Wochenrückblick | | von Frederik Birghan

Von staatlichen und privaten Hackern

Wer gedacht hatte, die Snowden-Enthüllungen über das Treiben von NSA und GCHQ würden nur einen Sommer überdauern, sieht sich getäuscht. Noch immer kommen neue Details über die Werkzeuge allumfassender und globaler Überwachung des Digitalen ans Licht. Wobei sich der Protest auf die üblichen Verdächtigen beschränkt: Datenschützer, diesmal auf EU-Ebene, fordern ein Ende der "Wildwest-Methoden". Auf Regierungsebene bleiben Einsprüche so lau, dass der Beobachter von einvernehmlicher Kooperation ausgehen muss. Kein Wunder eigentlich also, dass deutsche Netzsurfer ihr Verhalten kaum ändern. Wozu auch? Spätestens die NSA-Abteilung "Tailored Access Operation" knackt mit Sachen wie "Quantum Insert" jeden Rechner, jeden Zugang. Und wer sich extra schützt, macht sich extra bei den Paranoiden verdächtig. Verzicht ist auch keine Lösung. Also bestellt der Leser halt keinen Koran bei Amazon. Und hofft.

Hoffen hilft bei dem Computerhersteller Hewlett-Packard alleine nicht mehr: Weitere Jobs sollen wegfallen, um das Unternehmen aus der Krise zu führen. Zu lange hatte die Chefetage noch auf PC-Absätze gehofft, als die Tablets bereits ihren Siegeszug begannen, den Hewlett-Packard verschlafen hatte. Nun ist der Schaden für die Angestellten und Mitarbeiter da. 

Zum Vorteil wiederum der eigenen Mitarbeiter hatte der Hamburger-Brater McDonald's eine Seite ins Firmen-interne Netz gestellt. Da ging es um Ernährungsberatung und Gesundheit. Dort wurden dann mehr Salate statt BigMacs empfohlen. Für diese Selbstverständlichkeiten erntete der Konzern Hohn & Spott und nahm die Seite schließlich vom Netz. Schade eigentlich.

Ähnlich inkonsequent ging Apple vor. Der Konzern hätte ja seine Kunden darüber aufklären können, dass die NSA auch die iPhones belauschen kann – per Rundmail, wie sie bei anderen Produkten so wunderbar eintreffen im Postfach. Nein, sie wollen "keine Kenntnis davon gehabt" haben. Echt nicht? Auf den angekündigten Schutz sind wir sehr gespannt. 

Der Facebook-Account, so viel dürfte klar sein, ist ein öffentliches Gut. Das hindert 13 Millionen Deutsche nicht daran, ihn über den mobilen Kanal zu nutzen. Manche wollen, manche müssen. Ob der Kanal für Jugendliche "langsam tot" ist oder doch sich noch steigender Beliebtheit erfreut, vermag nur zu sagen, wer die Daten selber sammelt. Im Zweifelsfall hat Facebook selbst die besten Einblicke, gibt aber nur die positiven Sachen raus.

Wer protestieren will, findet sich schnell in ungeliebten Koalitionen wieder. Der Hinweis etwa, dass Skype nunmehr von Microsoft kontrolliert wird, ist ja nicht falsch. Aber will sich das der freigeistige Internet-Nutzer ausgerechnet von der "Syrian-Electronic-Army" sagen lassen, die das Assad-Regime stützt? Nein!

Von staatlichen und privaten Hackern

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