Interview: Kevin Curran | | von Kerstin Mattys

"Das Samsung Galaxy S5 wird allen die Show stehlen"

Ab Montag, dem 24.2.2014, trifft sich die Mobile-Branche wieder einmal auf dem Mobile World Congress (MWC)  in Barcelona. Vorab hat LEAD digital mit dem Experten Kevin Curran gesprochen.

Der Mobile World Congress ist riesig und scheint unüberschaubar. Welches sind Ihrer Ansicht nach die interessantesten Unternehmen und Produkte auf dem MWC?

Samsung, Nokia und LG. Das Samsung Galaxy S5 wird allen die Show stehlen. Vor ein paar Tagen wurde die zweite Einladung dazu verschickt, versehen mit neun runden Icons: Geschwindigkeit, Outdoor, Neugierde, Spaß, Social, Stil, Privatsphäre, Fitness und Leben. Ein Hinweis darauf, wie das neueste TouchWiz-Interface auf dem Galaxy S5 aussehen wird. Es wird erwartet, dass das Galaxy S5 in Mini- und Zoom-Versionen rauskommt, entsprechend den alternativen Ausgaben des Galaxy S4. Das wird in diesem Jahr nicht zu toppen sein.

Gerüchteweise bringt auch Sony sein neuestes Aushängeschild auf den Markt. Das Tablet trägt den Codenamen „Sirius“ und wird vermutlich Sony Xperia Z2 heißen.

Es kursieren zudem Gerüchte über ein von LG hergestelltes Google Nexus10 2014 Tablet. Und vielleicht ist „Glasstic“ vom Google-Glass-Rivalen zu sehen. Nokia kündigt voraussichtlich das Lumia 1820 an, ein „Phablet“ als Aushängeschild mit einem 2K 5.2 Zoll großen Bildschirm. Vielleicht führt Nokia auch das Lumia 1525 ein, mit seinem 6-Zoll-Bildschirm und einer 30 Megapixel-Kamera und einem verblüffendem Solar-Akku-System, das in den Display gebaut wurde. Nokia könnte sein erstes Android-Smartphone veröffentlichen. Die Übernahme von Nokia durch Microsoft für 5,44 Milliarden Euro wird ja immer konkreter. Schon bevor Nokia von Redmond gekauft wurde, hat es sich in jüngster Zeit exklusiv auf Windows Phone als Betriebssystem verlassen. Zu guter Letzt könnte HTC das HTC M8 lancieren. Dieses soll einen 5-Zoll-1080p-full-HD-Display aufweisen und einen Quad-core Snapdragon 800 Prozessor. Darauf laufen wird Android 4.4 KitKat mit der neuen HTC-Sense-6.0-UI-Oberfläche.

Auf welche Weise können Werber denn nun mobile Nutzer wirklich erreichen?

Was mobile Werbeformate angeht, sollten Marketer Videos in Betracht ziehen, denn damit scheint eine höhere Konversionsrate erreichbar. Ein kluger Schachzug ist es, sich Gedanken über Search- und Map-Ad-Formate zu machen. Ortsbezogene Daten gewinnen an Bedeutung, wenn Nutzer Angebote wie Foursquare oder Pinterest verwenden und damit selbst Auskünfte über ihren Standort machen.  Aus diesem Grund wird der mobile Kanal attraktiver.

Gut angenommen hat die Werbeindustrie die neuen Möglichkeiten, in Apps Deeplinks zu setzen. Sie verweisen auf eine Unterseite und führen den User so direkt beispielsweise auf die Produktseite innerhalb einer App. Ein riesiger Fortschritt, der das mobile Nutzererlebnis  vereinfacht. Wer etwa ein Game spielt und eine Werbung für Katzenfutter sieht, kann dank des mobilen Deeplink auf diese Anzeige klicken und wird direkt auf die „Kaufen“-Seite in der App des Händlers geleitet. Werber können enorm von den Deeplinks profitieren, indem sie auf eine spezielle Landing-Page in der App verlinken können. Es gelingt ihnen besser als jemals zuvor, relevantere und höher konvertierende Marketing-Kampagnen zu kreieren.

Was vermissen Sie bislang im Bereich Mobile? Und was kommt auf dem MWC zu kurz?

Ich würde liebend gerne die nahtlose Integration mit Druckern sehen. Warum kann man nicht einfach unsere Drucker daheim und in der Arbeit in der Weise ansteuern, wie man es mit dem Windows-8-Tablet oder -Laptop tun kann? Sie erkennen automatisch im Netzwerk den Drucker, installieren die Druckertreiber und schwupps kann man drucken.

Dann wünschte ich mir längere Akkulaufzeiten. Das iPhone 5 meines Sohnes ist zehn Monate alt und der Akku reicht bei mittlerem bis häufigen Gebrauch für acht Stunden. Ernsthaft, Apple? Künftig können wir uns aber auf Lithium-Air-Batterien freuen. Diese  versprechen eine fünf bis 15 mal höhere Dichte als Lithium-Ion-Batterien. Lithium-Schwefel-Akkus sind weitere niedrigpreisige, hochdichte potenzielle Nachfolger, die in den nächsten Jahren auf den Markt kommen sollten. Andere Interessengruppen widmen sich Sodium-Ion-Batterien. Auf jeden Fall werden unsere Geräte mit den neuen Technologien länger laufen. Allerdings noch nicht rechtzeitig zum MWC 2014…

Eine Sache wiederum kommt vielleicht zu früh für den MWC 2014, nämlich LTE auf allen Smartphones. Wir können davon ausgehen, dass alle Smartphones mit 4G-Funk ausgestattet werden, was Down- und Upload-Geschwindigkeiten von bis zu 150 Mbps und 50 Mbps bei Kategorie-4-Geräten erlaubt. Chinas TD-LTE-Launch in den frühen Monaten dieses Jahres wird dabei hilfreich sein, mehr LTE-Geräte auf den Markt zu bekommen. Android hat natürlich den größten Anteil am mobilen OS-Markt, aber wir werden mehr mobile Betriebssysteme sehen wie Firefox OS, Blackberry 10, Sailfish OS, Ubuntu Touch, Tizen und viele andere. Android, iOS und Windows Phone bleiben aber in der nahen Zukunft die Hauptplattformen.

Gibt es nicht bei weitem zu viel Angebot und Fragmentierung auf dem mobilen Markt?

Die Fragmentierung ist Realität. Eine aktuelle Studie besagt: Will man 90 Prozent der aktiven mobilen User erreichen, muss man über 300 Geräte anvisieren. Ein Unternehmen, dass die App-Nutzung auswertet, berichtete davon, App-Sessions entdeckt zu haben, die letztes Jahr auf 2130 verschiedenen Geräten liefen. Das kann noch wüster werden, da Unternehmen immer neue Smartphones, Tablets und andere mobile Geräte auf den Markt bringen. Spezielle Geräte mit iOS verzeichneten die aktivsten App-Sessions, dicht gefolgt von Android.

Unabhängige App-Entwickler kämpfen damit, ihre Apps für das vielfältige Angebot an Geräten optimiert zu halten. Was selbst Auswirkungen auf die großen Unternehmen hat, da sie mehr Zeit und Ressourcen aufwenden müssen, um sicherzustellen, dass ihre Apps sich auf dem neuesten Stand befinden. Man kann sowohl damit argumentieren, dass die Fragmentierung des Android-Markts für Nutzer gut ist, als auch damit, dass sie schlecht ist. Sie können halt aus Tausenden von Optionen wählen und genau das Telefon kriegen, das sie wollen – groß versus klein, billig versus teuer, egal mit wie vielen verschiedenen Features ausgestattet. Google hat die Fragmentierung zur Kenntnis genommen und daran gearbeitet, die OS-Fragmentierung zu reduzieren. Und zwar, indem es die Android-Version Jelly Bean anschiebt und Entwickler mit Codes ausstattet, mit Hilfe derer ältere Software Vorteile aus neueren OS-Features zieht. Während die Fragmentierung den Entwicklern, die immer mehr Geräte testen und optimieren müssen, zweifellos Probleme bereitet, trägt sie gleichzeitig zum Erfolg des Android-Ökosystems, das für alle zugänglich ist, bei.

Der Computerwissenschaftler Kevin Curran lehrt an der nordirischen University of Ulster. Er ist unter anderem spezialisiert auf die Themen Indoor-Verortung, Pervasive Computing und Sicherheit im Netz. Er ist Chefredakteur des International Journal of Ambient Computing and Intelligence und beriet die British Computer Society.

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Bis 2020 eine Milliarde zusätzliche Handy-Nutzer

von Kerstin Mattys

Der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona ist eröffnet. Während in den umliegenden weitläufigen Hallen Hunderte Hersteller ihre Neuheiten präsentieren, parlieren in Halle 4 die Branchengrößen im Rahmen einer viertägigen Konferenz über das Thema Mobile. Unter anderem werden sich heute Abend die Leute auf die Füße treten, um Plätze für die Keynote von Mark Zuckerberg zu ergattern.

Der Einstand jedoch war gemütlich, Mobilfunkanbieter nahmen nach und nach auf dem Podium Platz, nachdem sie einen sehr groben Überblick über die Strategien in ihren Ländern gegeben hatten. Unablässig betonten sie, dass sie extrem viel Geld benötigen, um ihre Vorhaben zu verwirklichen und die Infrastruktur zu stellen. Jon Fredrik Baksaas, President und CEO der norwegischen Telefongesellschaft Telenor, bezifferte den Kapitalbedarf für mobile High-Speed-Breitbandnetzwerke auf 1,7 Billionen US-Dollar. Gerechtfertigt werden solcherlei Investitionen mit dem Ausblick auf wirtschaftliches Wachstum und positive gesellschaftliche Aspekte, wozu Connected Living und Mobile Health zählen. Desweiteren wies Baksaas darauf hin, dass bei sieben Milliarden Mobile-Verbindungen weltweit nur etwa die Hälfte der Bevölkerung davon bislang mittels Zugang profitiert. Andererseits nutzen viele gleich zwei und mehr SIM-Karten. Als Ziel nannte Baksaas, bis 2020 Minimum eine weitere Milliarde Menschen an Mobile zu binden, die LTE-Verbindungen sollen bis dahin übrigens bei 2,5 Milliarden liegen.

„Connectivity“ sei ganz wesentlich, sagte auch Ahmad Julfar, CEO der Etisalat Group, der staatlichen Emiratischen Gesellschaft für Telekommunikation. In den Vereinigten Emiraten mit einer Smartphone-Durchdringung von 75 Prozent verfolgt die Regierung eine mobile Strategie.  Letztlich sollen dort mobile Telefone als Personalausweis fungieren.

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass Datenschutz und Sicherheitsaspekte auch bei den Mobilfunkanbietern ganz oben stehen müssen. Insbesondere, da sie enorme Mengen an Daten handhaben müssen und die Personalisierung von Daten das Zukunftsgeschäft ist.

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Whatsapp-Gründer Jan Koum: 4G so wichtig wie Wasser und Strom

von Kerstin Mattys

„Hi, ich bin Jan“, stellte sich 19-Milliarden-Dollar-Mann Jan Koum der mobilen Fachgemeinde in Barcelona vor. Er hatte sein zehn Jahre altes Telefon dabei und gab sich auch sonst wie gewohnt bodenständig. Für ihn ist der heutige Tag ein besonderer, weil er heute vor fünf Jahren - am 24. Februar 2009 - Whatsapp gegründet hat.

Er möchte, dass jeder auf der Welt Zugang zu 4G hat, dessen Bedeutung er im Übrigen mit Elektrizität und Wasser gleich setzte. Er wiederholte bereits Bekanntes, nämlich, dass Whatsapp auch nach dem Big Deal mit Facebook unabhängig bleiben will. Als zusätzliches Feature will Whatsapp bis Jahresende eine Sprachfunktion einführen - und greift damit Unternehmen wie Skype an. Über seine User möchte die Firma Whatsapp so wenig wie möglich wissen. Das behauptete der gebürtige Ukrainer jedenfalls während des Panels „Mobile, Disrupted: Challenging the State of Play“, auf dem auch der koreanische Konkurrent Kakao Talk in Person von CEO Sirgoo Lee saß. In Korea steht der Begriff „Ka’talk“ mittlerweile für „wir bleiben in Kontakt“. Kakao Talk hat 130 Millionen Nutzer, pro Tag werden 5,5 Milliarden Mitteilungen versendet.

Auf dem Panel wurde insbesondere die immense Bedeutung der Daten herausgestellt. In Zukunft gehe es nur noch um Bits & Bytes. Und um Kosteneffizienz. Ohne jedoch die Zuverlässgkeit der Dienste zu vernachlässigen.

Telekommunikationsunternehmen hatten bislang noch keinen Erfolg darin, die Datenexplosion zu monetarisieren. Mats Granryd, CEO des schwedischen Telekommunikationsunternehmens Tele2, erklärte, dass sein Unternehmen nur mehr nach Daten abrechne. Jo Lunder, CEO des niederländischen Unternehmens VimpelCom, machte unterdessen darauf aufmerksam, dass das Wachstum der Telekomindustrie bereits ein wenig bremse, während die Nachfrage nach Daten eben immens zunehme. 2019 würden Bewegtbilder voraussichtlich 50 Prozent des mobilen Traffics  ausmachen. Lunders Meinung nach müssten Provider zu „Enablern“ werden und vor allem Partnerschaften mit anderen eingehen. Kollaboration und Wettbewerb scheinen sich in Zukunftsszenarien nicht auszuschließen. Desweiteren kristallisierte sich heraus, dass finanzielle Transaktionen künftige Treiber von Mobile sein könnten.

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Whatsapp-Gründer Jan Koum: 4G so wichtig wie Wasser und Strom

von Kerstin Mattys

„Hi, ich bin Jan“, stellte sich 19-Milliarden-Dollar-Mann Jan Koum der mobilen Fachgemeinde in Barcelona vor. Er hatte sein zehn Jahre altes Telefon dabei und gab sich auch sonst wie gewohnt bodenständig. Für ihn ist der heutige Tag ein besonderer, weil er heute vor fünf Jahren - am 24. Februar 2009 - Whatsapp gegründet hat.

Er möchte, dass jeder auf der Welt Zugang zu 4G hat, dessen Bedeutung er im Übrigen mit Elektrizität und Wasser gleich setzte. Er wiederholte bereits Bekanntes, nämlich, dass Whatsapp auch nach dem Big Deal mit Facebook unabhängig bleiben will. Als zusätzliches Feature will Whatsapp bis Jahresende eine Sprachfunktion einführen - und greift damit Unternehmen wie Skype an. Über seine User möchte die Firma Whatsapp so wenig wie möglich wissen. Das behauptete der gebürtige Ukrainer jedenfalls während des Panels „Mobile, Disrupted: Challenging the State of Play“, auf dem auch der koreanische Konkurrent Kakao Talk in Person von CEO Sirgoo Lee saß. In Korea steht der Begriff „Ka’talk“ mittlerweile für „wir bleiben in Kontakt“. Kakao Talk hat 130 Millionen Nutzer, pro Tag werden 5,5 Milliarden Mitteilungen versendet.

Auf dem Panel wurde insbesondere die immense Bedeutung der Daten herausgestellt. In Zukunft gehe es nur noch um Bits & Bytes. Und um Kosteneffizienz. Ohne jedoch die Zuverlässgkeit der Dienste zu vernachlässigen.

Telekommunikationsunternehmen hatten bislang noch keinen Erfolg darin, die Datenexplosion zu monetarisieren. Mats Granryd, CEO des schwedischen Telekommunikationsunternehmens Tele2, erklärte, dass sein Unternehmen nur mehr nach Daten abrechne. Jo Lunder, CEO des niederländischen Unternehmens VimpelCom, machte unterdessen darauf aufmerksam, dass das Wachstum der Telekomindustrie bereits ein wenig bremse, während die Nachfrage nach Daten eben immens zunehme. 2019 würden Bewegtbilder voraussichtlich 50 Prozent des mobilen Traffics  ausmachen. Lunders Meinung nach müssten Provider zu „Enablern“ werden und vor allem Partnerschaften mit anderen eingehen. Kollaboration und Wettbewerb scheinen sich in Zukunftsszenarien nicht auszuschließen. Desweiteren kristallisierte sich heraus, dass finanzielle Transaktionen künftige Treiber von Mobile sein könnten.

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Sicherheit ist wichtiger Aspekt beim Design von 5G

von Kerstin Mattys

Jan Koum will 4G für jeden. Und Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, nutzte gemeinsam mit hochrangigen Vertretern von Nokia, Orange, Ericsson und Alcatel-Lucent den Mobile World Congress, um auf die Forschung im Bereich 5G hinzuweisen. Wie auch darauf, wie kostenintensiv das Forschungsprojekt ist. Wurden zu Beginn auf Wunsch der Industrie noch 700 Millionen Euro auf den Tisch gelegt, so entstand im Laufe der Zeit ein Bedarf von drei Milliarden Euro, und selbst diese Summe reicht heute nicht mehr aus.

5G befindet sich in der absoluten Frühphase. Was die Technologie später einmal umfassen wird, ist noch unklar, nur die Richtung kennt man bislang. Mobile wird schneller und vor allem intelligenter, neue Services werden aufkommen, für die eine flexible Architektur benötigt wird. Auch sinkende Energiekosten stehen auf der Agenda. Die User wiederum müssen jederzeit und allerorts Zugriff aufs Netz haben und zwar in bester Qualität, etwas anderes würden sie auf Dauer nicht akzeptieren, so der Tenor. Ein User-zentriertes Netzwerk müsse geschaffen werden. Erforderlich sei die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Unternehmen. Hingewiesen wurde auf das Problem der Arbeitslosigkeit in Europa und dass Mobile mit sämtlichen Verknüpfungen wie E-Health und Automative die Wirtschaft ankurble und Arbeitsplätze schaffe.  

Nicht erst angesichts des NSA-Skandals hat man in der Europäischen Kommission die Sicherheit auf dem Schirm, sagte Neelie Kroes, fügte allerdings lapidar hinzu: „Spionage ist der zweitälteste Beruf der Welt“. Sicherheit werde jedenfalls ein „Design“-Kriterium, meinte einer der Diskutanten.

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Sichere Alternative: So funktioniert das Blackphone

von Deutsche Presse-Agentur

Der Handyanbieter Blackphone will mit einem weitgehend abhörsicheren Smartphone den Markt erobern. Das Gerät soll Verschlüsselung für reguläre Nutzer einfacher machen, mit Grundeinstellungen zur Privatsphäre und vorinstallierten Apps zur sicheren Kommunikation. "Der einzige Grund, dass es dieses Handy gibt, ist der Schutz Ihrer Privatsphäre", sagte Phil Zimmermann bei der Präsentation des Geräts auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Der Grund für die große Aufmerksamkeit für das Blackphone ist allerdings ein anderer: Edward Snowden. Im vergangenen Jahr wandte sich der junge Computerexperte mit seinem Wissen über die Spionage des US-Geheimdienstes NSA an die Öffentlichkeit. Seitdem sorgen sich immer mehr Nutzer um den Schutz ihrer Gespräche, E-Mails und SMS vor unbefugten Zugriffen.

Das geht meist nur mit Verschlüsselung. Dabei verwandelt eine Formel die Nachrichten in einen Wust aus Zahlen und Buchstaben, den nur der angepeilte Gesprächspartner mit seinem privaten Schlüssel wieder lesbar machen kann. Damit kennt Zimmermann sich aus, er entwickelte die PGP-Software zum Verschlüsseln von E-Mails.Mit dem Blackphone wollen er und seine Mitstreiter nun ein abhörsicheres Smartphone massentauglich machen. "Es ist viel zugänglicher für Normalnutzer als andere Sicherheits-Dienste", sagte Blackphone-Geschäftsführer Toby Weir-Jones in Barcelona. Blackphone ist ein Schweizer Unternehmen, für das sich Silent Circle und Geeksphone zu einem Joint Venture zusammengeschlossen haben.

Klar ist: Gegen die NSA hilft auch ein Blackphone nicht. Wer sich um Geheimdienste Sorgen mache, solle lieber gar kein Handy benutzten, sagte Weir-Jones. Doch Bürgern oder Unternehmen, die einfach ihre Daten schützen wollen, sollen es mit dem Handy einfacher haben. Eine ganze Reihe sicherer Kommunikationsdienste werden mit dem Gerät geliefert. Sie sind im Preis von 630 Dollar mit inbegriffen. Die Programme von Silent Circle verschlüsseln SMS und Anrufe, Disconnect verschleiert den Internetverkehr mit einem Datentunnel (VPN), SpiderOak bietet fünf Gigabyte verschlüsselten Speicherplatz. Es gibt die Programme auch unabhängig von dem Blackphone, dann muss man ein kostenpflichtiges Abonnement abschließen. Im Blackphone-Paket sind die Dienste für zwei Jahre abgedeckt. Weir-Jones rechnet mit großem Interesse an dem Sicherheits-Smartphone: "Wir wollen davon hunderttausende Stück verkaufen."

Damit würde Blackphone gleich mehrere etablierte Annahmen widerlegen. Eine davon lautet, dass viele Leute kostenlose Dienste nutzen wollen und dafür ihre Daten eintauschen. "Wir wollen weg von dem Geschäftsmodell, persönlichen Daten zu Geld zu machen", sagte Weir-Jones. Die Blackphone-Macher haben das Android-Betriebssystem für ihr Handy in ein "PrivateOS" verwandelt und damit die Grundeinstellungen datenschutzfreundlicher gemacht. Nutzer können einzeln festlegen, auf welche Daten Apps zugreifen dürfen. Sie können so etwa ihre Kontaktliste vor allen Apps verschließen.

An einer ähnlichen Funktion arbeiten auch die Deutsche Telekom und Mozilla. Mozilla entwickelt das Handy-Betriebssystems Firefox OS, das vor allem in einfachen Smartphones eingesetzt wird. Firefox OS soll bald eine Funktion zur Kontrolle der Privatsphäre bekommen. Damit können Nutzer unter anderem einstellen, wie genau der eigene Standort an Apps übermittelt wird. Muss es die Hausnummer sein, oder reicht beispielsweise für einen Wetterdienst auch die Stadt? Beide Projekte wollen herausfinden, wie wichtig Normalnutzern ihre Privatsphäre wirklich ist. "Wir testen, ob die Leute das wollen, ob es funktioniert", sagte die Vorsitzende der Mozilla-Stiftung, Mitchell Baker, der dpa im Vorfeld der Mobilfunkmesse. Denn viele Menschen geben zwar an, großen Wert auf Datenschutz zu legen. Aber ihr Verhalten ändern sie dann doch nicht.

Nun könnte sich der Wind drehen. Es gibt immer mehr gut nutzbare Alternativen zu bestehenden Diensten und Apps. "Unsere Hoffnung ist, dass das Funktionen sind, die nachgefragt werden", sagte Baker. Dass Nutzer durchaus handeln, zeigt das Beispiel von Whatsapp. Nach dem Verkauf des Kurznachrichtendienstes an Facebook installierten plötzlich scharenweise Nutzer aus Deutschland Alternativen wie die App Threema aus der Schweiz. Wie bei WhatsApp kann man damit Texte und Bilder verschicken. Der Unterschied: Threema-Nachrichten sind komplett verschlüsselt.

Hier das Einführungsvideo für das Blackphone:

von Deutsche Presse-Agentur - Kommentare Kommentar schreiben