Interview Christian Kleinsorge | | von Annette Mattgey

"Der Betrug im Affiliate wird nach wie vor unterschätzt"

Großes Aufräumen unter den Affiliate Marketern: In den vergangenen Tagen wurde bekannt, dass sowohl bei Tradedoubler als auch bei Zanox Stellen gestrichen werden. LEAD digital hat dazu mit Christian Kleinsorge, CEO von Ingenious Technologies, gesprochen. Ingenious Technologies ist ein unabhängiger Technologie-Anbieter im Bereich Online-Advertising und E-Commerce. Kleinsorge, der jahrelang für Zanox gearbeitet hat, über die Schwächen der Branche und notwendige Schritte zur Erneuerung.

Die Etats der Werbungtreibenden wandern in Richtung online, gleichzeitig mussten Affiliate Marketing-Anbieter wie Tradedoubler und Zanox jüngst Mitarbeiter entlassen. Warum nützt ihnen der positive Trend nichts?

Die Leute sollen für Tracking bei den Netzwerken zwischen 15 bis 30 Prozent bezahlen, ein Mehrwert darüber hinaus ist für viele Online-Werbetreibende nicht erkennbar. Und das allein rechnet sich in dem hart umkämpften Markt nicht. Einige Advertiser und große Agenturen  betreuen bereits heute  aus dem eigenen Haus heraus ihre Top Publisher.

Wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten im Affiliate Marketing? Mit welchen Leistungen kann man Marketer gewinnen?

Im Bereich der Branchen-Netzwerke sehen wir einen Bedarf von Seiten des Marktes, indes muss auch hier der Mehrwert für die Advertiser und Agenturen steigen. Standard-Tracking und das Einstellen von Programmen alleine reicht nicht aus. Relevanter Content ist wichtig, allerdings gibt es professionelle Anbieter, die dieses Geschäft gut verstehen. Hier muss in Zukunft breiter gedacht werden. Prozesse müssen sich an die Unternehmen anpassen, die Bedürfnisse der Werbetreibenden besser berücksichtigt werden. Ein wichtiger Baustein ist der Einsatz von modularer Technologie, denn Effizienz-Gewinn und Transparenz stehen ganz oben auf der Wunschliste der Online-Advertiser. Damit können Marketers gewonnen werden.

Hat die Branche im Vergleich zu anderen Onlinemarketing-Disziplinen genug getan für ein gutes Image sowie für die Etablierung von Erfolgskennzahlen?

Der Betrug im Affiliate wird nach wie vor unterschätzt. Solange die Arbeit von Netzwerken für den Auftraggeber noch nicht transparent ist, hat er auch so gut wie keine Chance, belastbare Erfolgskennzahlen zu erhalten. Hier besteht ein dringender Handlungsbedarf. Schaut man sich das Wachstum im Affiliate im Vergleich zu den übrigen Online-Werbediziplinen an, spiegelt sich das mangelnde Vertrauen wider. Laut OVK-Zahlen haben wir einen Zuwachs von 7 Prozent auf niedrigem Niveau und selbst da sinkt noch der Profit. Auch dem Service hat man einen zu geringen Raum eingeräumt, eigentlich schade. 

Was raten Sie Ihren Kunden in Bezug auf Affiliate Marketing? Sinnvoll oder lieber Finger weg?

Wer strategisch auf das Internet als Vertriebskanal setzt, tut sicher gut daran, seine Top-Publisher direkt an sich zu binden. Ein eigenes Private Network kann heute in weniger als zehn Tagen installiert werden. Im Longtail halte ich Affiliate Marketing für sinnvoll. Aber egal, wer welchen Teil im Partnergeschäft übernimmt, als Advertiser und Agentur muss ich mein Geschäft zukunftsorientiert ausrichten. Denn mit dem Umsatzanspruch steigen die Anforderungen. Da ist dann der 360°-Grad Blick auf die Effizienz gefragt, damit die Ressourcen für die Generierung von Geschäft konzentriert eingesetzt und neue Businessmodelle realisiert werden können.

"Der Betrug im Affiliate wird nach wie vor unterschätzt"

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