsche Kunde von dem in Schweden, Spanien, USA und Großbritannien?

Deutschland ist deutlich anders als die anderen Märkte. Dezentral, sehr traditionell und eher auf Sicherheit bedacht als innovationsgetrieben. Deutschland ist mit dem Modell sehr erfolgreich, daher ist der Prozess der Veränderung hierzulande langsamer als in anderen Ländern. Innovation in Deutschland spielt sich oftmals im Prozess ab, während in den USA gerne “Out with the old, in with the new” Vorrang hat. Das sieht man auch im digitalen Bereich, wo in Deutschland Performance oft Vorrang vor Produkt, Service und Markenbildung hat. 

Warum jedoch Design in Deutschland einen geringeren Stellenwert hat, kann ich nicht nachvollziehen, in einem Land das weltweit anerkannte Designer und Designs hervorgebracht hat. Vielleicht liegt es am Prozess, dass alles getestet wird, bis es belanglos und langweilig wird.

B-Reel-Mitgründer Anders Wahlquist beschrieb deutsche Werbung mal als "eher traditionell". Viele Konzepte und Ideen würden von deutschen Agenturen und Kunden auf dem „altar of secure traditionalism“ geopfert. Wer hält besonders stark am Altbewährten fest?

Interessanterweise sind oftmals die CEOs diejenigen, die die Zeichen der Zeit verstehen und Veränderungen vorantreiben. Leider haben wir nur eine Kultur der Angst im mittleren Management. Angst, Fehler zu machen.

Wahlquist sagt auch, jüngere und weiter unten angesiedelte Marketingverantwortliche in Unternehmen würden deutlich stärker in Richtung Digital tendieren. Ist es also auch eine Generationenfrage? 

Ganz klar ja. Sie wachsen damit auf und die nächsten Generationen stellen das noch nicht mal in Frage. Es ist quasi ihr eigener Kontext, in dem sie sich tagtäglich bewegen. Sie leben die vielschichtige Kommunikation fernab des linearen TV Programms und der 30s TVCs.

In der deutschen Agenturlandschaft und bei Unternehmen tobt ein Kampf um die besten Digital-Talente. Wie und womit lockt B-Reel?

Der Kampf tobt nicht nur in der Agenturlandschaft und bei Unternehmen. Vor allem auch Start-Ups buhlen um die Gunst kreativer digitaler Köpfe, welche Veränderungen forcieren und sich gänzlich einbringen möchten. D.h. dass das Umfeld und die Verantwortung der Mitarbeiter eine immens wichtig Rolle spielt. B-Reel bietet mit seiner globalen Präsenz ein internationales Umfeld mit schwedischem Einschlag. Das bedeutet extrem flache Hierarchien und eine Macher-Mentalität. Schweden war in Sachen Digital schon immer weit voraus, gerade deswegen sehen wir im Verhältnis zur Größe des Landes namhafte Start-Ups wie Soundcloud, Spotify und selbstverständlich Minecraft. B-Reel ist das Start-Up im Geiste unter den Kreativagenturen. Jeder hat eine Stimme und wir reden nicht, wir machen.

Etliche Prognosen sehen die digitalen Kanäle als Hauptwachstumstreiber auch für den deutschen Werbemarkt. Welches Potenzial sehen Sie hierzulande? Was sind Ihre Ziele?

Das wird definitiv der Fall sein. Ich sehe aber vor allem Potential für Firmen, das Markenerlebnis im Einklang aller Kanäle zu bringen. Digital bedeutet Disruption in vielerlei Hinsicht. Bei den Agenturen, bei den Geschäftsmodellen, beim Marketing, Vertrieb und Services etc. Es geht darum zu erkennen, welchen Mehrwert eine Marke dem Konsumenten gegenüber schaffen kann und digital spielt dabei eine zentrale Rolle. Wir werden sicherlich in Zukunft mehr Services und Produkte als Instrumente der Kundenbindung sehen.

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