Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Alles programmatic oder was? Auch das Silicon Valley kann mal irren

Als ob die Deutschen mit Programmatic Buying nicht schon genug haderten. Nach dem die Amerikaner der Welt den automatisiertem Handel von Aktien, den maschinellen Kauf und Verkauf von Werbeplätzen aufgedrückt haben, soll nun auch noch die Familienplanung "made in USA" sein. Seriously? 

Was zu viel ist, ist zu viel, findet man hierzulande. Bei allem Respekt, der sonst den coolen Ideen aus New York bis Silicon Valley entgegengebracht wird: Das Projekt "iZelle", bei dem Facebook und Apple den Mitarbeiterinnen anbieten, das Einfrieren von Eizellen zu bezahlen, blitzte einhellig ab. "Geht´s noch!" wetterte etwa Elke Hannack, Vize-Chefin beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), in der "Süddeutschen Zeitung". So eine computerisierte Familienpolitik muss ihretwegen nicht über den Teich schwappen.

Mit Skepsis beäugten deutsche Journalisten in San Francisco auch das neue Wearable Puls, das in dieser Woche einem internationalen Publikum vorgestellt wurde. Das smarte Armband, das ja nicht als Uhr bezeichnet werden darf, wurde vom Rapper Will.I.Am entwickelt. Schließlich kann das Gerät, das es in vielen Regenbogenfarben sowie schwarz, gold und silber zunächst in den USA und England geben wird, Musik abspielen, Emotionen messen, Menschen wiedererkennen und die Location via GPS orten. Und noch einiges mehr. Zum Sortiment gehören auch Jacken, Schuhe und Taschen, die Mode mit smarter Technologie verbinden sollen.

Der Musiker ist ein enger Freund von Salesforce-Gründer Marc Benioff, zu dessen Konferenz Dreamforce in diesem Jahr 145.000 Besucher, vorwiegend aus den Reihen der internationale Salesforce-Kunden wie Coca-Cola, General Electrics und Tesla, kamen. Mehr als je zuvor. Zum 15. Jubiläum der Konferenz hat Benioff ein Feuerwerk der Superlative abgefackelt. Neben der üblichen Verkleidung von gesamten Straßenzügen in blau-weiß waren Musiker wie die Beach Boys, Bruno Mars, Cake und eben auch Will.I.Am geladen. Den Weg in die Konferenzhallen des Moscone Center fanden auch der Bürgermeister der Stadt, Edwin M. Lee, sowie die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton. Daneben wurden neue Salesforce-Tools, über die B2B- und B2C-Marketing über die Cloud gesteuert werden kann, präsentiert.

Made in the USA sind auch Buzzfeed und HBO. Während die Internet-Zeitung, die mit Listen und Social Sharing arbeitet, diese Woche in Deutschland an den Start gegangen ist, hat der Movie-Kanal seinen baldigen Start eben erst verkündet. Der deutsche Markt ist lukrativ: Auch Netflix ist seit September auf deutsch abrufbar, die Blogger-Gazette Huffington Post und die Wirtschaftszeitung Wall Street Journal haben im vergangenen Jahr deutsche Ableger gelauncht. 

Wie sich die US-Importe entwickeln, bleibt nun abzuwarten. Buzzfeed jedenfalls wurde von der deutschen Presse überwiegend positiv bewertet. Die Macher müssen sich nur bewusst sein, dass deutsche Leser anders ticken als die amerikanischen - und noch dazu einfach kritischer sind. Während jenseits des großen Teichs Novitäten meist Vorschusslorbeeren bekommen, müssen sie sich den guten Ruf in Deutschland erst erarbeiten. So hat der erste deutsche Post "16 Schritte, wie du dich auf die russische Invasion vorbereitest” bereits ziemlich polarisiert.

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