Peter Klingenburg, T-Systems Multimedia Solutions.
Peter Klingenburg, T-Systems Multimedia Solutions. © Foto:T-Systems Multimedia Solutions

Gastbeitrag | | von einem Gastautor

6 Standard-Fehler bei der digitalen Transformation

Das Bewusstsein für die Dringlichkeit der digitalen Transformation und die Handlungsnotwendigkeit ist in den meisten Unternehmen bereits vorhanden, wenn auch leider nicht bei allen. Dennoch haben viele Entscheidungsträger auf die Frage, wohin sich ihr Unternehmen entwickeln soll, noch keine überzeugende Antwort. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Entscheider häufig nicht wissen, wo sie beginnen sollen und Angst vor Fehlern haben. Peter Klingenburg, Geschäftsführer von T-Systems Multimedia Solutions, hat sechs Fallstricke zusammengestellt, die es für Unternehmen auf dem Weg in die digitale Transformation zu vermeiden gilt.

1. Hypes - nicht blauäugig folgen

Die Diskussion rund um digitale Transformation ist geprägt von Hypes und dringenden Warnungen zum Handeln. Doch das bedeutet nicht, dass Unternehmen jede neue Technologie zwingend unkritisch aufgreifen müssen. Sicher, die dynamische Entwicklung von digitaler Technologie ermöglicht neue Lösungen und Geschäftsmodelle. Andererseits – ohne konkreten Anwendungsfall oder eine Problemstellung für das Unternehmen – kann man auch mal einen vermeintlichen Trend oder technischen Hype ruhigen Gewissens vorbeiziehen lassen. Wichtig ist, die für die eigene Branche relevanten Entwicklungen stets im Blick zu haben und das Potenzial für die eigene Wertschöpfungskette regelmäßig zu evaluieren. Was gibt der Markt her und wie und wo kann das Unternehmen partizipieren? Generell sollte man bei jedem Trend hinterfragen: Welche Bedeutung hat dieser für mein Kerngeschäft? Hat er eine Auswirkung auf meine Kundenschnittstelle? Welches Potenzial für neue Geschäftsmodelle steckt dort drin? Hilfreich ist hierbei nicht selten eine neutrale Sicht von außen, die bei der Beurteilung unterstützt.

2. Neue Geschäftsfelder - nicht auf Teufel komm raus

Stetige Innovation ist oft wichtiger und dringender als den nächsten "Gamechanger" zu entwickeln und damit neue Geschäftsfelder aufzumachen. Im laufenden Kerngeschäft werden innovative Lösungen zu bestehenden Problemstellungen immer benötigt. Der Weg in neue Geschäftsfelder außerhalb des eigenen Kerngeschäfts ist dagegen oft holpriger und riskanter. Denn: Jedes Unternehmen bringt abhängig von seiner Größe, Kultur oder Struktur andere Voraussetzungen mit, um eine organisatorische Veränderung zu gestalten. Und die spezifischen Besonderheiten einer Branche, der Druck durch Wettbewerber, Produktlebenszyklen und das Markttempo beeinflussen nicht nur die Wandlungsfähigkeit von Unternehmen, sondern auch in welchem Maße Innovationen angenommen werden. Die Gegebenheiten aus dem Marktumfeld behindern oder fördern zudem die Chance, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Unternehmen sollten auch branchenübergreifend unbedingt einen Blick wagen. Denn die Digitale Transformation bringt immer wieder auch branchenfremde Wettbewerber hervor. Wo die eigene Chance also liegt, in der laufenden Innovation oder der Erschließung neuer Geschäftsfelder, gilt es im Vorfeld sehr genau abzuwägen.

3. Ideen - nicht zu früh abwürgen

Neue Ideen benötigen eine Kultur der Offenheit und Toleranz. Kaum eine Idee ist direkt zu Beginn umsetzungsbereit. Der wirkliche Mehrwert ergibt sich erst nach dem Ausprobieren und nach einem ersten Proof of Concept. In dieser Phase kommt es in der Regel noch zu verschiedensten Änderungen, so dass das Endergebnis von der ursprünglichen Idee abweichen wird. Wenn die Geschäfts- oder Abteilungsleitung zu früh kritisiert oder nur den Return on Invest beziffern möchte, können Ideen weder wachsen noch sich entwickeln. Auf diese Weise werden Innovationen also verhindert, bevor sie entstehen.

4. Teamstrukturen - nicht zu starr

Ideen können leichter umgesetzt werden, wenn Mitarbeiter mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen an ihnen arbeiten. Können sich Mitarbeiter, die sich zwar für dieselben Themen begeistern, aber in unterschiedlichen Bereichen arbeiten, nicht vernetzen und gemeinsam an einer Idee werkeln, dann scheitert ein Projekt schon vor der Umsetzung. Denn solange jeder Mitarbeiter nur seine eigenen Prioritäten hat und nur seinen "eigentlichen" Job verfolgen darf, scheitert eine Idee schon an der Organisationsstruktur. Flexibilität und Offenheit ist gefragt.

5. Organisationsstrukturen - nicht zu altbacken

Die digitale Transformation stellt bestehende Organisationsprozesse in Frage. Was vorher lange geplant werden konnte und daher robust war und Stabilität versprach, kann in einem Umfeld, das von agilen Umsetzungen und innovativen Ideen lebt, schnell eine starke Bremswirkung entfalten. Klassische Unternehmens- und Abteilungssilos und hierarchische Strukturen erzeugen hier Konflikte. Gelder, die in unflexiblen Jahresbudgets eingefroren sind, stellen hierbei ein Problem dar. Es sind häufig die verkrusteten Strukturen alter Managementsysteme, die noch heute die Wände der Silos stützen. Im Zuge der Digitalisierung dürfen daher gerne auch die gewohnten Organisationsmuster hinterfragt und im Dienst der Sache aufgebrochen werden.

6. Management - nicht in Unverständnis verharren

Ohne die Unterstützung des Top-Managements ist eine Veränderung des Unternehmens schwierig bis unmöglich. Die Digitale Transformation funktioniert nach besonderen Regeln, in denen klassische Entscheidungsmechanismen nicht mehr gelten. Ein Entscheider muss eine Vision und ein Verständnis für die digitale Transformation mitbringen und muss darauf aufbauend bereit sein, auch Budgets dafür zur Verfügung zu stellen. Das zieht sich durch alle Managementstrukturen – vom Geschäftsführer die Hierarchiestufen herunter bis ins mittlere Management. Denn: Grundsätzlich ist dieses Umdenken auch ein Kulturwandel für das gesamte Unternehmen, nicht nur für das Top-Management. Während die Geschäftsleitung häufig durch ein sehr strategisches Denken, mit Blick in Richtung Silicon-Valley und Austausch mit anderen Managern, gegenüber den Auswirkungen der Digitalisierung sensibilisiert ist, ist das mittlere Management von diesen Themen weiter entfernt. Doch wenn sich die Dinge in der Mitte und in der Breite nicht ändern, wird es noch Jahre dauern, bis die digitale Transformation im Unternehmen Fuß fassen kann. Und dann ist die Konkurrenz vielleicht schon vorbeigezogen...

6 Standard-Fehler bei der digitalen Transformation

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