Gastbeitrag zur re:publica 2013 | | von Annette Mattgey

Aufbruchstimmung bei der re:publica: Einfach mal #machen

Drei Tage lang versammelte die re:publica die deutschsprachige Netzgemeinde in Berlin. Drei Tage, an denen unter dem Motto "In/Side/Out" über Aufbrüche, Zusammenbrüche und Bruchlinien der Gesellschaft diskutiert wurde. Einer Gesellschaft, die heute fragmentierter denn je erscheint. Aufbruch und Wandel identifizierte Jo Wedenigg, Director Social Media bei FischerAppelt, daher als tragendes Thema der diesjährigen re:publica. Von dem Barcamp hat er drei Erkenntnisse mitgenommen, die er für LEAD digital beschreibt: 

In/Side/Out als Hashtag des Umbruchs. Und der Hashtag selbst als Symbol für digitale Avantgarde. Zumindest wenn es nach Sascha Lobo  geht, der ihn – auf das Wesentliche reduziert – als "(#)" zum Icon des Internets proklamierte, um endlich im Internet nach dem Internet suchen zu können. Wer gezielt nach re:publica Eindrücken suchen möchte, bedient sich derweil des "#rp13" Tags zur Standortbestimmung.

 

Erkenntnis Nummer 1: Suche ist Existenz!

Die Suche nach neuen Wegen scheint wie kein anderes Motiv die Netzpeople anzutreiben. Die Suche nach dem Sinn hinter kommunikationspolitischen Alleingängen global agierender Telekom-Unternehmen zum Beispiel. Die aktuellen Pläne von "Big T" waren mit Sicherheit der beliebteste Reibebaum in diesem Jahr. Eine Kontroverse, die sowohl Netzneutralität-Verfechter wie auch Ethnozentriker vom Format eines Günther Dueck   zum leidenschaftlichen Meinungsaustausch nutzten. Die Diskussion, nicht arm an Polemiken, ist jedoch beispielhaft für die Fülle von strukturellen Umbrüchen, die wir gerade erleben. Umbrüche im Journalismus zum Beispiel, wie sie die internationale Gruppierung "Tacital Tech" vorexerziert: investigativer Journalismus, Big Data Visualisierung und Hacking verbinden sich hier zu einem völlig neuen Informationsangebot, das journalistische Produkte aus Tageszeitungen und Fernsehen, unglaublich alt aussehen lässt. Wikileaks war nur der Anfang.

Erkenntnis Nummer 2: Du bist die Story!

Doch auch unabhängig von hehren Aufdecker-Intentionen verändert sich die Medien-Welt rasant. Getrieben durch immer individuellere Informations- und Inhaltsbedürfnisse, laufen Marken und Menschen den arrivierten Medien zunehmend den Rang ab. Johnny Häusler (Godfather of re:publica) lud Vertreter einer neuen YouTube-Oberklasse zum Talk ein. Jugendliche, deren Abo- und Abruf-Zahlen auch heimischen Pay-TV Betreibern zu Ruhm und Ehre gereichen dürften. Sie gehen völlig selbstverständlich mit ihrer neuen Rolle um. Geboten wird, was die Community interaktiv fordert. Und auch für Unternehmen hält dieser mediale Wandel Chancen bereit. Content wird zum emanzipierten Produkt, das – ganz im Zeichen der Shareconomics – erst durch das Teilen an Wert gewinnt. Das ist für jene, die sich schon länger mit Social Media beschäftigen vielleicht nichts Neues. Wie man Formate monetarisiert, mit Inhalten einen Wertbeitrag erzielt und Kampagnen zu Blockbustern macht, stellt für viele Vertreter meiner Branche noch immer ein iPad mit sieben Lock-Codes dar, ist noch lange nicht bei allen Agenturen und Herausgebern dieser Nation angekommen. Dies zeigten die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion zum Thema eindrucksvoll an sich selbst. Eine Geschichte zu erzählen reicht nicht (mehr). Wir müssen selbst zur Geschichte werden, wenn wir Geschichten auch verkaufen wollen.

Erkenntnis Nummer 3: Wir sind der Umbruch!

Die Währung dafür heißt immer häufiger Aufmerksamkeit. Zeit, die wir einer Story, einem Projekt oder einem Format widmen. Selbst die Privatsphäre wird zum Zahlungsmittel, unser Return on Attention zum bestimmenden Faktor für Einsatz, Leistung und Work-Life-Balance. Ganz "In/Side/Out" wurden auch die wirklich großen Zusammenhänge auf der re:publica 2013 zum Thema gemacht, neue Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Arbeits- und Lebenswelt gesucht, neue Wege zur Diskurs-Kultur ausgeleuchtet. So weit ab von den üblichen Netz-Aufregern diese para-politischen Themen auch scheinen, so persönlich schließt sich hier der Kreis der re:publica als Netzkultur-Festival: Wer sucht, braucht Orientierung. Der Wunsch nach individueller und gleichzeitig verantwortungsvoller Revolte wird zum roten Faden. Der Umbruch, den wir jeden Tag aufs Neue im persönlichen Kontext umsetzen wird zur crowdgesourcten Revolution. Und die Welt wird besser, wenn wir – frei nach Felix Schwenzel – einfach mal "#machen". Das wird dann schon!

Jo Wedenigg studierte Betriebs- und Volkswirtschaftslehre und befasst sich seit 2000 mit digitaler Markenführung, Content Marketing, sowie Kommunikation in Online- und Offline-Netzwerken. Nach Stationen bei Red Bull und den Webguerillas, ist er bei FischerAppelt seit März 2013 für den gesamten Social Media Bereich verantwortlich.

Aufbruchstimmung bei der re:publica: Einfach mal #machen

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht