Smartphone | | von Annette Mattgey

Besser als Apple? Der Anspruch des Mi4 von Xiaomi

"Wir sind besser als Apple", verkündet vollmundig Lei Jun, Firmengründer von Xiaomi. Der chinesische Smartphone-Hersteller macht sich mit seinem neuen Modell Mi4 zum Sprung bereit in westliche Märkte. Zehn Länder stehen alleine dieses Jahr auf der Expansionsliste. Deutschland ist noch nicht dabei.

Bei der Vorstellung des neuen Modells Mi4 in Peking ist Lei Jun in seinem Element. In T-Shirt, Jeans und Turnschuhen läuft er auf der Bühne in Peking hin und her. "Wir haben etwas Großartiges geschaffen", schwärmt er vom neuesten Smartphone der chinesischen Firma. Ganz im Stil des Apple-Gründers Steve Jobs tritt Lei Jun betont lässig auf, wie das Branchen-Blog Mobilegeeks live beobachtet hat. Mobilegeeks berichtet außerdem ausführlich über die technischen Finessen und die hochwertig designten Cover des Mi4.

Der chinesische Smartphone-Aufsteiger Xiaomi greift die Konkurrenz mit einem neuen Spitzenmodell und einem außergewöhnlich günstigen Fitness-Armband an. Das am Dienstag vorgestellte Flaggschiff-Smartphone Mi4 hat erstmals einen Metallrahmen und ähnelt damit vom Aussehen her Apples iPhone 5. "Wir müssen uns nicht verstecken", gibt sich Lei Jun selbstbewusst. Bei dem Event in Peking lässt er eine Skizze des iPhone 5s neben Xiaomis neues Smartphone Mi4 projizieren. "Nehmt alle eure iPhones aus der Tasche. Unser Gerät ist grandios verarbeitet und fühlt sich einfach besser als ein iPhone an", so Lei Jun.

Das vier Jahre alte Unternehmen versucht, mit hochwertiger Hardware zu Kampfpreisen Rivalen wie Samsung und Apple Marktanteile in Asien abzujagen. Mit 16 Gigabyte Speicherplatz soll das Mi4 in China bereits ab 1999 Yuan (239 Euro) erhältlich sein. Das Privatunternehmen hat es unter den Smartphone-Herstellern auf dem weltgrößten Handy-Markt in China bereits auf Platz drei geschafft. Mit elf Prozent Marktanteil überholte Xiaomi kürzlich Apple (zehn Prozent), wie das Analyseunternehmen Counterpoint ausrechnete. Xiaomi verfolgt ein anderes Verkaufsmodell als die internationalen Branchenriesen Apple und Samsung. Die Firma verkauft ihre Produkte fast ausschließlich im Internet. Neue Geräte werden in Kontingenten online angeboten und sind oft innerhalb von Sekunden ausverkauft.

Mit einem nur 79 Yuan (rund 9,50 Euro) teuren Gerät will Xiaomi ins Geschäft mit Fitness-Armbändern vorstoßen. "Wir werden den Markt mit dem Preis umkrempeln", verkündete Lei Jun. Das Gerät soll diverse Gesundheitsdaten sammeln und gleichzeitig als Wecker funktionieren. Der Akku des Bandes halte 30 Tage, und das Gerät sei komplett wasserdicht, sagte Lei Jun. Bisher kosten viele Fitness-Bänder rund 100 Euro. Lei Jun nannte kein Datum, ab dem das Band verkauft werden soll.

Die Firma Xiaomi, deren Name übersetzt Hirse bedeutet, setzt bei seinen Smartphones auf Googles Betriebssystem Android. Auf dessen Basis hat das Unternehmen eine eigene Oberfläche für seine Geräte mit dem Namen Miui entwickelt. Im Gegensatz zu internationalen Android-Geräten sind auf den Smartphones mit Miui in China keine Google-Programme installiert.

Das Unternehmen begründet den Schritt damit, dass Google-Dienstleistungen in China kaum nutzbar sind. Die Zensurstellen bremsen etwa die Suche von Google, den E-Mail-Dienst und das Kartenprogramm gezielt aus - oder blockieren die Seiten komplett. In Chinas stark zensiertem Internet sind zudem Plattformen wie Facebook, Twitter und YouTube gesperrt. Auf außerhalb Chinas verkauften Xiaomi-Geräten sollen jedoch auch Programme von Google verfügbar sein.

Für seine Expansionspläne hat sich Xiaomi im vergangenen Jahr mit Hugo Barra einen führenden Android-Manager von Google geholt. Alleine in diesem Jahr ist Barra der Chefstratege hinter Xiaomis Markteintritt in zehn neuen Ländern, wie Indien, Russland und Türkei. Besonders am Herzen liegt Barra der Markteintritt in seinem Heimatland Brasilien. Dabei wehrt sich Barra gegen den Vorwurf, Mi sei bloß eine Copycat von Apple. "Wenn man zwei ähnlich begabte Designer hat, ist es doch nur logisch, dass sie zu den gleichen Schlüssen kommen", sagt er gegenüber dem Branchendienst "The Verge". Für die ausländischen Märkte promotet Barra zudem den Markennamen Mi, der sich weit besser aussprechen lässt als der Unternehmensname.  

Leicht wird der Vorstoß in neue Märkte jedoch nicht: "Es wird für das Unternehmen wesentlich schwieriger werden, sein Erfolgsmodell von China auf andere Länder zu übertragen", sagt Jost Wübbeke vom Mercator Institut für China-Studien (Merics). Beim Markteintritt in den Philippinen lief es dieses Jahr auch noch nicht rund für Xiaomi. Nur 3000 Geräte wollte die Firma zum Einstieg in wenigen Minuten verkaufen. Am Ende dauerte es mehr als eine Stunde. So langsam waren Smartphones von Xiaomi noch nie verkauft worden.

Firmenchef Lei Jun sieht Xiaomi trotzdem vor einem gewaltigen internationalen Aufstieg. "Meine Vision ist es, den Menschen Technik zu erschwinglichen Preisen verfügbar zu machen", sagt er. Und damit will er zum chinesischen Exportschlager werden. "Mit uns hat China endlich eine Technologiefirma, auf die wir auch international Stolz sein können."

(dpa/am)

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