Heiße Trends auf der Dmexco: User Experience, Mobile, Video - und natürlich Schuhe in allen Formen.
Heiße Trends auf der Dmexco: User Experience, Mobile, Video - und natürlich Schuhe in allen Formen. © Foto:LEAD digital

Konferenz | | von Irmela Schwab

Anleitung zum Zähneputzen: Digitale Transformation auf der Dmexco

Am Ende des Tages verwandelt sich Köln in eine Party. Nach dem nach sechs Uhr abends die letzten Konferenz-Panels langsam zu Ende gingen, wurde in den Messehallen die Musik aufgedreht. Die schwedische Popsängerin Zara Larsson heizte den Messebesuchern der Dmexco live in der Conference Hall ein. In diesem Jahr insgesamt 50.000 Fachbesucher aus aller Welt angereist, um sich über Trends wie User Experience, Mobile und Video auszutauschen. Viele kommen aus den USA, Großbritannien, Frankreich, aber auch Israel und Brasilien. 

Imran Khan, Chief Strategy Officer von Snapchat ist aus Kalifornien angereist, um dem internationalen Publikum zu erklären, dass der Messenger keine soziale, sondern eine Kamera-Technologie ist. Indem man Bilder mit Filtern anreichern, Videos erstellen und sie mit Freunden teilen kann, ensteht ein völlig neue Kommunikations-Dynamik. Authentisch, zwanglos und oft auch völlig sinnfrei: auch Spaß muss sein. Der Dienst entertaint mittlerweile gut 150 Millionen Menschen täglich.

Mit herkömmlichen Mustern aufbrechen will auch Uber. Der Fahrservice aus San Francisco versteht sich ebenfalls als Technologie-Hersteller. Über seine App bringt Uber Menschen zusammen, die wie auf einem Marktplatz Bedürfnisse austauschen: Der eine will fahren, der andere gefahren werden. Solche Art des Geschäftemachens wird in Deutschland oftmals argwöhnisch beäugt. 

Dem Land der Ingenieure und solider Wertarbeit mögen solche Business-Modelle zu virtuell sein, zu wenig handfest  - daher hinken die Deutschen auch im internationalen Wettbewerb um Innovation hinterher. So die These von Tobias Kollmann, Professor an der Universität Duisburg-Essen, der dazu ein Buch geschrieben hat: “Wie die digitale Transformation gelingt”. Bisher beschäftigen sich nur große Unternehmen damit, die sich höchstens untereinander austauschten - die kleineren werden außen vorgelassen. Das sei falsch: “Wir müssen offen aus den einzelnen Silos raus gehen.”

Weitere Hürden sieht Kollmann in der hiesigen Unternehmenskultur. “Es gibt noch zu wenig digitales Leadership in den Führungsetagen”, bemängelt er. So müssten Taxifahrer in spe zum Beispiel das gesamte Straßennetz einer Stadt auswendig lernen: obsolet, findet Weigler, angesichts von GPS und anderer moderner Technologie. Daran müsse sich schleunigst etwas ändern, sonst scheide Deutschland aus dem Set der Top-Wirtschaftsnationen bis zum Jahr 2030 aus. Christoph Weigler, der erst seit August die Geschäfte von Uber in Deutschland leitet, stellt dabei auch die starren Regulierungen an den Pranger.

Dass man in Deutschland zuweilen doch schon digital denkt, wurde aber in manchen Panels demonstriert. So brachte Hansjörg Reick, Associate Director R&D bei Procter & Gamble, die hauseigene Smart Toothbrush auf die Bühne. Und während sein Kollege sich auf der Bühne mit der hauseigenen Smart Brush die Zähne schrubte, gab Reick dem Auditorium eine Anleitung zum Zähneputzen. Einer seiner Tipps: Drücken Sie mit  Ihre Bürste nicht zu fest zu. Das wirkt sich ungünstig aufs Zahnfleisch aus. Na also. Das sagt einem heute nicht mehr nur der Zahnarzt, sondern auch ein Konsumgüterhersteller. Und darum geht es letztlich bei der digitalen Transformation und beim “Pure Business”, der Ansatz der Dmexco: dass man über den eigenen Tellerrand hinaus denkt.

Anleitung zum Zähneputzen: Digitale Transformation auf der Dmexco

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