Wochenrückblick | | von Frederik Birghan

Zwischen Bedrohung und Gottesgeschenk

Die Woche der Konferenzen & Talks begann in München mit der DLD 2014, dem digitalen Mega-Event des Burda-Verlags. Traditionell versammelt Geschäftsführerin Steffi Czerny gern die Evangelisten der digitalen Branche, die sich selbst für die Erlöser der Menschheit halten. Ebenso traditionell blieb es Verleger Hubert Burda vorbehalten, die lauteste Kritik der Veranstaltung zu äußern: Mit Qualitätsjournalismus allein seien einfach nicht genug Erlöse zu erzielen, so der streitbare Chef des Hauses. Aber selbst auf dieser Konferenz wurden kritische Töne im Jubelkonzert untergemischt. Die Tonlage der Branche ändert sich gerade. Es wird nicht mehr alles unterschiedslos für Menschheitsbeglückend erklärt.

In diesem Sinne hat der neue Papst noch nicht den Puls des aktuellen Zeitgeistes erfasst, wenn er das Internet zum Gottesgeschenk verklärt. Die Branche zeigte sich dennoch angemessen angenehm berührt und nimmt es erst mal positiv. Wer in Tausenden von Jahren rechnet, darf auch mal ein paar Monate hinterher sein.

Der neue Ton war auch auf dem LEAD digital Experts Talk zum Thema "Programmatic Buying goes Branding" spürbar: Bei einem Talk aus dem gleichen Themenbereich im Vorjahr wurde vom Podium herunter noch relativ aggressiv dekretiert, dass Real-Time-Advertising unausweislich sei und sich jeder schleunigst darauf einzustellen habe. Das klang diesmal anders. Man habe noch eine ganze Wegstrecke vor sich, müsse noch viel arbeiten, Überzeugungsarbeit leisten, auf die Bedürfnisse der Marktteilnehmer eingehen. Sogar Verständnis für die traditionell zurückhaltende Haltung des deutschen Marktes wurde deutlich artikuliert.

Noch ein Stück erfrischender ging der Chief Creative Officer International von DigitasLBi bei deren diesjährigem Digital Marketing Talk in Köln zur Sache: Chris Clarke erinnerte daran, dass die digitale Revolution auch haufenweise Arbeitsplätze vernichte, ohne garantieren zu können, dass alle durch die schöne neue Welt ersetzt werden könnten. Nachdem Verweigerung auch keine Lösung ist, lautete sein Plädoyer Kreativität first! Denn Kreativität sei durch keine Computersysteme oder Algorithmen zu ersetzen. Auf der gleichen Veranstaltung setzte Jens Pöppelmann, Bereichsleiter Prozesse und Service bei IP Deutschland, mit der Bemerkung nach, das digitale Marketing solle doch wegkommen von der Diskussion um Prozesse und wieder Budgets und Zeit finden für kreative Spots und Rectangles, über die anschließend überall diskutiert werde.

Was sonst noch los war? Immerhin: Microsoft meldete gestiegene Umsätze und Gewinne, vor allem dank der neuen Spielekonsole Xbox und dem Tablet Surface (wobei der größere Anteil daran der Konsole geschuldet sein dürfte). Für den Windows-&-Office-Riesen auf jeden Fall ein positives Signal in schwierigen Zeiten. Ein Nachfolger für Steve Ballmer wurde noch nicht bekannt gegeben.

Und dann war da noch die Aufregung um 16 Millionen gehackte E-Mail-Accounts in Deutschland, von denen das BSI seit einem Monat wusste, aber erst jetzt bekannt gab. Die Einrichtung der entsprechenden Prüfseite habe so lange gebraucht, lautete die Erklärung für die Informationspolitik. So lauteten typische Fragen in Kaffeeküchen und auf Fluren: "Hast Du schon geprüft?" und "Hast Du auch schon Antwort bekommen?"

Zwischen Bedrohung und Gottesgeschenk

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