Streaming | | von Annette Mattgey

Apples Musikdienst kurz vor dem Rollout

Apple startet am Dienstag seinen neuen Musik-Dienst, mit dem der iPod-Konzern die Initiative in dem Geschäft zurückgewinnen will. Zu Apple Music gehören ein Streaming-Dienst, bei dem die Songs direkt aus dem Netz abgespielt werden, sowie ein kostenloses Internet-Radio.

Apple setzt bisher mit seinem Dienst iTunes auf den Verkauf von Musik zum Herunterladen und ist in diesem Geschäft die Nummer eins. Streaming-Dienste brachten im vergangenen Jahr zwar nur gut ein Zehntel der weltweiten Erlöse der Musikindustrie von rund 15 Milliarden Dollar ein. Sie werden jedoch immer populärer bei den Nutzern.

Infografik: Streaming ist Wachstumstreiber im deutschen digitalen Musikmarkt | Statista
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Es ist bei weitem nicht der erste Streaming-Dienst, Apple ist eher ein Späteinsteiger. Die Musikindustrie hofft aber, dass Apple seine Kunden dazu bewegen kann, eine monatliche Abo-Gebühr zu bezahlen, während bei aktuellen Streaming-Diensten werbefinanzierte Gratis-Angebote beliebter sind.

So sind beim aktuellen Streaming-Marktführer Spotify unter den zuletzt 75 Millionen Nutzern lediglich rund 20 Millionen zahlende Abo-Kunden. Branchen-Manager betonen zugleich, dass dies im Vergleich zu anderen Geschäften im Netz wie zum Beispiel Online-Spielen bereits ein hoher Anteil ist. Spotify rüstet sich für den neuen Konkurrenten und beschafft sich ein finanzielles Polster. Eine Kampagne, die Mitte Juni online ging, soll die Markenbekanntheit steigern und neue Kunden locken. Bereits vor dem Launch hat auch Apple seine Kampagne gestartet und ist mit mehreren Spots online gegangen.

Nach bisherigen Informationen soll Apple Music am Dienstag mit der Veröffentlichung einer neuen Version des Mobil-Betriebssystems iOS ab voraussichtlich 17.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit verfügbar sein. Die ersten drei Monate steht der Dienst kostenlos zur Verfügung - und ursprünglich wollte Apple in dieser Zeit auch den Musikern kein Entgelt zukommen lassen. Taylor Swift setzte mit ihrem Protest Apple derart zu, dass der Konzern seine Haltung änderte und nun ab sofort Lizenzgebühren an die Plattenfirmen, auch an Indie-Labels, entrichtet. In den USA soll das Musik-Abo 9,99 Dollar im Monat kosten und 14,99 Dollar im Familientarif für bis zu sechs Nutzer. Preise für Deutschland wurden bisher nicht genannt.

Apple setzt auf einen breiten Marktstart. Der Musik-Service soll in mehr als 100 Ländern verfügbar sein. Zudem will Apple neben den rund 800 Millionen Kunden mit Apple-Geräten auch Nutzer von Smartphones mit dem Google-System Android anlocken - für sie soll es im Herbst ebenfalls eine App geben.

Ein wichtiges Element des Abo-Angebots ist der Bereich "Connect", in dem Musiker neue Songs ihren Fans anbieten können. Zum Start soll dort unter anderem ein neues Lied von Pharrell Williams zunächst nur bei Apple verfügbar sein. Selbst die online sehr zurückhaltenden Rocker von AC/DC machen nach Recherchen der "New York Times" bei Apple Music mit. Beim Radio bekommen Musiker wie Dr. Dre oder Elton John eigene Sendungen.

Für wen lohnt sich ein Abo?

2,5 Millionen Deutsche nutzen laut Bundesverband der Musikindustrie (BVMI) aktuell einen kostenpflichtigen Streaming-Dienst, weitere 8 Millionen streamen kostenlos. Wie sich die Angebote von Spotify und Apple Music unterscheiden, hat Computerbild hier aufgelistet. Doch für wen lohnt sich ein Streaming-Abo überhaupt? Laut Zahlen des BVMI gaben Musikkäufer in Deutschland im Jahr 2014 durchschnittlich rund 60 Euro aus – ein Jahresabo für einen typischen Streamingdienst kostet das Doppelte. Richtig lohnen tut sich ein Abo streng genommen nur für die sogenannten Intensivkäufer, die durchschnittlich rund 250 Euro im Jahr für Musik ausgeben. Diese machen allerdings nur 4 Prozent der Bevölkerung aus

Infografik: Apple Music & Co: Für wen lohnt sich ein Abo? | Statista
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