5 Gründe, warum Fintechs Banken ablösen werden
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Studie | | von Annette Mattgey

5 Gründe, warum Fintechs Banken ablösen werden

Die als konservativ geltenden Deutschen scheinen nun doch offen für Innovationen in der Finanzbranche zu sein. Ein knappes Drittel will in den kommenden fünf Jahren die meisten seiner Bankgeschäfte an ein Fintech-Unternehmen auslagern. Damit liegt Deutschland auf Platz zwei – noch vor Großbritannien, Frankreich und den USA.Dies zeigt eine neue globale Studie, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut YouGov und vom Fintech-Unternehmen Transfer Wise: "The Future of Finance: Wie Technologie den Finanzsektor demokratisiert". Transfer Wise ist eine internationale Plattform für Auslandsüberweisungen, die Geldtransfers in Länder außerhalb des Euro-Raums anbietet

Drei Viertel (73 Prozent) der Deutschen nutzen bisher noch keine Alternative zu Banken. Jedoch rechnet fast die Hälfte von ihnen (49 Prozent) damit, in fünf Jahren einen alternativen Anbieter für mindestens eine Finanzdienstleistung zu nutzen. Ein Drittel (31 Prozent) der Befragten in Deutschland will sogar die Hälfte seiner Bankgeschäfte über Fintech-Unternehmen tätigen. 72 Prozent der Befragten gaben an, sie würden in Betracht ziehen, Fintech-Unternehmen zukünftig für Geschäfte zu nutzen, die sie aktuell bei ihrer Bank in Anspruch nehmen.

Wenn es wiederum um Erwartungen für die nächsten zehn Jahre geht, rechnet jeder fünfte Deutsche damit, alle seine Finanzangelegenheiten über Tech-Firmen abzuwickeln – von der Kreditkarte bis hin zum Immobilienkredit.  

Im Rahmen der Umfrage wurden weltweit mehr als 9.000 Menschen aus Europa, Nordamerika, Australien und Südostasien befragt, darunter Deutschland, Großbritannien, Frankreich und die USA.

Die Deutschen zeigen ein besonderes Interesse für Alternativen zu Banken, wenn es um das private Konto (27 Prozent) und Bezahlmöglichkeiten beim Einkaufen (20 Prozent) geht. Bei großen finanziellen Investitionen wie Immobilienkrediten zeigen sich die Deutsche dagegen etwas vorsichtiger, ähnlich wie in den anderen Märkten. Gleichzeitig sagt jedoch die Hälfte (50 Prozent) der deutschen "Early-Adopters", sie werden noch innerhalb der nächsten fünf Jahre alternative Anbieter im Kreditkarten-Bereich bevorzugen.

Tabelle 1: Prognose von Verbrauchern zur eigenen Annahme von Fintech in den nächsten 10 Jahren

  Nutzung in 5 Jahren  (%) Vertrauen in 10 Jahren (%)
Girokonto 23 84
Sparkonto 13 85
Kreditkarte 18 89
Zahlungsdienstleister 19 92
Auslandsüberweisungen 17 91
Versicherungsprodukte 7 85
Darlehen 7 86
Hypothek 3 84
Vermögensverwaltung 5 79

Zusätzlich befragte Transfer Wise seine Nutzer, um mögliche Besonderheiten bei so genannten "Early Adopters" herauszufiltern. Diese Ergebnisse zeigen, dass deutsche "Early Adopters" besonders konsequent alternative Anbieter nutzen: 88 Prozent wollen bis 2020 mehr als die Hälfte ihrer Finanzangelegenheiten über Fintech-Anbieter regeln – oder tun dies sogar bereits.

"Die Finanzwelt steht kurz vor einem fundamentalen Wechsel", sagt Taavet Hinrikus, CEO und Mitgründer von Transfer Wise. "In fünf Jahren wird die Finanzbranche bereits deutlich anders aussehen als heute, mit neuen Anbietern und innovativen neuartigen Serviceangeboten. In zehn Jahren wird sie sich grundlegend verändert haben. Die wohl größte Veränderung wird sich in den Erwartungen und im Verhalten der Kunden zeigen. Wir rechnen damit, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre einige Teile der Finanzindustrie vollständig von Nicht-Banken betrieben und dominiert sein werden, in anderen Teilen hingegen wird es einen Mix geben. Das wohl wichtigste Ergebnis dieses Wandels ist die Demokratisierung der Finanzwelt. Das derzeitige Konzept gebündelter Finanzdienstleistungen ist schlicht unfair. Aber es verändert sich – und davon werden die Verbraucher profitieren."

Auch wenn sich die Deutschen mit Mobile Payment etwas schwertun, ist Hinrikus zuversichtlich: "Die Deutschen wurden in der Vergangenheit bezüglich ihres Finanzverhaltens oft als konservativ abgestempelt, weil sie etwas vorsichtiger und langsamer in der Adaptierung bestimmter Services wie Mobile Banking waren", so Hinrikus. "Bis 2020 aber kann sich ein Drittel der deutschen Befragten vorstellen, bei gut der Hälfte ihrer Finanzangelegenheiten auf Tech-Firmen anstelle von Banken zu setzen. Die Deutschen scheinen also bereit zu sein, die Alternativen zu traditionellen Banken in ihren Finanzalltag einzubinden.“

Tabelle 2: Anzahl der Menschen, die für 50% ihrer finanziellen Bedürfnisse ab 2020 ein Tech-Unternehmen nutzen wollen

Weltdurchschnitt - Verbraucher Weltdurchschnitt – Early Adopters Deutsche Verbraucher Britische Verbraucher Französische Verbraucher Amerikanische Verbraucher Australische Verbraucher  
 
32% 85% 31% 26% 28% 28% 47%  

Diese fünf Aspekte sind den Kunden beim Wechsel von Banken zu Alternativanbietern am wichtigsten:

1. Ein sichererer Service als bei der Bank (32%)

2. Ein besseres Kostenangebot (27%)

3. Ein komfortablerer Service (21%)

4. Ein verbessertes Gefühl, Kontrolle über die eigenen Finanzen zu haben (17%)

5. Ein schnelleres Serviceangebot als bei Banken (15%)

Methodik

Der Bericht "The Future of Finance: Wie Technologie den Finanzsektor demokratisiert". ist mit Hilfe von YouGov Verbraucherdaten, Transfer Wise Konsumentendaten  und dritten Forschungsdaten erstellt worden. Für die Studie wurden insgesamt 9.230 Erwachsene befragt.

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