Philip Rooke ist CEO von Spreadshirt.
Philip Rooke ist CEO von Spreadshirt. © Foto:Spreadshirt

Interview mit dem Spreadshirt-Chef | | von Frank Zimmer

Philip Rooke über die Brexit-Gefahr: "Deutschland hat es besser gemacht"

Nächste Woche Donnerstag stimmen die Briten über die EU-Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs ab. Einer von ihnen ist Spreadshirt-Chef Philip Rooke. LEAD digital hat ihn dazu befragt.

Philip Rooke, Sie sind Brite und dürfen über den Brexit abstimmen. Wie entscheiden Sie sich?

Ich stimme für den Verbleib in der EU.

Warum?

Kurzfristig gesehen wäre ein Brexit sehr schlecht für die britische Bevölkerung. Der Handel mit der EU macht einen großen Teil der britischen Wirtschaft aus, und die meisten Menschen wissen nicht einmal, wie viele nicht-europäische Firmen das Vereinigte Königreich als Basis in der EU nutzen.

Auf lange Sicht werden Firmen aus dem Vereinigten Königreich an Reichweite verlieren, da sie keinen uneingeschränkten Zugriff auf den großen EU-Markt mehr haben. Das macht sie verglichen mit in der EU ansässigen Firmen weniger attraktiv für Investoren. 

Brexit-Befürworter argumentieren oft und laut mit dem Thema Bürokratie. In der Tat ist die Bürokratie in der EU sehr ineffizient und könnte deutlich verbessert werden. Aber insgesamt hat die EU das Leben von Unternehmen und Bürgern im Vereinigten Königreich und in ganz Europa verbessert.

In Großbritannien sind Gegner und Befürworter des Brexit ungefähr gleich stark. Gilt das auch in Ihrer Familie und in Ihrem britischen Freundeskreis oder gibt es da eine eindeutige Tendenz?

Meine Familie und Freunde sind größtenteils Brexit-Gegner. Aber sie sind alle verärgert über die Ineffizienz der EU-Bürokratie und über den Mehraufwand, den die EU-Gesetzgebung für ihre Unternehmen und sogar für ihr Privatleben mit sich bringt.

Einer der strittigen Punkte der britischen EU-Politik sind europaweite Sozialstandards. Sie sind Chef eines deutschen Unternehmens und können vergleichen: Was ist im deutschen Arbeits- und Sozialrecht anders als in UK und welches Modell finden Sie besser?

Da ich in Deutschland lebe und arbeite, aber Erfahrungen mit anderen EU-Mitgliedstaaten habe, fällt mir vor allem eines auf: Viele Probleme mit der EU-Gesetzgebung sind im Vereinigten Königreich hausgemacht. Noch schlimmer machen es in UK gewinnorientierte Anwälte, die gegen jeden vorgehen, der vermeintlich EU-Gesetze bricht. Außerdem sind die Briten nicht die besten Bürokraten, weshalb die ordentliche Einführung von EU-Gesetzen oft schief läuft.

Diese Probleme sehe ich in Deutschland nicht. Hier profitieren wir mehr von der EU, als dass wir auf Schwierigkeiten stoßen. Deutschland ist in der EU voll integriert und hat das besser gemacht. Deshalb wirken sich die Arbeits- und Sozialregelungen hier positiv aus statt zu behindern. Ich bevorzuge eindeutig den deutschen Ansatz.

Zurück zum Brexit. Anders als die deutschen Europa-Skeptiker verfügen die britischen EU-Kritiker über einen wirklichen Medienstar: Boris Johnson. Wie schätzen Sie ihn ein?

Boris hat als Bürgermeister von London viele bewundernswerte Veränderungen geschafft. Jetzt jedoch wird er immer mehr zum Populisten, der auf Medienspektakel setzt. Er mutiert zum britischen Donald Trump, und damit habe ich nichts am Hut.

Philip Rooke über die Brexit-Gefahr: "Deutschland hat es besser gemacht"

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