Lesetipp | | von Nicole Mork

Warum sich Frische im Netz nicht verkaufen lässt

Zwei Packungen Tiefkühlpizza, eine Dose Tomatensuppe, frisches Obst, zwei Flaschen Cola: Der Warenkorb am Computer ist schnell gefüllt. Per Mausklick lassen sich die gewünschten Lebensmittel bequem nach Hause liefern. Keine langen Schlangen an den Kassen und das lästige Tüten schleppen ist auch passé. Soweit das Versprechen der Online-Lebensmittelhändler. Doch wie eine Marktstudie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI zeigt, ist der Einkauf im Netz noch lange nicht ausgereift. 

Nach wie vor konzentrieren sich die meisten Online-Händler bei ihrem Angebot auf haltbare Produkte wie Süßwaren, Konserven oder Getränke. Den Verkauf von frischen Lebensmitteln meidet der Großteil der virtuellen Läden. Maximal ein Drittel der vom EHI überprüften 250 Onlineshops hat frische Produkte wie Obst, Gemüse oder Fisch im Angebot. Denn die Lieferung verderblicher Produkte bis zur Haustür ist nach wie vor eine logistische Herausforderung für mache Anbieter. "Wir haben bei Testbestellungen mit bundesweiter Paketlieferung teilweise Probleme mit der Frische festgestellt", sagt Sascha Berens, Online-Experte des EHI. Vor allem wenn Tiefkühlware zusammen mit Obst und Gemüse in einem Paket auf die Reise geschickt wurde, sei es mehrfach zu Frostschäden gekommen. Auch Rewe aus Köln sieht Kühl- und Tiefkühlware beim Lieferservice von Lebensmitteln als eine besondere Herausforderung an und versucht das Problem mit eigenen Kühlfahrzeugen und eigenem Zustellpersonal zu meistern. 

Aber nicht nur Bananen mit Kühlschäden sorgen bei manch einem Kunden für böse Überraschungen. Auch zu lange Lieferfristen und Ersatzartikel werden zunehmend zum Problem für den Online-Lebensmittelhandel. In Deutschland ist das Misstrauen der Kunden entsprechend groß und das Online-Geschäft mit Lebensmitteln noch vergleichsweise klein. Laut EHI werden hierzulande derzeit gerade einmal ein Prozent der Lebensmittel im Netz bestellt. In anderen Ländern spielt der Online-Handel längst eine viel größere Rolle. So werden nach einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung McKinsey in Frankreich schon vier und in Großbritannien fünf Prozent aller Lebensmitteleinkäufe via Internet erledigt.

Trotzallem dürfte das bislang noch bescheidene Geschäft in den kommenden Jahren wachsen. Die Marktforscher der Gfk in Nürnberg erwarten etwa, dass sich der Anteil der Sparte Lebensmittel & Drogerie bis 2025 von zusammen derzeit 8 auf 16 Prozent verdoppelt. EHI-Experte Berens sieht vor allem für Nischenhändler eine große Chance.

Mehr zu der Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorab vorlag, lesen sie hier.

nm/dpa

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