Performance | | von Annette Mattgey

Vom Erfolg überrollt: Websites vernachlässigen Stabilität

Mit den Umsätzen wachsen die Probleme. Onlinehändler in Deutschland versäumen häufig, ihre E-Shops den steigenden Kunden- und Verkaufszahlen technisch anzupassen. Nur rund ein Fünftel  nutzt professionelle Methoden, um die Leistungsfähigkeit ihrer Verkaufsportale laufend zu prüfen und bei Auftragsspitzen sofort reagieren zu können. Damit laufen sie Gefahr, dass sie Umsätze verschenken. Denn die Kunden sind anspruchsvoll. Langes Warten auf den Seitenaufbau, schlechte Abstimmung auf einzelne
Browser und fehlende Maßnahmen gegen Datenklau quittieren sie mit Kaufabbrüchen. Das zeigt eine Markteinschätzung von Steria Mummert Consulting.

2012 wurden bereits 27,5 Milliarden Euro im E-Commerce erwirtschaftet . Dies entspricht einem Plus von 26,5 Prozent gegenüber 2011 vermeldet das EHI Retail Institute. Dieser rasante Anstieg wächst vielen Händlern inzwischen über den Kopf. Die Shopsysteme stoßen an ihre Leistungsgrenze: Obwohl beispielsweise bekannt ist, dass ein Onlinekäufer maximal drei Sekunden Wartezeit für den Aufruf einer Website akzeptiert, sind die meisten Shops deutlich langsamer. Die Top-400-Onlinehändler in Europa brauchen im Durchschnitt sieben Sekunden für den Seitenaufbau, zeigt eine Untersuchung des Web-Performance-Spezialisten Radware.  "Ladezeiten von teilweise zehn Sekunden sind deutlich zu hoch, viele Kunden werden diesen Internetshops den Rücken kehren", sagt Lars Hinrichsen (Bild), Experte für Testmanagement bei Steria Mummert Consulting.

Die Erfahrungen hat beispielsweise auch der Kristallanbieter Swarovski mit seinem Onlineshop gemacht. Heute setzt das Unternehmen auf Application Performance Management (APM) - mehr ein kultureller Umdenkprozess als reine Software-Lösung.

Sind so viele Browser

Vor Schwierigkeiten stellt Onlinehändler häufig auch die heutige Browservielfalt. Die Shops prüfen Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit meist manuell und reagieren deshalb zu spät auf Updates. Denn das Testen und Optimieren von Websites und Apps für einzelne Browser und Versionen wird komplexer. Fast jeder zweite Nutzer surft in Deutschland mit Mozillas Firefox, 40 Prozent mit dem Internet Explorer von Microsoft und rund elf Prozent mit Google Chrome durchs Netz.  Und wo früher nur zwei Versionen des Microsoft-Browsers auf dem Markt waren, sind es heute fünf (IE 6 bis IE 11). "Dazu kommt diewachsende Nutzung von Smartphones und Tablets", verdeutlicht Lars Hinrichsen von Steria Mummert Consulting. "Diese mobilen Endgeräte werden von Apples Betriebssystem iOS und Googles Android und damit von ihren speziellen Browsern dominiert. Das bedeutet noch mehr
Prüfaufwand."

Damit Vertrieb, Marketing und IT ohne "Flaschenhals-Problem" wachsen können, sind regelmäßige Überprüfungen der IT Pflicht, wie sie die großen Internetmarktplätze schon praktizieren. Für eine erfolgreiche Absicherung der Shopping-Plattformen sollten mindestens automatische Tests der geschäftskritischen Grundfunktionen durchgeführt werden, empfiehlt Hinrichsen. Dazu zählen beispielsweise Prüfungen des Anmeldevorgangs, des Bestellvorgangs, Kompatibilitätstests mit verschiedenen Browsern und Endgeräten, die Überprüfung der Benutzerfreundlichkeit, ein Check der Systembelastungsgrenzen sowie ein Test auf externe Sicherheitslücken. "Vor allem Sicherheitschecks werden häufig aus Kostengründen vernachlässigt. Dabei wiegen Umsatzausfälle stärker als die Präventionskosten", so Hinrichsen. Denn jüngste Beispiele wie der Einbruch in das Datenzentrum einiger Online-Reiseveranstalter zeigen, dass Einsparungen beim Thema Datensicherheit zu großen Reputationsschäden führen.

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