Interview | | von Annette Mattgey

Rasierklingen im Abo: "Service-Aspekt vor Produktinnovation"

Während sich Gillette und Wilkinson mal wieder heftige Kämpfe liefern, bleiben die Kunden von Mornin‘ Glory ganz entspannt. Das Berliner Start-up bietet einen Abo-Service für Klingen an. Im Interview mit LEAD digital erklärt Nicolas Stoetter, Geschäftsführer und Mitgründer von Mornin‘ Glory, welchen Kommunikationsstil das Unternehmen pflegt und warum Soldaten Rabatt bekommen.

Wie hebt sich die Marke Mornin‘ Glory von etablierten Marken ab?

Neben dem Versandservice und der Preispolitik legen wir vor allem Wert auf eine kumpelhafte Kommunikation mit den Männern: Mit Gillette und Wilkinson gibt es am Markt schon zwei klassische Player. Wir suchen daher den Dialog auf Augenhöhe mit dem Kunden - und manchmal auch etwas tiefer.

Welche Kriterien waren für die Positionierung der Marke Mornin‘ Glory entscheidend?

Gillette und Wilkinson haben über 80 Prozent Markanteil. Neben der unkonventionellen Kommunikation brechen wir mit einem Paradigma der Rasierklingen-Industrie und stellen den Service-Aspekt statt der Produktinnovation in den Vordergrund: In unseren Augen reicht nämlich eine hochwertige Klinge für die Rasur aus. Das x-te Rasierblatt oder vibrierende Griffe wird man von uns nicht sehen.

Warum raten Sie jedem Start-up, von Anfang an eine Marke aufzubauen?

Werbung und Umsatz werden entkoppelt und das Marketing damit bereits in der frühen Phase werthaltiger. Ohne Marke ist es außerdem schwer, spitz in den Markt zu gehen und das Angebot langsam auszubauen. Eine  Marke stärkt außerdem die Kundenbindung und sorgt für Aufmerksamkeit. Das können gerade Start-ups gut gebrauchen.

Welche Werbekanäle bieten sich insbesondere für Start-ups an?

Jedes Online-Startup kennt die klassischen Performance-Kanäle wie Facebook, SEA/SEO, Email und Affiliate. Wer trotz begrenzter Budgets auch Werbekanäle erschließen will, die stärker auf die Marke einzahlen, kann mit reichweitenstarken Partnern kooperieren. Wir bewerten daher alle Kooperationen auch unter einem Branding-Aspekt und geben zum Beispiel der Bundeswehr einen Soldaten-Rabatt. 

Wie bauen Sie die Marke Mornin‘ Glory auf?

Jeder Touchpoint vom Werbemittel bis zum Packaging spiegelt den Markenkern wider: Wir pflegen einen konversationalen Sprachstil, das heißt wir verabschieden unseren Kunden schon mal mit „Zieh durch, Keule“.  Der Rasierer kommt in einer Zigarrenhülse und der monatlichen Sendung liegen kleine Überraschungen wie Burger-Rezepte bei.

Und offline (Klassik, BTL, PR...)

Aus Performance-Gründen sind wir vor allem online zu finden. Neben klassischer PR können wir uns offline auch Maßnahmen wie Guerilla-Aktionen vorstellen. Außerdem ist TV relevant, da wir mit den Markt mit einem nahezu unbekannten Geschätsmodell betreten. Hier sammeln wir gerade Erfahrungen.

Haben es digitale Unternehmen besonders schwer beim Markenaufbau?

Im Gegenteil. Gerade E-Commerce-Unternehmen haben durch den direkten Zugang zum Kunden die Chance, die Customer Journey markengerecht zu gestalten. Warby Parker oder Everlane zeigen zwar, dass Markenaufbau digital und von Tag eins an funktioniert, das Thema wird hierzulande aber oft vernachlässigt. Das ist aus unserer Sicht eine verpasste Chance.

Rasierklingen im Abo: "Service-Aspekt vor Produktinnovation"

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