Instant Articles | | von Irmela Schwab

Bedrohen Facebook Instant Articles das Werbegeschäft der Verlage?

Content Marketing-Experten haben es oft genug gepredigt: Unternehmen und Medienhäuser sollten Facebook nicht zur Drehscheibe ihrer Content-Strategie machen. Und selbst, wenn viele den Rat befolgt haben: Die Panik vor den Instant Articles ist nun dennoch groß. 

Vorgesehen ist, dass Inhalte von Medienmarken direkt auf der Social Media-Plattform angeboten werden - anstatt wie bisher auf Webseiten weiterzuleiten. Der gesamte Content bliebe damit in dem Netzwerk. Das sorgt für schnellen Lesegenuss - Web-Leser sind schließlich ungeduldig und erst recht die vielen Mobile-User. Der Wermutstropfen für die Publisher: Es geht einiges an Traffic auf der eigenen Website verloren. Dafür dürfen Medienmarken auswählen, ob sie ihre Facebook Instant Articles selbst vermarkten oder sich von Facebook unter die Arme greifen lassen. Dann überlässt Facebook den Publishern großmütig 30 Prozent der Werbeerlöse.

Medienmarken wie Vice und Mashable haben bereits Anfang Mai mit Schrecken festgestellt, dass ihre geposteten Links auf einmal bei Facebook verschwunden waren - und damit auch der Traffic, der sonst auf ihre Seite geleitet wurde. Diese Entwicklung ist umso gravierender, weil viele Publisher bislang noch keine nachhaltige Mobile-Business-Strategie entwickelt haben - und daher ganz auf Facebook gesetzt haben. Laut einer Studie von Pew Research Center erzielen 39 von 50 Nachrichten-Seiten mehr Traffic über mobile als Desktop-Seiten. 

Was auf den ersten Blick als fairer Deal erscheint, könnte noch zum Problem werden. Die Angst davor, dass Facebook ständig die Geschäftsbedingungen ändert, ist groß - und berechtigt. Facebook sitzt wie Google und Twitter am längeren Hebel. So hat der Kurznachrichtendienst neulich etwa nach dem Kauf von Social Streaming-Dienst Periscope kurzerhand den Konkurrenten Meerkat aus seinem Social Graph verbannt. 

Dennoch sind die Publisher den Instant Articles gegenüber aufgeschlossen. Dem Vernehmen ist die New York Times unter den ersten Medienpartnern für das Projekt der Instant Articles, in Deutschland experimentieren Bild und Spiegel mit den Instant Articles. Als weitere Partner sind Buzzfeed und National Geographic im Gespräch. Facebook hat bei der Partnerschaft jedoch ganz klar die Oberhand. So sagte Jon Steinberg, Manager bei Dailymail.com, dem "Wall Street Journal": "Wir würden liebend gerne beim Projekt mitmachen, wenn wir gefragt werden."

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Facebook gewinnt weitere Medien für Instant Articles

von Deutsche Presse-Agentur

Facebook weitet seinen Test für eine neue Art der Online-Berichterstattung auch in den deutschsprachigen Ländern aus: Nach den so genannten Alpha-Testern Bild.de und Spiegel Online werden sich jetzt weitere 25 Medienpartner aus Deutschland, Österreich und der Schweiz am Projekt Instant Articles beteiligen. Die Verlage und Sender werden damit in der Facebook-App nicht nur Anreißer ihrer Inhalte veröffentlichen, sondern komplette Artikel, Foto-Galerien und Videos.

Zu den neuen Medienpartnern gehören: die "Tagesschau" der ARD und n-tv von Senderseite, die Funke Mediengruppe  mit ”WAZ“ und  ”Berliner Morgenpost“, Focus Online, Zeit Online, der Berliner ”Tagesspiegel“, der DuMonts Kölner ”Express“, RP Online aus Düsseldorf, ”Die Welt“, ”Handelsblatt“, ”Stern“, ”Bunte“ sowie ”NZZ“ und ”Blick“ aus der Schweiz und ”oe24“ aus Österreich.

Das Angebot richtet sich vor allem an mobile Nutzer: Der Aufbau der Inhalte auf einem Smartphone geht bei Instant Articles deutlich schneller vonstatten als bei einer herkömmlichen Website. Facebook bietet den Medien dabei auch eine Vermarktung der Inhalte an. Verkaufen die Partner die Werbung selbst, dürfen sie sämtliche Erlöse behalten. Wird die Online-Anzeige durch das Facebook-Werbenetzwerk besorgt, reicht der Internet-Konzern 70 Prozent der Erlöse an die Publisher weiter.

Da das Interesse besonders im mobilen Bereich wachse, sei RP Online beim Test der ”Instant Articles“ dabei, erklärte Michael Bröcker, Chefredakteur der ”Rheinischen Post“. Man wolle sehen, wie die Mischung aus Schnelligkeit und Qualitätscontent ankomme. ”Wer neue technische Möglichkeiten ignoriert, darf sich nicht wundern, wenn seine Inhalte beim Leser keine Rolle mehr spielen.“

Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, betonte, die Sozialen Medien spielten bei der Nutzung von Nachrichten mittlerweile eine wichtige Rolle. ”Es ist der Anspruch der ‚Tagesschau‘, Nachrichten überall dort anzubieten, wo Menschen nach Informationen suchen. Deshalb machen wir beim Testlauf von Facebook Instant Articles gern mit.“ In den USA sind die ”New York Times“, ”National Geographic“ und das Portal Buzzfeed.com seit Beginn des Testphase dabei, in Großbritannien sind die BBC und die Zeitung ”Guardian“ mit an Bord.

von Deutsche Presse-Agentur - Kommentare Kommentar schreiben