Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Der mobile Sieg von Telefónica und kleine Psychospielchen

Eins zu Null fürs Geschäft mit mobilen Daten. Brüssel hat in dieser Woche die Übernahme von E-Plus durch den spanischen Telefonkonzern Telefónica genehmigt - seither herrscht aufgeregte Aubruchstimmung in der Mobilfunk-Industrie. Für Markus Haas, Chief Strategy Officer bei Telefónica Deutschland, sieht im grünen Licht für die Übernahme ein wichtiges Signal, das zeigt, dass “Konsolidierung innerhalb Europas” im Telefoniesektor generell möglich sind. Was Investitionen ins Mobile Data Business künftig lukrativ macht. Andererseits könnten aber auch die Kosten für Mobilfunkleistungen steigen. Immerhin haben immer weniger Anbieter mehr Macht in den Händen.

Eins zu Null führt auch die USA bei der digitalen Fußball-WM. Zwar hat die amerikanische Nationalelf gegen die Deutschen Eins zu Null verloren, doch dafür haben die Nordamerikaner bisher die Nase vorn, was das Streamen von Fußball-Videos über Website und mobilen Geräten anbelangt. Laut Fifa machen die US-Fans 20 Prozent der digitalen WM-Zuschauer aus  - mehr als Fans in Brasilien, Deutschland, England und Frankreich zusammen. Das zeigt zum einen, dass Fußball in Amerika immer populärer wird, liegt natürlich aber auch daran, dass die Spiele zur Bürozeit stattfinden. Die digitalen Medien helfen dabei, am Ball zu bleiben.

In die digitale Sphäre wandert auch ein ganz anderes - leider weniger schönes - Phänomen ab: der soziale Rufmord. So hat ein 30-Jähriger Ire, der von seiner Freundin verlassen, wurde unter deren Facebook-Account gepostet, dass sie eine “Hure” sei und “jedes Angebot annehme”. Ein Vorgang, der als “frape” bezeichnet wird, eine Neuschöpfung aus "rape" und Facebook. Dass man auch in der sozialen Spähre mit solchen bösen Spielchen nicht durchkommt zeigt, dass der Übeltäter für die gefälschten Posts vom Gericht für eine Zahlung von 2000 Euro verurteilt wurde.

Psychospielchen hat auch Facebook selbst mit seiner Usern getrieben. Wie dieser Tage aufgeflogen ist, hat der blaue Riese vor zwei Jahren die Newsfeeds von gut 700.000 Nutzern manipuliert. Indem es zuweilen mehr positive, manchmal mehr negative Kommentare anderer in die Feeds mischte, wollte das soziale Netzwerk prüfen, inwiefern sich das auf den Leser der Kommentare auswirkte. Nun hagelt es kräftig Kritik: “Was viele von uns fürchten, ist bereits wahr geworden: Facebook missbraucht uns als Laborraten”, urteilt Animalnewyork.com. “Nicht auszudenken, auf welche Anzeigen wir reagieren, die unsere Emotionen beeinflussen.”

Ads mit Emotionen zu verknüpfen schwebt auch anderen vor. Gerade hat Google für dieses Vorhaben den Music-Streaming-Service Songza gekauft. Im Vergleich zu den 75 Millionen von Pandora und 40 Millionen von Spotify sind die nur 5,5 Millionen Songza-User zwar nicht viel. Doch der Service kann laut Songza-CEO Elias Roman noch etwas anderes: dem User je nach Tag, Uhrzeit und vor allem seinem Aufenthaltsort Playlists zusammenstellen. Werbekunden bietet das die Option, targeted Ads auszuspielen: So hat Procter & Gamble für ein Schlafmittel innerhalb der nächtlichen Playlist geworben.

Der mobile Sieg von Telefónica und kleine Psychospielchen

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