Netflix, Snap, iTunes statt RTL, ARD, ProSieben auf den Bildschirmen? Der Eco-Verband rechnet vor, warum sich der Zuschauer in den kommenden Jahren immer stärker Streaming und VoD zuwenden wird.
Netflix, Snap, iTunes statt RTL, ARD, ProSieben auf den Bildschirmen? Der Eco-Verband rechnet vor, warum sich der Zuschauer in den kommenden Jahren immer stärker Streaming und VoD zuwenden wird. © Foto:Astra

Eco-Prognose | | von Petra Schwegler

2020 wird mehr gestreamt als TV geglotzt

Streaming und Co. werden das klassische Fernsehen bis zum Jahr 2020 überholt haben. Zu diesem Schluss kommen Experten nach Analyse diverser Marktstudien. Michael Westphal leitet im Eco-Verband der Internetwirtschaft die Kompetenzgruppe Streaming Media. Er betont: "Livestreaming und Video on Demand nehmen an Fahrt auf! Vor allem durch die Ausweitung des Netflix-Angebots auf den deutschen TV-Markt nimmt die Bedeutung enorm zu." Er geht davon aus, dass Streaming bis zum Jahr 2020 stärker genutzt wird als das lineare Fernsehen. Immer mehr Dienstleister, zielgruppengerechte Angebote und ständig verbesserte Technik führten zunehmend zu einer "Etablierung von Streaming", so der Branchenbeobachter und begründet so die These.

Auf diese Marktbetrachtungen beruft sich Eco:

- Analysten von Digital TV Research gehen davon aus, dass Netflix bis zum Jahr 2020 allein über elf Millionen deutsche Streaming-Abonnenten haben wird, etwa 30 Prozent aller TV-Haushalte.

- Bereits bis 2018 wird sich laut Prognose der Berliner Strategieberatung Goldmedia der Umsatz mit Video on Demand (VoD) in Deutschland verdreifachen auf fast eine halbe Milliarde Euro.

- Weil vor allem die 14- bis 29-Jährigen immer häufiger Web-TV-Dienste, wie Youtube, Netflix oder Streaminginhalte in Mediatheken wie die von ARD, ZDF, ProSieben und RTL nutzen, sind sie immer schwerer für das lineare klassische Fernsehen zu begeistern. Laut ARD/ZDF-Onlinestudie 2014 stieg die Nutzung der Mediatheken der Fernsehsender von 28 Prozent (2013) auf 32 Prozent (2014). 35 Prozent der Online-Nutzer schauen sich Sendungen im Netz zeitversetzt, 25 Prozent live an. Besonders attraktiv sind das zeitversetzte Fernsehen (53 Prozent) und die Mediatheken der Sender (42 Prozent) demnach für die 14- bis 29-Jährigen.

- Die aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie 2014 hat zudem herausgefunden, dass bereits heute die Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen täglich 32 Minuten lang bewegte Bilder im Internet sieht.

- Eco selbst hält fest: Eine wachsende Anzahl von Streaming-Anbietern und Mediatheken kämpft bereits heute um die Gunst der Zuschauer. Dazu zählen VoD-Anbieter wie Lovefilm von Amazon, Snap und Sky Go von Sky, Maxdome von ProSieben, Videoload von der Deutschen Telekom und iTunes von Apple. Ebenso wie die Watchever GmbH von Vivendi, die hierzulande nach eigenen Angaben bis zu 5000 neue Nutzer pro Tag verzeichnet.

Streamingkenner Westphal - CEO und Mitgründer der TV1 GmbH, B2B-Cloud-Plattform für Livestreaming- und Online-Video-Lösungen in Europa - spricht auf Basis dieser Veränderungen von einer "Wachablösung in der deutschen Fernsehlandschaft". Er stößt damit ins selbe Horn wie diverse Forscher, die 2014 die TV-Anbieter vor einer "Netflix-Invasion" gewarnt haben. Schon jetzt ist die Konkurrenz fürs klassische TV aus seiner Sicht groß: "Geboten werden teils exklusive Filme und Serien - wann und wo die Nutzer dies wollen. Durch die neuen Anbieter verändern sich das Nutzungsverhalten und die Sehgewohnheiten vor allem des jungen Fernsehpublikums." Außerdem handeln die neuen Anbieter teils sehr geschickt.

 

Ein Ende des Aufwärtstrends bei Netflix und Konsorten sei "nicht in Sicht". Im Gegenteil: Michael Westphal geht von einer Aufrüstung der VoD- und Streaminganbieter aus: "Da immer mehr Dienstleister eine immer größere Anzahl an zielgruppengerechten Produkten anbieten, kommt es im Bereich Streaming zu einer Diversifizierung. Zudem wird die Technik zur Übertragung der Inhalte ständig verbessert. Dies führt zunehmend zu einer Etablierung." Diese Entwicklung werde sich in den nächsten Jahren weiter fortsetzen.

2020 wird mehr gestreamt als TV geglotzt

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