See conference | | von Annette Mattgey

Augenweide: Ohne Visualisierung bleibt Big Data wirkungslos

Unendlich lange Excel-Tabellen - so stellen sich viele das Ergebnis von Big Data vor. Dass man mit optisch aufbereiteten Daten wesentlich mehr anfangen kann, erklärt Peter Post, Geschäftsführer von Scholz & Volkmer, exklusiv für LEAD digital. Die Agentur ist Organisator der see conference, die am 20. April 2013 zum achten Mal stattfindet. Thema ist die Visualisierung von Information.

Bislang haben Menschen einen Großteil der Daten im Netz geschaffen. Zukünftig werden im „Internet of Things“ Maschinen und Dinge Daten generieren. Die Bitflut steigt. Visualisierung lässt Menschen Muster in diesem Rauschen erkennen. Das generiert Einsichten und führt zu Handlungsänderungen – sowohl bei Unternehmen als auch Kunden.

Datenvisualisierung war bis vor wenigen Jahren ein Thema für Wissenschaftler und Liebhaber. Inzwischen ist das Thema im Mainstream angekommen. Und Unternehmen haben begriffen, dass sie „Dataviz“ sowohl für ihre eigenen, internen Prozesse einsetzen, als auch geldwerte Dienste für ihre Kunden daraus generieren können.

Dataviz führt zu Transparenz

General Electric hat die Plattform GE Visualization ins Leben gerufen. GE macht damit die Unmengen an Daten, die ihre Geräte und Dienste täglich generieren, der Öffentlichkeit zugänglich, um neue Innovationen anzustoßen. Der Ansatz ist richtig. GE beschäftigt bei diesem Projekt führende Designer – darunter Ben Fry, einen der Gründungsväter der Dataviz-Bewegung. Allerdings stehen Großkonzerne auch schnell in der Kritik. Eine ungenaue Visualisierung der weltweiten Gasvorkommen löste 2012 einen kleinen Shitstorm aus. Man muss das Richtige halt auch richtig tun.

Dataviz schafft neue Währungen

Nike hat mit „Fuel“ eine einfache Visualisierung für individuelles Bewegungsverhalten geschaffen. Das ist bemerkenswert, weil das digitale Produkt nicht mehr (wie es noch beim Nike+ Chip der Fall war) einen Sportschuh verkaufen soll. Vielmehr ist Fuel selbst das erste rein digitale Produkt der Marke. Nike verkauft seinen Kunden damit die Tatsache, dass sie sich bewegen – und liefert die Währung dafür gleich mit: „Fuel Points“.

Dataviz macht Content bezahlenswert

Sein Buch „Free“ stellte Chris Anderson (Ex-Chefredakteur der WIRED) als Volltext kostenlos zur Verfügung. Für die Kurzfassung hingegen musste man zahlen. Zeit ist Geld; das haben auch Verlage erkannt. Datenvisualisierungen gehören zu den Karotten, die Leser hinter Paywalls locken sollen. Ob Paywalls sich bewähren, bleibt abzuwarten. Aber Angebote wie die englische „Times“ schaffen es auf mehr als 150.000 zahlende Leser – dies auch mit wunderbaren, interaktiven Datenvisualisierungen. Große Häuser wie die New York Times beschäftigen ganze Teams von Datenjournalisten und Visualisierern.

Dataviz schafft neue Produkte

Wie salonfähig Dataviz geworden ist, zeigt die Karriere von Nicholas Felton. Der Designer wurde mit seinem „Feltron Report“ berühmt. Felton visualisiert darin alle Details seines Lebens: wie lange er schläft, was er trinkt, wo er es tut und mit wem. Mark Zuckerberg holte ihn zu Facebook. Aus der Zusammenarbeit entstand die Facebook Timeline, mit der Zuckerberg aus dem sozialen Netzwerk ein Lebensarchiv gemacht hat. Nutzer können sich damit noch individueller und ganzheitlicher darstellen. Und der Konzern hat sich eine Bühne für hochgradig personalisierte Werbung geschaffen.

Dataviz ist Echtzeit

Während Informationsgrafiken „handgemacht“ und statisch sind, liegen Datenvisualisierungen meist Formeln zugrunde, durch die immer neue, aktuelle Daten geschickt werden. Dataviz wird damit den Anforderungen unserer vernetzten Echtzeitwelt gerecht: Echtzeit ist Echtheit.

Warum ist Dataviz gerade jetzt relevant für Unternehmen?

Dataviz verkürzt die für Informationsaufnahme und Interpretation erforderliche Zeit. Und damit beschäftigen sich Unternehmen und Konsumenten ständig. Dataviz kann aber auch Geschichten erzählen – das unterscheidet sie von drögen Businessgrafiken. Und gerade in einer Zeit hoher Verfügbarkeit von Daten und der Demokratisierung der Darstellungstechnologien sollten Unternehmen die Chance nutzen, diese Geschichten selbst zu erzählen. Denn jemand wird sie erzählen.

Die wichtigsten Handlungsfelder für Marketeers

Intern

- Visualisierung von KPIs, vor allem Nutzungszahlen von Produkten und Diensten, um daraus Kommunikationsmaßnahmen und Innovationspotenziale abzuleiten.

Extern

- Visualisierung von Informationen (Unternehmensdaten, Leistungsdaten von Produkten, Simulation von persönlichem Verbrauch) zur Kundengewinnung und -bindung.

- Visualisierung als Teil neuer, vernetzter Produkte und Dienste

Während der see conference am 20. April 2013 im Schlachthof Wiesbaden begegnen sich Experten aus Architektur, Performance, Film, Kunst, Technik, Forschung und Kommunikation. Internationale Sprecher präsentieren die neuesten Projekte und Ansätze, wie man der heutigen Komplexität begegnen und die Flut von Informationen in verwertbares Wissen verwandeln kann. Weitere Infos zu den Sprechern, zum Programm und Tickets: www.see-conference.org

Peter Post ist Designer und Geschäftsführer der Kreativagentur Scholz & Volkmer. Er verantwortet den Geschäftsbereich Connected Products, der unter anderem Produkte und Dienste für Lufthansa, Mercedes-Benz und EnBW entwickelt. Peter Post hält regelmäßig Vorträge zu Themen der Vernetzung und digitaler Kommunikation und kuratiert die see conference.

Augenweide: Ohne Visualisierung bleibt Big Data wirkungslos

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