Hat die App Anchor das Zeug zum Instagram für Audio?
Hat die App Anchor das Zeug zum Instagram für Audio? © Foto:Screenshot Anchor

Lesetipp zu Homeless Media | | von Petra Schwegler

5 Wege zum mobilen Nutzer, die Medien beschreiten können

Die Medienmarken bleiben, die Medienkanäle werden beliebig: Inhalte verlieren online ihren festen Aufenthaltsort und können plattformspezifisch aufbereitet an anderen Orten im Web stattfinden – das ist die These hinter dem Begriff "Homeless Media", wie ihn Francesco Marconi beschreibt.

Die Homepage als Sammelbecken für Texte, Bilder und Videos verliert an Bedeutung - stattdessen wird die Aufbereitung für Social Media immer wichtiger. Beispiel: Instant Articles bei Facebook. Doch es gibt noch weitere Versuche, Inhalte dort plattformspezifisch aufzubereiten und zu distribuieren, wo sich die Nutzer mittlerweile aufhalten.

Next Media Hamburg, die Standortinitiative für die Medien- und Digitalwirtschaft, zeigt in ihrem aktuellen "Trendreport" 5 Wege zum mobilen Nutzer auf, die Medien beschreiten können. Hier der Überblick:

Erstens: WeChat Public Accounts (für News und direkte Kommunikation)

Die Messaging-App WeChat konnte in China im letzten Jahr bereits über 650 Millionen aktive User monatlich aufweisen. Ein wichtiger Teil des Erfolgs und Unterschied zu Konkurrenten wie Whatsapp: die öffentlichen Accounts, die Privatpersonen und Unternehmen erstellen können. Sie sind mit kleinen Blogs innerhalb der App zu vergleichen.

Die Betreiber können täglich Updates an ihre Follower schicken, die neben Chats von Freunden erscheinen. Der User kann direkt reagieren und dem Account-Betreiber eine Sprachnachricht oder ein Emoji schicken. Im Gegenzug kann dieser erneut reagieren. So findet eine persönliche Kommunikation statt.

Erfolgreiche "We-Marken" wie der Account Serious Gossip von Zhang Ziyan haben hunderttausende Follower und verdienen durch Native Ads Geld.

WeChat ist derzeit vor allem im asiatischen Raum sehr gefragt (Screenshot).

WeChat ist derzeit vor allem im asiatischen Raum sehr gefragt (Screenshot).

Zweitens. "The New Yorker Presents: Amazon Original Series" (Print goes Streaming)

Das renommierte US-Magazin, das insbesondere für seine Kurzgeschichten, Cartoons und Essays von seinen Lesern geschätzt wird, geht neue Wege und startet die Amazon Original Series "The New Yorker Presents". Dokumentarfilmer Alex Gibney produziert die Serie, welche Inhalte des Magazins in Form von Filmen, Gedichten und Animationen auf die Leinwand bringt. Die Serie möchte jedoch nicht nur Leser des "New Yorker" ansprechen, sondern auch andere Zielgruppen erreichen.

Bekannte Schauspieler wie Paul Giamatti und Andrew Garfield nehmen an dem Projekt teil. Die Pilotfolge ist gratis auf der Online-Streaming-Plattform zu sehen. Die weiteren zehn Episoden gibt es für Amazon-Prime-Kunden. Jede Woche werden zwei Folgen veröffentlicht.

Drittens. AMP von Google (Antwort auf Facebook Instant Articles – für alle)

Lange Ladezeiten und damit verbundene Wartezeiten sind für Mobile User ein Graus. Accelerated Mobile Pages Projekt - kurz AMP - heißt Googles Antwort auf das Problem und ist damit gleichzeitig ein Konkurrenzprodukt zu Facebooks Instant Articles. Eine modifizierte HTML-Version (AMP HTML) soll für Schnelligkeit beim Aufbau mobiler Seiten sorgen.

Wichtig: Im Gegensatz zu Facebooks Instant-Articles-Vorstoß ist die Technologie Open Source und die Inhalte werden weiterhin auf den Seiten der Publisher veröffentlicht.

Viertens. Anchor (Audio trifft auf Social Media – Experiment für Radiosender)

Audio-Formate sind dank Podcasts gerade auf dem Vormarsch. Doch Social-Media-Kanäle sind traditionell ein schweres Feld, da das Web sehr visuell ist. Die App Anchor möchte das ändern: Kurze Audio-Clips können hier mit anderen geteilt werden und die User reagieren mit einer eigenen Audio-Datei auf das Gehörte. So kann eine Konversation entstehen, die als Podcast geteilt werden kann.

Der Radiosender WNYC experimentiert mit dem jungen Angebot des Startups und sucht hier die Konversation mit seinen Hörern.

Fünftens. BBC Drop (für junge digital-affine Afrikaner)

BBC Drop vereint individualisierte Nachrichten über den afrikanischen Kontinent mit persönlichen Vorlieben aus den Social-Media-Feeds der Nutzer. Die für mobile Nutzer ausgelegte Website bedient sich bei der Erkennung der Nutzerpräferenzen des Tinder-Prinzips: Per Swipe nach rechts oder links wird Interesse oder Desinteresse signalisiert, per Swipe nach oben wird der Artikel geteilt. Die persönlichen Social-Media-News werden per Facebook- oder Twitter-Log-In hinzugefügt.

Das Projekt wird von der BBC und dem kenianischen Start-up Ongair umgesetzt und befindet sich derzeit in einer Testphase.

In Kooperation mit dem Inno Lab der Hamburg Media School identifiziert Next Media Hamburg jeden Monat wichtige Entwicklungen, die im "Trendreport" veröffentlicht werden. Aber lesen Sie selbst, welche Cases dem aktuellen Trendreport zu entnehmen sind. 
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