In der neuen Tochterfirma Seven Commerce bündelt ProSiebenSat.1 seine strategischen Beteiligungen an E-Commerce-Startups in einer eigenen Firma - darunter jetzt auch Flaconi und Amorelie.
In der neuen Tochterfirma Seven Commerce bündelt ProSiebenSat.1 seine strategischen Beteiligungen an E-Commerce-Startups in einer eigenen Firma - darunter jetzt auch Flaconi und Amorelie. © Foto:Unternehmen

Seven Commerce | | von Judith Pfannenmüller

ProSiebenSat.1 gründet E-Commerce-Tochter

Der TV-Konzern ProSiebenSat.1 gliedert das strategische Geschäft mit denjenigen E-Commerce-Firmen, von denen sich der Konzern das meiste Wachstum verspricht,  in eine eigene Tochter aus: die Seven Commerce. Unter der neuen Dachmarke investiert der Konzern in vielversprechende Firmen aus den Bereichen Beauty & Accessories (Brille 24, Amorelie, Valmano, Flaconi,  Home&Living, moebel.de), Fashion&Lifestyle (Stylight, Gymondo) sowie Digitale Marktplätze (Preis 24). Sobald ein E-Commerce-Bereich groß genug ist, wird er wiederum in eine eigenständige Firma  ausgegliedert - siehe Seven Travel (weg.de, mydays, tropo, wetter.com, billiger-mietwagen.de).  Die derzeit 54 weiteren, nicht strategischen Minderheitsbeteiligungen verbleiben bei der Seven-Commerce-Schwesterfirma Seven Ventures.

Im Zuge der Neugliederung übernimmt Seven Commerce die Mehrheit an der Onlineparfümerie Flaconi (100 Prozent), dem Liebesleben-Portal Amorelie (75 Prozent) sowie der Mobilfunk-Preisvergleichs-Plattform Preis24.de (85 Prozent). Insgesamt sechs Firmen gehören der ProSiebenSat.1-Tochter Seven Commerce inzwischen mehrheitlich - neben Amorelie, Flaconi und Preis 24.de auch Valmano, moebel.de und Gymondo. Geschäftsführer sind Claas van Delden und Daniel Raab, die auch zuvor auch schon bei Seven Ventures  für das strategische Portfolio verantwortlich waren.

 

Der Digitalbereich, zu dem auch Games und Video-on-Demand-Portale wie Maxdome gehören, gilt als zweite strategische Wachstumssäule im Konzern, der immer noch 75 Prozent seiner Umsätze von 2,8 Milliarden Euro über den Verkauf von TV-Werbung hereinspielt. Mit 300 Millionen Euro Umsatz steuert der Bereich E-Commerce bereits die Hälfte 600 Millionen Euro Gesamtumsatz im Digitalgeschäft des Konzerns bei.

ProSiebenSat.1-Digitalvorstand Christian Wegner glaubt fest daran, dass gerade in der Verknüpfung des klassischen Kerngeschäfts TV mit E-Commerce ein "enormes Wachstumsfeld" liegt. Schon 2009 führte ProSiebenSat 1 die Share-Modelle "Werbezeiten-gegen-Firmenbeteiligung"  (Media-for-Equity)  bzw. "Werbezeiten-gegen-Umsatzbeteiligung" (Media-for-Revenue) ein. Über diese Modelle macht der Konzern seine anderweitig nicht verkauften Werbeplätze zu Geld - ein Bruttowerbevolumen von 1 Milliarde Euro.  

Um seine E-Commerce-Beteiligungen über den deutschen Markt hinaus schneller europaweit auszurollen und so dem Übergewicht global agierender Firmen aus den USA wenigstens in Europa etwas entgegensetzen zu können, knüpft ProSiebenSat.1 derzeit ein Media-Netzwerk mit anderen europäischen TV-Gruppen. Kooperationsverträge mit  TF 1 (Frankreich), Channel 4 (UK), Modern Times Group (Skandinavien), TVN (Polen) und Dogan TV (Türkei) sind fast unterschriftsreif.  Zunächst wird es dabei um bevorzugte Konditionen oder den Tausch von Werbezeiten gehen, nicht aber um die Beteiligung der Medienpartner an den Startups.  Amorelie wird bei der europäischen Expansion den Anfang machen.

 

Übrigens: Vor allem unter der Ägide des amtierenden Vorstandchefs Thomas Ebeling ist die Digitalsparte auf- und lukrativ ausgebaut worden – mit ein Grund, warum die TV-AG vor Kurzem für 2014 eine weitere Rekordbilanz melden konnte. Für Ebeling zahlt sich der Erfolg aus: Er hat dank einer Bonuszahlung im vergangenen Jahr mehr als 27 Millionen Euro für seine Arbeit als Vorstandsvorsitzender kassiert, wie aus dem jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht. Zur Vergütung von gut vier Millionen Euro kommt der bereits seit August 2014 bekannte Bonus in Höhe von 23,4 Millionen Euro, den die ehemaligen Hauptaktionäre von ProSiebenSat.1 - die Finanzinvestoren KKR und Permira - Ebeling gezahlt haben.

ProSiebenSat.1 gründet E-Commerce-Tochter

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