Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

BMW gegen Google: Der Kampf ums Alphabet

Schlucken und geschluckt werden: In Deutschland herrscht mittlerweile der selbe Heißhunger auf appetitliche Firmen-Häppchen wie in den USA. Nachdem mit Springer und United Internet große Player Interesse an T-Online und Vermarkter Interactive Media zeigten, gab die Telekom nun Ströer den Zuschlag. Der bisher größte Deal für den  Außenwerbe- und Digitalvermarkter, der damit zur klaren Nummer eins in der deutschen Digitalvermarkter-Landschaft aufsteigt. Abgesehen von Facebook und Google.

Oder sollte man nicht besser sagen: Alphabet? Wie Google-Gründer Larry Page verkündete, geht sein Baby nun in einer neuen Holding-Gesellschaft namens Alphabet auf. Dazu zählen etwa der Thermostathersteller Nest oder das Biotech-Startup Calico, das die Verlängerung der menschliche Lebenserwartung erforscht. In einem Schreiben an die Aktionäre jubelt Page: "Wir mögen den Namen Alphabet, denn er steht für eine Sammlung von Buchstaben, die Sprache repräsentieren." Eine Definition, die sich so getrost übernehmen lässt.

Doch halt: Ob Alphabet, das sich die Web-Adresse abc.xyz gesichert hat, startet wie eine Rakete oder eher zum Rohrkrepierer wird, ist noch dahingestellt. Kurz nach der Verkündigung der "big news" berichtete die "Wirtschaftswoche" von der Prüfung rechtlicher Schritte gegen Google - durch den deutschen Autobauer BMW. Offenbar mag man auch in München das ABC: Unter dem Namen Alphabet bietet eine BMW-Tochter Mobilitätslösungen für Unternehmen und Corporate Carsharing-Dienste an. Sie nutzte kurzerhand die unerwartete PR für eine Social-Media-Kampagne. Eine Steilvorlage für Microsoft: Der Konzern hat die Adresse abc.wtf angelegt, die zu seiner Suchmaschine Bing führt. Die Abkürzung "wtf" steht für den englischen Ausdruck "what the fuck". Und "Bild" witzelt: “Hat Google den Namen vorher nicht gegoogelt?” 

Wie der Kampf ums Alphabet auch immer ausgeht: Jagen und sammeln ist etwas, was die Gründer Larry Page und Sergey Brin offenbar gerne machen. Schließlich steht auch Google für eine Ansammlung von Zahlen. Als Googol wird auf Englisch eine Eins mit hundert Nullen bezeichnet. Smart! Und so darf der Name auch weiterleben: Unter Google firmiert künftig das traditionelle Web-Geschäft.

Buchstabenfreudiger zeigt man sich auch beim 140-Zeichen-Dienst Twitter. User dürfen sich jetzt bis zu 10.000 Zeichen lange Nachrichten schreiben. Was auf den ersten Blick wie eine irrer Markenspagat anmutet, wird im Markt mit einem Konter auf die Messengerdienste wie Whatsapp begründet. Wohl um sich den Markenkern der Schmallippigkeit nicht ganz zu zerstören, bleibt die Einschränkung bei öffentlichen Tweets jedoch bestehen.

Quasselstrippen kommen bei Twitter ja so und so nicht zu kurz, das muss auch gleich dazu gesagt werden: Neben dem Text- und Video-Content von Brands gibt es ja auch noch Periscope. Der Life-Streaming-Dienst, der in Twitters Social Graph integriert ist, verzeichnet nun schon zehn Millionen User. Zahlen, die Persicope, wäre er nicht schon im Frühjahr vom 140 bzw. 10.000 Zeichen-Dienst einverleibt worden, zu einem tollen Übernahmekandidat machen würde.

BMW gegen Google: Der Kampf ums Alphabet

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(1) Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht