Körperschaftssteuer | | von Annette Mattgey

Bitkom schaltet sich in Streit um Start-up-Finanzierung ein

Der Branchenverband Bitkom macht sich für die Start-ups stark. Im aktuellen Streit um die Besteuerung von Dividenden und Veräußerungsgewinnen nach § 8 des Körperschaftssteuergesetzes weist Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf (Bild) auf die Auswirkungen auf die Finanzierung innovativer Gründer hin. „Die Pläne des Bundesrats könnten die in Deutschland noch schwach entwickelte Investorenszene aus privat engagierten Business Angels und anderen Wagniskapitalgebern im Keim ersticken,“ kritisiert Kempf. Der Vorschlag des Bundesrats sieht vor, die Steuerfreiheit von Dividenden und Veräußerungsgewinnen zu streichen, wenn der Investorenanteil unter zehn Prozent liegt. Eine Änderung der bestehenden Regelungen hatte der Europäische Gerichtshof angemahnt, da derzeit inländische und ausländishe Investoren ungleich behandelt werden.  

„Junge Hightech-Unternehmen sind in der Gründungs- und Wachstumsphase dringend auf externe Kapitalgeber angewiesen“, erklärt  Kempf. Im Namen des Bitkom schlägt Kempf daher vor, auch ausländische Investoren von der Besteuerung zu befreien.  „Das führt zwar kurzfristig zu geringeren Steuereinnahmen für den Staat, könnte aber für einen kräftigen Impuls bei der Finanzierung junger Unternehmen mit Beteiligungskapital sorgen“, sagte Kempf. „Unter dem Strich gewinnen wir Arbeitsplätze und schaffen Wachstum in wichtigen Zukunftsbranchen.“ Am Mittwoch wird der Bundestagsfinanzausschuss in einer öffentlichen Anhörung das Jahressteuergesetz 2013 beraten. Dann kommen auch Vertreter verschiedener Lobbygruppen zu Wort. 

Aus Sicht des Bitkom sind die mangelnden Finanzierungsmöglichkeiten für Startups eines der größten Hemmnisse für eine stärkere Gründungsdynamik in Deutschland. Besonders Wagniskapital (Venture Capital), das vor der Aufnahme des Geschäftsbetriebs und in der ersten Zeit nach der Gründung eingesetzt wird, ist knapp. „Die Folgen der schlechten Kapitalversorgung sind nicht nur weniger Gründungen, sondern auch ein langsameres Wachstum der bestehenden Startups. Das verringert die Chance, sich international zu etablieren.“  Im Jahr 2011sind nach Angaben des BVK in der Informations- und Kommunikationstechnologie 256 Unternehmen mit Venture Capital in Höhe von 245 Millionen Euro finanziert worden. Das entspricht einem Anstieg von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Seit einigen Jahren investieren vor allem Privatleute aus dem Internetumfeld und internationale VC-Fonds in die erstarkende deutsche Startup-Szene“, sagte Kempf. „Die geplanten Steuerbelastungen sind dazu geeignet, diesem positiven Trend ein schnelles Ende zu bereiten.“

Mit seiner Forderung, auch ausländische Investoren von der Steuer zu befreien, steht der Bitkom nicht alleine da. Auch die Initiative D64 unterstützt diese Haltung.

Bitkom schaltet sich in Streit um Start-up-Finanzierung ein

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