DHL-Paket-Drohnen | | von Franziska Mozart

"Wir sind beim E-Commerce immer noch im ersten Basislager"

Im Liniendienst beliefert eine Minidrohne der Deutschen Post DHL mehrere Monate lang eine Apotheke auf der Nordseeinsel Juist. Das ist der erste kommerzielle Test einer Lieferdrohne in Deutschland. Amazon sorgte mit der Ankündigung, Drohnen für die Lieferung von Pakten einzusetzen vor einem Jahr für Aufsehen. Damals wurde diese Idee von verschiedenen Medien, auch von W&V Online, noch als PR-Gag gehandelt. Inzwischen klingt das Thema zwar noch immer ein wenig nach Science Fiction, doch es wird unter anderem auch von Google ernsthaft weitergetrieben.

Der sogenannte DHL-Paletkopter wird in Kürze mit seiner Lieferung von Medikamenten und anderen dringend benötigten Gütern beginnen und dafür zu bestimmten Uhrzeiten fliegen. DHL startete das Forschungsprojekt bereits vor einem Jahr und kooperiert dazu mit dem Institut für Flugsystemdynamik der RWTH Aachen und der Microdrones GmbH. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat in Abstimmung mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) für dieses Forschungsprojekt ein exklusives Flugbeschränkungsgebiet eingerichtet. Neben der Inselgemeinde Juist und der Stadt Norden hat auch die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer den Einsatz des Kopters genehmigt.

Bis zur Insel Juist legt die Drohne rund 12 km für einen Weg zurück. Zwar findet der Flug vollständig autonom, also ohne das Eingreifen eines Piloten statt, doch die Grenzen des Projektes stecken die behördlichen Vorgaben: Aus Sicherheitsgründen muss der Paketkopter während seines Flugs von einer mobilen Bodenstation in Norddeich ständig überwacht werden, die jederzeit eingreifen kann.

Die Paket-Drohne bleibt aber weiterhin eine Ausnahme. Konkrete Einsatzpläne für den Regelbetrieb hat die DHL nicht, will aber weitere Möglichkeiten einer solchen Zustellform erproben. Denkbar sei der Einsatz solcher Geräte für die Zustellung besonders eiliger Güter in dünn besiedelten oder schlecht erreichbaren Gebieten sowie bei der Notfallversorgung denkbar.

Das Jürgen Gerdes, Konzernvorstand Post - E-Commerce - Parcel der Deutschen Post DHL erklärt das Post-Projekt im dpa-Interview.

Herr Gerdes, was ist an Ihrem Pilotprojekt so einzigartig, dass es weder Google noch Amazon bisher geschafft haben?

Ich kann nur für uns sprechen. Wir sind im Bereich der Drohnen der erste gewerbliche, nicht-militärische Anwender, der im Pilotprojekt Paketkopter einen regulären Linienbetrieb unterhält. In den USA ist die von Amazon beantragte Genehmigung für den Flugbetrieb von der Flugaufsicht meines Wissens nach nicht erteilt worden - insofern sind wir hier einen Schritt weiter. Für uns ist dieser Test der nächste logische Schritt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie und wo ein Einsatz Sinn machen und funktionieren könnte. Wir glauben, dass der Paketkopter hohes Potenzial hat.

Wie groß waren die behördlichen Bedenken?

Es gibt nicht viele Menschen, die am Anfang an derartige Ideen glauben. So war es in der Anfangsphase des Automobils auch. Wenn man aber selbst davon überzeugt ist, dann muss man viele Parteien an einen gemeinsamen Tisch bringen. Und jede Partei hat eigene und berechtigte Interessen und Sichtweisen auf diese Idee. Und deshalb sind wir sehr glücklich und auch ein wenig stolz, dass wir es gemeinsam hinbekommen haben.

Wie schnell entwickelt sich die Technologie?

Wir erleben eine sehr, sehr steile Lernkurve. Die Fähigkeiten dieser Fluggeräte entwickeln sich rasant, und damit auch die Einsatzmöglichkeiten. Deswegen ist es auch so wichtig, gleich von Anfang an dabei zu sein und diese Entwicklung aktiv mitzugestalten. Ich bin sicher, dass wir in wenigen Jahren Dinge erleben werden, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Der Grund dafür ist einfach: Es werden Anwendungen sein, die das Leben der Menschen und Unternehmen einfacher und besser machen - und daher auch willkommen geheißen werden. Vor wenigen Monaten sind wir quer über den Rhein geflogen, nun haben wir zwölf Kilometer in 13 Minuten geschafft - und dabei ist der Paketkopter ohne Sichtkontakt völlig autonom geflogen. In wenigen Jahren werden wir alle positiv überrascht sein.

Wann rechnen Sie mit dem ersten gewerblichen Linienbetrieb der Boten-Drohnen? Werden sie ein Nischenprodukt bleiben?

Nach unserem Verständnis ist unser Test der erste gewerbliche Linienbetrieb - allerdings im Teststadium. Bis so etwas am helllichten Tag überall in Deutschland und in großer Anzahl, also quasi selbstverständlich passiert, wird es noch einige Jahre dauern. Wie lange, kann ich Ihnen auch nicht sagen. Aber wir sind mit unseren Dienstleistungen in mehr als 220 Ländern und Territorien als Konzern das vielleicht internationalste Unternehmen der Welt. Wir denken solche Projekte also immer weltweit. Zum anderen: Die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung nimmt täglich zu. Heute kann kaum noch jemand ohne Smartphone und Tablet leben - vor wenigen Jahren waren diese Geräte völlig unbekannt, weil nicht existent. Insofern geht es manchmal sehr viel schneller, als man am Anfang glaubt.

Weil der Markt auch dank des online-Handels so boomt?

Wir sind beim E-Commerce immer noch am Fuße des Berges, also quasi im ersten Basislager. Die Entwicklung hat noch gar nicht richtig angefangen, schon gar nicht weltweit. Da ist noch sehr viel Luft und Wachstum nach oben, das können wir uns derzeit noch überhaupt nicht vorstellen. Allerdings reichen die vorhandenen Technologien völlig aus, um dieses Wachstum zu ermöglichen und zu bedienen. Dafür braucht man grundsätzlich keinen Paketkopter.

(fm/dpa)

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