Konferenz | | von Annette Mattgey

CES: Phablets dominieren Post-Smartphone-Ära

"2013 International CES Trends to Watch" - so lautete der Titel des ersten Vortrags, den sich Thorsten Linz, Director Emerging Media & Technologies bei Draftfcb München, auf dem Branchenevent anhörte. Für ihn ist der Messebesuch nicht das erste Mal, genauso wie für unsere LEAD digital-Autorin Irmela Schwab. Beide berichten exklusiv für LEAD digital über ihre Erlebnisse in Las Vegas.  

Die CES in Las Vegas startete am Montag mit ihrer Fach-Konferenz durch: Der Andrang war beachtlich – obwohl die eigentliche Messe ihre Türen noch nicht geöffnet hatte. Das liegt an der hohen Qualität der angekündigten Vorträge und Speaker.

Besonders gespannt war ich auf den Vortrag ‚2013 International CES Trends to Watch’ von Shawn Dubravac, Chief Economist und Sr. Director of Research der Consumer Electronics Association (CEA), denn ich bin selbst auf Trends des digitalen Marketings spezialisiert. Shawn Dubravac (Bild) wagte einen Blick auf die Entwicklungen und Technologien, die das digitale Marketing in den kommenden zwölf Monaten – aber auch darüber hinaus – maßgeblich beeinflussen werden.

Er stellte vier Trends vor, die Unternehmen und Agenturen in den kommenden Monaten genauer beobachten sollten (hier die Präsentation). Als erstes sprach er von der anstehenden ‚Post Smartphone Era’, in der die Bedeutung von Smartphones und Tablets weiter zunimmt. Dies hat zur Folge, dass klassische Spielkonsolen, Netbooks und PCs künftig weniger Relevanz für unser Kommunikations-, Unterhaltungs- und Konsumverhalten haben werden. Interessant zu beobachten sei, dass iPhone, iPad & Co immer stärker miteinander verschmelzen und Insider und Analysten bereits von einer eigenen, neuen Kategorie sprechen: Dem ‚Phablet’. Diese Geräte haben das Potenzial, künftig als Hub-Devices zu dienen. User können so verschiedenste Datendienste – von Spielen, über E-Books bis hin zu Telefonie und mobiler, sozialer Kommunikation – nutzen. Dadurch wird sich das Smartphone zum "Viewfinder" unseres digitalen und analogen Lebens weiterentwickeln.

Einen weiteren Trend sieht Dubravac in der Fortführung des ‚Internet of Things’. Für ihn handelt es sich dabei um das "Age of Algorithms":Die steigende Präsenz von Sensoren aller Art, gleich ob GPS oder NFC, wird die Digitalisierung des Alltags weiter beeinflussen. Dazu zählen auch Lösungen wie das Nike Fuelband oder 3-D Printing, die fortlaufend Daten generieren und an einen zentralen Daten-Hub liefern. Darüber hinaus wird das Thema ‚Connected Car’ einen weiteren wichtigen Trend darstellen. Aktuell entwickeln große Automobilhersteller wie Audi und Toyota neue Lösungen, die sie als Prototypen auf der CES vorstellen. In Anbetracht der  steigenden Bedeutung von Daten und deren exponentiell wachsendes Volumen ist für Dubravac eines klar: Daten werden in naher Zukunft eine eigene Währung darstellen, mit der Nutzer ‚Adhoc-Services’ bezahlen werden.

In diesem Zusammenhang verweist der CEA-Manager auf einen dritten Trend: Contextual Connectivity. In der Vergangenheit hat der Markt den Begriff ‚Smart’ mit dem Begriff ‚Connectivity’ gleichgesetzt. Mittlerweile haben die Hersteller Lösungen und Geräte entwickelt, die für die unterschiedlichsten Zwecke Daten sammeln und übermitteln. Den Anwendungen sind dabei keine Grenzen gesetzt. So sind bereits heute  Lösungen im Einsatz, die beispielsweise den Wasserbedarf von Pflanzen ermitteln und über E-Mail oder SMS dem Gärtner mitteilen, damit er die ideale Bewässerung im Rosengarten sicherstellen kann. Oder intelligente Türschlösser in Hotels informieren den Empfang direkt darüber, welche Personen zu welcher Zeit ein Zimmer betreten oder aus der Minibar Getränke entnehmen. So kann der Füllstand effizient kontrolliert und eine zeitnahe Rechnung gestellt werden. Hier sieht uns Dubravac noch am Anfang einer sehr interessanten Entwicklung. 

Den vierten Trend bezeichnet Dubravac als 'Changing Flow of Storytelling' – oder besser: Das Märchen vom Second Screen. Untersuchungen zeigen dass User immer mehr Inhalte auf Smartphones und Tablets konsumieren und sich dadurch die Kaufgewohnheiten verlagern. Der Second Screen wird zum First Screen und somit sind Mobiltelefongesellschaften, Kabelnetzbetreiber aber auch TV-Anstalten gefordert, neue Strategien zu entwickeln, um diesem geänderten Konsumverhalten gerecht zu werden. Die vermehrte Nutzung von Smartphones und Tablets hat aber nicht nur Auswirkungen auf den TV-Konsum, sondern auch auf die gesamte PC-Branche. Verbraucher nutzen in der Regel einen Tablet-PC neben einem Laptop oder vielleicht auch noch Desktop. Das Ergebnis: Durch die Interaktion mit dem Pad oder Smartphone über Gesten und Sprache verlangen die User zunehmend, dass auch die anderen Geräte entsprechend bedient werden können. Daher werden sich diese User Interfaces künftig immer stärker durchsetzen. Diese Entwicklung beschränkt sich am Ende aber nicht nur auf den heimischen PC, sondern weitet sich auch auf moderne TV-Geräte insgesamt aus. Laut Dubravac wird sich diese Evolution bereits innerhalb der nächsten 36 Monate am Markt etablieren. 

 

Inwieweit sich diese vier Trends auch in Deutschland mittelfristig umsetzen lassen, muss sich noch zeigen. Vieles was in den angelsächsischen Ländern oder auch in Asien funktioniert, scheitert in Deutschland oft am Datenschutz oder an den kulturell unterschiedlichen Nutzungsgewohnheiten von Smartphones und Tablets. Langfristig sind dies aber Entwicklungen, vor denen wir uns nicht verschließen können. Hier müssen Politik und Gesellschaft Rahmenbedingungen schaffen, die den Einsatz dieser neuen Technologien zum Wohle aller ermöglichen.

Thorsten Linz ist seit Juli 2011 als Director Emerging Media & Technologies für die Interpublic-Tochter Draftfcb, München, tätig. In seiner über 20-jährigen Karriere in der Marketing- und Digital-Branche sammelte Linz weitreichende Erfahrungen in den Bereichen Social Media, CRM, Emerging Technologies und weiteren Digital-Disziplinen für national und international agierende Unternehmen. Zu seinen bisherigen Kunden zählen Volkswagen, Skoda, Audi, Beiersdorf, L’Oreal, Microsoft, Lufthansa, United Airlines, Hilton Hotels und Hertz.

CES: Phablets dominieren Post-Smartphone-Ära

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