Vor Ort | | von Christina Rose

Arianna Huffington: "Win-Win statt Wettbewerb"

Die Huffington Post Deutschland ist online. Das Konzept der „Engagement-Plattform“ ist umstritten. Von Ausbeutung sprechen die Kritiker, von einer Riesenchance für Meinungsmacher die Befürworter. In welche Richtung es sich auch bewegen wird: Die Aufmerksamkeit der deutschen Medienlandschaft hat Arianna Huffington bereits.

In drei Jahren soll die deutsche Huffington Post profitabel sein, in fünf soll sie zu den Top-3-Newsportalen in Deutschland gehören - Bild.de eingeschlossen - mit zehn bis 15 Millionen Euro Netto-Umsatz und vier Millionen Unique Usern, gab Christoph Schuh, Vorstand von HuffPo-Medienpartner Tomorrow Focus zum heutigen Start in München vor. Dafür investiert die Burda-Tochter drei Millionen Euro für 15 Redakteure samt Infrastruktur.

Geführt wird das deutsche Team von Tomorrow-Focus-Chef Oliver Eckert als Geschäftsführer. Ex-ZDF-Moderator Cherno Jobatey amtiert als Editorial Director. Designierter Chefredakteur ist Sebastian Matthes, der auf die Freigabe seines Noch-Arbeitgebers Wirtschaftswoche wartet. Die Aufgabenteilung dabei ist klar: Fernsehmann Jobatey soll als Anchorman für die Bekanntheit sorgen, Matthes für die Lieferung der journalistischen Inhalte. Soweit das bekannte Medienkonzept.

Viel Kritik erntet das mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnete Portal, das im Heimatmarkt USA mehr Klicks als die New York Times generiert, für sein zweigleisiges Konzept: Neben 15 bezahlten Redakteuren sollen künftig Blogger und selbsternannte Meinungsmacher jeglicher Couleur die Inhalte liefern - unbezahlt. Die Riege der Content-Lieferanten umfasst bereits zum Start mehr als 60 Blogger, darunter unabhängige Branchenblogger, Wirtschafts- und Kirchenvertreter sowie Politiker, Schauspieler und Ex-Profisportler. Inhaltlich peilt man wie in den USA ein Verhältnis von zwei Drittel durch die festen Redakteure zu einem Drittel durch Gastautoren an.

Deshalb sei man auch „Engagement-Plattform“ und nicht „Online-Magazin“, betont der designierte Chefredakteur Matthes gebetsmühlenartig – was die Macher jedoch nicht daran hindert, sich in wenigen Jahren auf Augenhöhe mit Spiegel Online, Bild.de oder FAZ.net zu sehen. Und das mit Inhalten, die sie kostenlos bekommen oder wie die FAZ mutmaßt, indem „sie vor allem das tun werden, was ihre Kollegen von „Focus Online“ schon perfektioniert haben: Inhalte von anderswo abschreiben, umschreiben, großschreiben“.

Die anhaltende Diskussion um unbezahlte Beiträge und den Wert von Inhalten und Reichweite kam zumindest kurz auf der heutigen Pressekonferenz in München auf. Leicht gereizt antwortete Jobatey dann auch auf die Frage, wie es um seine Bezahlung stünde: Als Editorial Director beziehe er natürlich ein festes Gehalt, für seine Blogbeiträge nicht.

Es ist auch ein Clash of Cultures. Die teilweise recht heftige Empörung deutscher Journalisten über das HuffPost-Prinzip scheint Arianna Huffington nicht verstehen zu können. Sie quittiert die deutschen Einwände, wie man die teilweise klaren wirtschaftlichen Interessen einzelner Autoren mit redaktioneller Unabhängigkeit, dem deutschen Leistungsschutzrecht und möglicher hausgemachter Konkurrenz zu Focus.de unter einen Hut bringt, mit einem Lächeln und dem Statement: „The new world is not about competition but about win-win.“

Und das Win-Win bestehe in der Reichweitensteigerung - für Blogger, die eh schon passioniert und kompetent auf eigenen Blogs über Spezialthemen schreiben und natürlich für die Huffington Post als Content- und Diskussionsplattform und nicht zuletzt damit auch als attraktiven Werbeträger. „Wenn das Modell nicht funktionieren würde, hätte die Huffington Post weltweit nicht etwa über 50.000 Autoren und Blogger, die für sie schreiben – und darauf auch stolz sind“, betonen die Macher. Der freie Journalist, der sein Geld mit Journalismus verdient, sei in der Regel nicht Gastautor der Huffington Post.

Arianna Huffington: "Win-Win statt Wettbewerb"

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